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Das geplante Naturschutzgebiet „Elbeniederung von Hohnstorf bis Artlenburg“ umfasst eine Fläche von 207 Hektar.

Neues Naturschutzgebiet kommt

Artlenburg/Hohnstorf. Wird es künftig noch Osterfeuer an der Elbe geben? Darf man bei Artlen­burg noch Drachen steigen lassen? Welche Einschränkungen gibt es für Grundstücksbesitzer in Hohnstorf und wird der Deichbau zum Schutz der Anwohner bald schwieriger? Das sind nur einige Fragen, die die Menschen entlang der Elbe im Landkreis Lüneburg derzeit umtreiben. Denn der Kreis plant derzeit die Ausweisung eines neuen Naturschutzgebietes zwischen Artlenburg und Hohns­torf/Elbe. Das birgt viele Chancen zum Erhalt von Arten und Lebensräumen, bringt aber auch Konfliktpotenzial mit sich mit den Menschen, die an der Elbe leben und arbeiten. Zusätzlich steht der Kreis unter erheblichem Zeitdruck. Längst hätte das Gebiet als Teil eines größeren Fauna-Flora-Schutzhabitats der Europäischen Union rechtlich gesichert werden müssen. Es ist nur ein Beispiel, warum Bund und Land empfindliche Strafzahlungen durch die EU drohen.

Bund und Land droht empfindliches Zwangsgeld

Eigentlich hätten die von der EU festgelegten Fauna-Flora-Habitate (FFH) bereits 2013 durch die Ausweisung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten gesichert werden müssen. Als neue Zielmarke war dann Ende 2018 ausgegeben worden. Und auch diese Frist hat der Landkreis Lüneburg verfehlt. Nun ist besondere Eile geboten, sagt Justina Lethen, Sprecherin des Umweltministeriums auf LZ-Nachfrage.

Laut Lethen sei Niedersachsen bundesweit Schlusslicht bei der Sicherung der FFH-Gebiete. Bund und Land könnten im Rahmen eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens Zwangsgeld von bis zu 861.000 Euro pro Tag drohen. Die Verantwortung für die Ausweisung von Schutzgebieten liegt in Niedersachsen bei den Kreisen und kreisfreien Städten. In einer Gemeinschaftsarbeit zwischen Land und Landkreistag sei aber nun schon viel geschafft worden, „83 Prozent der Flächen sind schon gesichert“, sagt Lethen. Und: „Wir dürfen jetzt nicht nachlassen.“ Aber an einigen Stellen hake es noch. So auch beim FFH-Gebiet 074 „Elbeniederung zwischen Schnackenburg und Geesthacht“. Auf Lüneburger Gebiet geht es um den Elbe-Abschnitt zwischen Artlenburg und Hohnstorf.

Die Anfänge verliefen schleppend

Auf die Frage, warum es beim Kreis Lüneburg so lange dauert, sagt Kreissprecherin Urte Modlich: „Die Anfänge des gesamten Prozesses auf Landesebene in Niedersachsen verliefen schleppend. Und uns fehlte zu Beginn das notwendige Personal. Das ist aber passé, sodass wir jetzt mit Nachdruck daran arbeiten, alle notwendigen Schutzgebiet in den kommenden Monaten auszuweisen.“ Der Kreis Harburg ist an seinen Elbe-Abschnitten schon einen Schritt weiter. Und so lässt sich erahnen, was auf die Lüneburger noch zukommt.

Im Kreis Harburg wurden Anwohner, Kommunen und Verbände bereits mit den Entwürfen zu den neuen Naturschutzgebieten konfrontiert. Im Beteiligungsverfahren hagelte es förmlich Stellungnahmen.

Harburgs Kreissprecher Andres Wulfes sagt: „Wir haben zum Gebiet Tiedeelbe von Rönne bis Bunthäuser Spitze 939 Einwendungen erhalten, zum Bereich Elbeniederung von Avendorf bis Rönne gibt es 207 Stellungnahmen.“ Die sollen nun ausgewertet werden. Die Ergebnisse sollen abschließend im Umweltausschuss des Harburger Kreistags Ende Februar beraten werden. Beim Kreis Lüneburg beginnt das Beteiligungsverfahren erst, und zwar liegen die Unterlagen ab 14. Januar für vier Wochen öffentlich aus.

