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Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Schümann (v.r.) und Bürgermeister Jürgen Markwardt eröffnen die neuen E-Tankstellen gemeinsam mit Staatssekretär Stefan Muhle sowie Berater Christian de Wyl. Foto: dth

Uelzen ist Vorreiter bei der Elektromobilität

Uelzen. Nach einer erfolgreichen Testphase haben die Uelzener Stadtwerke „mycity“ acht besondere Schnelle-Ladesäulen, sogenannte „High Power Charger“ mit einer Leistung von 150 Kilowatt, in Betrieb genommen – zwei weitere befinden sich im Aufbau. Damit verdoppelt sich mit einem Schlag die Anzahl dieser Hochleistungs-Ladesäulen in Niedersachsen. Bei der offiziellen Einweihung am Mittwochnachmittag betonte Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt die Vorreiterrolle seiner Hansestadt. Auch Stefan Muhle, Staatssekretär des Landesverkehrsministeriums, bezeichnete Uelzen als neue Hauptstadt der E-Mobilität. Aber: Die neue Infrastrukur dürfte allerdings noch nicht allzu viele Nutzer finden. „mycity“-Geschäftsführer Markus Schümann findet die Investition von rund einer Million Euro dennoch gerechtfertigt.

„Das ist wirklich Highend, was hier geschaffen wurde“, sagte Bürgermeister Markwardt. Und begegnete der Frage, wie Uelzen dazu kommt mit einer Gegenfrage: „Die Frage muss lauten: Warum haben es andere nicht längst getan?“ Wer die Menschen dazu bewegen will, auf Elektromobile umzusteigen, müsse auch im Vorwege die Infrastruktur dazu anbieten, so die Überzeugung des Uelzener Bürgermeisters. So wolle man in der Sache auch die „Henne-Ei“-Diskussion – was zuerst da sein muss, Angebot oder Nachfrage – selbst lösen und einen positiven Impuls setzen. Laut Markwardt seien bislang im Kreis Uelzen nur 319 Elektrofahrzeuge zugelassen, davon 61 reine E-Mobile, der große Rest Plug-In-Hybride.

Akzeptanz für die neue Technik schaffen

Die öffentlichen Schnell-Ladestationen seien ein Beitrag, Akzeptanz für die neue Technik zu schaffen, sagte Rechtsanwalt Christian de Wyl. Der Experte für Energiewirtschaftsrecht berät die Stadtwerke Uelzen. Schümann ergänzte: „Wir fordern die Bürger auf, den Mut zu haben, sich ein E-Auto zu kaufen.“ Dafür bieten die Stadtwerke den Uelzenern einen zusätzlichen Anreiz: Kunden mit einer mycity-Pluscard tanken in den ersten drei Monaten kostenlos. Gleichwohl machte Schümann keinen Hehl daraus, dass sich die Investition angesichts der aktuellen Nachfrage zunächst nicht rechnen werde. „Was sich aber für die Stadtwerke rechnet, ist der Quantensprung, den wir bei der Digitalisierung gemacht haben“, sagte Schümann, „den brauchen wir im Bereich der Energiewirtschaft, wenn es beispielsweise um intelligentes Lasten-Management geht.“

Ladezeit verringert sich auf durchschnittlich 20 Minuten

Die Schnell-Ladung an den neuen Säulen erfolgt nach Angabe der Stadtwerke nicht mit Wechsel-, sondern mit Gleichstrom. In einer Pressemitteilung heißt es weiter: „Da der Gleichstrom direkt von der Ladesäule zum Akku des Fahrzeugs fließen kann und nicht vom fahrzeugseitigen Ladegerät transformiert werden muss, sind höhere Stromstärken möglich. Die Ladezeit verringert sich auf durchschnittlich nur 20 Minuten.“ Grundsätzlich ist die Ladedauer auch von der Akku-Kapazität und der Ladetechnik des Autos abhängig. Bei herkömmlichen Säulen mit bis zu 22 Kilowatt Ladeleistung kann das Volltanken des E-Mobils sonst schon mehrere Stunden dauern. Ähnlich verhält es sich bei einer sogenannten Wallbox mit 3,6 bis 22 kW, einer Wandladestation für den Gebrauch zu Hause.

