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Ibrahim Wolff (r.) und seine Söhne Samuel (l.) und Michael räumen nach dem Brandschaden auf. Sie lassen sich nicht unterkriegen. Sie führen den Betrieb fort und bitten Kunden um Verständnis und Geduld. Foto: t&w

„Wir kommen wieder auf die Beine“

Lüneburg. Schuster Ibrahim Wolff steht in seiner von Ruß und Rauch gezeichneten Werkstatt, es riecht nach Qualm, Steine liegen auf dem kohlenschwarzen Boden, Regale wirken wie geplündert. Der 74-Jährige ist gläubiger Moslem. Er nimmt das Feuer als Herausforderung und Botschaft, er denkt an Hiob, dessen Geschichte schon im Alten Testament einen Schicksalsschlag nach dem anderen erzählt. Wolff sagt: „Hiob hat nie den Glauben verloren, dass Er es richten wird.“ Nun hat es Wolff nicht so schlimm getroffen wie Hiob, dessen Kinder starben und dessen Reichtum schwand. Aber um die Existenz der Familie geht es schon im Geschäft an der Bardowicker Straße: keine Arbeit, kein Einkommen. Doch Wolff und sein Sohn Michael, der mit ihm zusammen Schuhe flickt und neue baut, freuen sich da­rüber, dass es aufwärts geht.

Es dauert noch Monate bis zur Normalität

Wie berichtet, war am Freitagmorgen ein Feuer im Laden ausgebrochen. Inzwischen hat die Polizei nach eigener Aussage festgestellt, dass der Brand eindeutig durch einen defekten Nachtspeicherofen ausgelöst wurde. Wie hoch der Schaden ausfällt, ist unklar. Die Ermittler sprechen von mehreren Tausend Euro, die Schuhmacher müssen schauen, dass sie ihre Maschinen reinigen können. Danach bemisst sich die Summe.

Michael Wolff sagt: „Da ist Staub und Dreck drinnen, dazu Rost. Durch die Luftfeuchtigkeit, die Feuerwehr musste ja löschen.“ Sie rechnen damit, dass sie zwei, drei Monate brauchen, bis Maschinen und Laden wieder völlig hergerichtet sind.

Zuspruch erhalten sie schon jetzt. Kunden kommen ins Geschäft, holen Schuhe ab, wollen welche zur Reparatur bringen. „Ein Teil der Ware ist zerstört worden“, erzählt Michael Wolff. Der 41-Jährige ergänzt: „Aber die Leute haben Verständnis. Sie sind freundlich, sie bedauern, was passiert ist.“ Sein Vater lächelt und sagt: „Im Eingang lagen schon Blumen und eine Karte dazu.“

Nachbarn und Freunde helfen

Die beiden und der 26-jährige Samuel Wolff, der beim Aufräumen hilft, sind froh, dass die Polizei die Brandursache geklärt und die Versicherung bei einem Ortstermin Unterstützung zugesagt hat. Sie treffe keine Schuld. Nachbarn und Freunde kümmern sich, vielleicht klappt es zum Wochenende, ein Benefizkonzert in einer Kneipe oder auf der Straße zu organisieren. Auch der Vermieter will den Wolffs helfen, die ihr Geschäft seit dreieinhalb Jahrzehnten hier betreiben. Die Familie ist dafür dankbar.

Michael Wolff möchte mit der Stadt sprechen, ob es möglich ist, für ein paar Wochen einen Container vor das Geschäft zu stellen, um so die Werkstatt während der Sanierung der Räume auszulagern. Glück im Unglück hatten sie, weil der Raum nebenan, in dem sie Schuhe verkaufen, vom Feuer und dessen Folgen verschont geblieben ist.

Den alten Wolff freut das. Sein Gottvertrauen trage ihn: „Wir kommen wieder auf die Beine.“

Von Carlo Eggeling

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