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Auf der chirurgischen Bettenstation fragten Regina Haun, Gabriele Spreyer und Karin Epkenhans (v.l.) auch bei Patientin Kerstin Surburg nach: „Brauchen Sie etwas, können wir etwas für Sie tun?“ Foto: t&w

Offene Ohren für Sorgen der Patienten

Lüneburg. Sie nehmen sich Zeit für kranke und verletzte Patienten, begleiten sie ein Stück durch den Klinikalltag und stehen für menschliche Wärme. Das Markenze ichen der Ehrenamtlichen, die im Lüneburger Klinikum hilfreich im Einsatz sind, ist der grüne Kittel. Der schönste Lohn der Grünen Damen und Herren, wie sie heißen, ist es, wenn ein Patient sagt: „Gut, dass es Sie gibt“, sind sich Karin Epkenhans, Gabriele Spreyer und Regina Haun einig. Sie gehören zum mittlerweile 60-köpfigen Team, das am Montag, 14. Januar, in einer Feierstunde im Klinikum gewürdigt wird. Anlass ist der 30. Geburtstag der Gruppe.

Klinik-Direktor ist dankbar für Unterstützung

Der Ärztliche Direktor des Klinikums Lüneburg, Dr. Jörg Cramer, sagt: „Die freundliche Hilfsbereitschaft und Zuwendung der Grünen Damen und Herren sind eine wertvolle Bereicherung für unsere Patienten. Mit ihrem Unterstützungsangebot ergänzen sie die Betreuung und sind fester Bestandteil des Stationsalltags im Klinikum. Wir gratulieren ihnen zum 30-jährigen Bestehen und bedanken uns herzlich für ihr Engagement.“

Ins Leben gerufen wurden die Grünen Damen, zu denen anfänglich noch keine Herren gehörten, in Lüneburg 1989 von der Johanniter-Hilfsgemeinschaft unter der damaligen Leitung von Friedrich von Oertzen. Die Idee dazu hatte Prof. Dr. Paul Georg Lankisch, ehemaliger Chefarzt der Inneren am Lüneburger Klinikum, aus Göttingen mitgebracht. Mit 20 Ehrenamtlichen fing alles an, inzwischen sind es eben fünf Dutzend Frauen und Männer, die ergänzend zu den ärztlichen, pflegerischen, therapeutischen und seelsorgerischen Bemühungen zum Wohl der Patienten wirken, erläutert Karin Epkenhans, die als Einsatzleiterin fungiert.

Verschwiegenheit ist oberstes Gebot

Es sind die kleinen Dinge, die die Ehrenamtlichen übernehmen: Schnell mal eine Telefonkarte besorgen oder ein Buch aus der Bibliothek ausleihen, sie begleiten Patienten zu Untersuchungen, Therapien oder bei Spaziergängen, vermitteln Kontakte zu hauptamtlichen Mitarbeitern, lesen aus Büchern und Zeitungen vor. Was ganz wichtig ist: Sie sind gute Zuhörer, wenn es um Alltägliches geht sowie um Sorgen und Nöte. Verschwiegenheit ist dabei oberstes Gebot.

Hilfreich sind die Grünen Damen und Herren auch deshalb, „weil Kinder oder andere Angehörige oft nicht vor Ort sind und diese nicht die kleinen Erledigungen übernehmen oder Trost spenden können“, verdeutlicht Gabriele Spreyer, die vor acht Jahren zum Team stieß und inzwischen stellvertretende Einsatzleiterin ist. Ihr Mann war lange Zeit Patient in Berliner Kliniken. Nach seinem Tod zog Gabriele Spreyer nach Lüneburg und in ihr reifte der Wunsch: „Ich möchte etwas für Menschen tun.“ Von Bekannten erhielt sie den Tipp, sich bei den Grünen Damen zu engagieren. Eine bereichernde Aufgabe, findet sie wie auch Regina Haun. Die berichtet: „Als ich 2013 aus dem Beruf ausschied, war für mich klar, dass ich ehrenamtlich tätig sein wollte.“ Nachdem sie einen Zeitungsartikel über die Grünen Damen und Herren gelesen hatte, nahm sie Kontakt auf und zog den grünen Kittel an. Für Patienten da zu sein, erfüllt sie mit Freude. Aber es sei auch eine wunderbare Erfahrung, mit so ganz unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen. „Das Schönste für mich ist, wenn ich nach dem Anklopfen in ein Zimmer trete und es heißt: Oh, die Grüne Dame kommt. Nehmen Sie Platz und lassen Sie uns reden.“

Fürsorge für Schwerkranke kann auch belastend sein

Im Einsatz sind die „Grünen Engel“ montags bis freitags, ein Dienstplan regelt genau, welche Stationen täglich jeweils von acht Damen und Herren besucht werden. Einmal im Monat trifft sich das ganze Team zum Austausch, da wird dann auch besprochen, wenn es belastende Situationen gibt. Denn die Fürsorge für Schwerkranke kann in erheblichem Maß berühren. „Das muss man aushalten können, dazu braucht es auch Unterstützung“, sagt Karin Epkenhans. Einmal pro Jahr gibt es zudem eine zweitägige Fortbildung zu speziellen Themen.

Wer die Arbeit näher kennenlernen oder auch mal reinschnuppern möchte, erreicht die Grünen Damen in Lüneburg montags bis freitags von 8.45 bis 11.30 Uhr unter (04131) 77 2879 oder per E-Mail an Gruene.Damen@klinikum-lueneburg.de.

Von Antje Schäfer

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ehrenamtlich tätige Grüne Damen und Herren gibt es bundesweit. Initiiert worden war die erste Gruppe von der Evangelischen Kranken- und Altenhilfe 1969 in Düsseldorf. Die Lüneburger Gruppe ist eine der größten in Niedersachsen.