Gebiete sind nicht akut bedroht

Gegen den Strich geht das geplante Naturschutzgebiet jetzt schon Hohnstorfs Bürgermeister Andre Feit: „Diese Gebiete sind nicht akut bedroht oder gefährdet. Eine solche Regulierungswut ist wieder typisch deutsch und durch nichts zu rechtfertigen.“ Und: „Wie soll man dem Menschen die Natur näherbringen, wenn er diese nur aus der Ferne begucken darf.“ Anlass für den Unmut sind die neuen Regeln, wonach im Naturschutzgebiet Veranstaltungen nur noch mit Genehmigung der Naturschutzbehörde durchgeführt werden dürfen.

Ähnliche Sorgen hat Feits Amtskollege in Artlenburg. Dort fürchtet Gemeindebürgermeister Rolf Twesten, dass Osterfeuer und andere Veranstaltungen auf den sogenannten Elbterrassen bald der Vergangenheit angehören. Im aktuellen Entwurf der geplanten Naturschutzgebietsverordnung soll zeitweilig sogar das Drachensteigen verboten werden. Twesten: „Ich bin froh, dass unsere Drachenwiese voraussichtlich von dem neuen Naturschutzgebiet ausgeklammert wird.“ Ähnlich sieht es mit dem Sportboothafen und dem Campingplatz aus.

Deichverband fürchtet Hürden bei Maßnahmen

Kritisch sieht das neue Naturschutzgebiet auch der Artlenburger Deichverband, der für den Hochwasserschutz zuständig ist. Deichhauptmann Hartmut Burmester sagt: „Wir erwarten bald neue Bemessungswasserstände. Dann müssen wir die Deiche anpassen und auch erhöhen. Wenn das Naturschutzgebiet aber bis an den Deichfuß heranreicht, befürchten wir, dass wir für jede Baumaßnahme eine Befreiung beantragen müssen.“ Zudem habe er „ernsthafte Bedenken“, dass die neuen Regeln und Verbote auch regüläre Unterhaltungsmaßnahmen für den Hochwasserschutz einschränken.

Nun beginnt im Landkreis Lüneburg das Beteiligungsverfahren zum neuen Naturschutzgebiet vom 14. Januar bis einschließlich 15. Februar. Die Unterlagen liegen öffentlich aus und sind auch online einsehbar unter www.landkreis-lueneburg.de/naturschutzgebiete. „Bürgerinnen und Bürger können uns ihre Bedenken dazu bis Mitte Februar 2019 schriftlich mitteilen“, sagt Maja Züghart vom Fachdienst Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Danach werden die eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet und die Ergebnisse in den politischen Gremien beraten. Kreissprecherin Modlich sagt: „Wir hoffen, dass das Verfahren bis zur Jahresmitte abgeschlossen sein wird.“

Am Mittwoch, 16. Januar, um 19.30 Uhr lädt der Fachdienst Umwelt beim Kreis Lüneburg alle Bürgerinnen und Bürger aus der Region zu einem Informationsabend im Gasthaus Nienau in Art­lenburg ein (Große Straße 24).

Von Dennis Thomas

Zur Sache

22.654 Hektar in drei Landkreisen

Das FFH-Gebiet 074 „Elbeniederung zwischen Schnackenburg und Geesthacht“ erstreckt sich über zirka 22 654 Hektar und verteilt sich auf die Landkreise Harburg, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg. Zur Gebietscharakteristik heißt es beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): „Sandige Flussniederung mit außergewöhnlicher Artenvielfalt in regelmäßig überfluteten Außendeichsbereichen sowie in Teilen der eingedeichten Aue. Einbezogen sind einige Nebenflüsse und -bäche sowie ein bedeutendes Quellgebiet.“

Am wenigsten Aufwand mit der Sicherung des Areals hat der Kreis Lüchow-Dannenberg. Dort überlagert sich das Gebiet mit dem ohnehin schon besonders geschützten Biosphärenreservat Niedersächische Elbtalaue. Landesweit müssen von 383 FFH-Gebieten noch 124 gesichert werden.