Mit insgesamt 150.000 Euro wurde das Uelzener Ladesäulen-Netz vom Bundesverkehrsministerium bezuschusst. Die Initialzündung für das Projekt habe eine 2018 vorgestellte Studie zur Elektromobilität in der Region Lüneburg gegeben. Schümann verweist auf eine Prognose, wonach 2035 der Bedarf nach Ladekapazitäten für E-Mobile bereits bei 50 Millionen Kilowattstunden im Jahr liegen würde. Allein im Kreis Uelzen sei dann mit rund 15.000 Elektro-Fahrzeugen zu rechnen.

Von Dennis Thomas

Nachgefragt

Lade-Infrastruktur im Kreis Lüneburg

Die LZ fragte beim regionalen Netzbetreiber Avacon nach, wie es um die Ladeinfrastruktur im Landkreis Lüneburg bestellt ist. Die schriftlichen Antworten lieferte Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel.
Welche öffentlichen Lademöglichkeiten für Elektromobile werden im Netzgebiet der Avacon im Raum Lüneburg angeboten und mit welcher Leistungsqualität?

Corinna Hinkel: Avacon betreibt insgesamt acht Ladesäulen im Landkreis Lüneburg:

Adendorf, Scharnebecker Weg, Sportzentrum (Werbeladesäule mit 46 Zoll Bildschirm)
29 sowie in der Stadt Lüneburg:

  • Am Marienplatz
  • Thorner Straße
  • Theodor-Heuss-Straße
  • Tartuer Straße
  • Sankt-Ursula-Weg
  • Carl-Friedr.-Goerdeler-Str.

Weiterhin haben wir gemeinsam mit kommunalen Partnern zwei Ladesäulen im Landkreis errichtet, in Melbeck, Am Diemel, und in Scharnebeck, Adendorfer Straße.

Alle oben genannten Ladesäulen haben zwei Ladepunkte (d.h. zwei Fahrzeuge können gleichzeitig laden) mit dem Typ 2 Wechselstrom-Stecker und einer Maximalleistung von 22 kW je Ladepunkt.

60 öffentliche Ladesäulen

Insgesamt hat Avacon bisher 60 öffentliche Ladesäulen mit bis zu 50 kW Ladeleistung je Ladepunkt errichtet, wovon 27 Ladesäulen direkt von Avacon betrieben werden. Zusätzlich sind alle 16 Avacon-Standorte mit Ladeinfrastruktur ausgestattet.

Worauf müssen private Nutzer im Netzgebiet der Avacon achten und welche Vorraussetzungen müssen erfüllt sein, wenn sie selbst eine herkömmliche Ladestation bzw. eine Schnell-Ladesäule zu Hause einrichten wollen?
Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Privatkunden eine Wallbox mit 11 kW Ladeleistung und einem Ladepunkt installieren. Diese Leistung ist bei einem normalen Hausanschluss in der Regel vorhanden, sodass kein Ausbau des Hausanschlusses notwendig ist. Daneben genügt diese Ladeleistung (11kW) für eine adäquate, zügige Ladung der heute verfügbaren E-Fahrzeuge. Die Ladung über Wallbox erfolgt schneller, als die Ladung über eine herkömmliche Steckdose mit 3,7 kW. Die Bereitstellung einer höheren Ladeleistung bedarf zumeist eines Ausbaus des Hausanschlusses. Avacon bietet eine einfache Wallbox für 699€ (inkl. Mehrwertsteuer, zzgl. Installation und Betrieb) an.

Installation einer Wallbox ist meldepflichtig

Dass private Nutzer eine komplette Ladesäule errichten, kommt eher selten vor. Diese sind bei Industrie- und Geschäftskunden sowie Kommunen verbreiteter, denn es handelt sich um deutlich größere Ladeeinrichtungen, die über mehrere Ladepunkte mehr Ladeleistung gleichzeitig abgeben können. Für Ladesäulen wird zumeist ein neuer Netzanschluss durch den Netzbetreiber errichtet, da nur die wenigsten Netzanschlüsse über die notwendigen Leistungsreserven verfügen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Installation einer Wallbox bis zu einer Gesamtleistung von 11 kW meldepflichtig ist und eine größere Leistungsabnahme bei einer Wallbox oder kompletten Ladesäule gemäß der technischen Anschlussbedingungen der Avacon netzgenehmigungspflichtig ist.

Weitere Infos unter www.avacon.de/de/fuer-zuhause/erneuerbare-energien-fuer-ihr-zuhause/elektromobilitaet.html