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Die Parteien wachsen wieder

Lüneburg. Im Landkreis Lüneburg hält die SPD die CDU deutlich auf Distanz – wenn es nach den Mitgliederzahlen geht. 1121 Mitglieder haben die Sozialdemokraten zwischen Elbe und Heide. Das sind gut 25 Prozent mehr als die Christdemokraten. Und fünf mehr als Ende 2017.

Stabile Verhältnisse sind es jedoch nur auf den ersten Blick. „Es war ein bewegtes Jahr“, blickt SPD-Unterbezirksvorsitzende Andrea Schröder-Ehlers zurück. Da gab es am Jahresanfang den Mitgliederentscheid zur großen Koalition, dann das Sommer-Theater in Berlin und im Spätherbst die Causa Maaßen.

122 Eintritte konnte die Kreis-SPD verzeichnen. Eine ganze Reihe davon wollte zu Jahresbeginn über beziehungsweise gegen die GroKo entscheiden. „Die haben wir dann nicht alle halten können“, kommentiert Schröder-Ehlers die 92 Austritte des vergangenen Jahres. Die Gründe seien vielschichtig. Erfolgten sie aus politischen Erwägungen, hätten bundespolitische Entwicklungen die dominierende Rolle gespielt. „,Vor Ort seid Ihr okay‘, hören wir dann immer wieder“, berichtet Schröder-Ehlers.

Bei der CDU endete das alte Jahr turbulent

Bei der demographischen Entwicklung können die Sozialdemokraten nicht vom Bevölkerungswachstum von Stadt und Landkreis profitieren – 49 zugezogenen Mitgliedern stehen 60 weggezogene gegenüber.

Bei der CDU endete das alte Jahr turbulent, und das neue steht ganz im Zeichen der Vorbereitungen zur Landratswahl. Eine detaillierte Aufbereitung der Mitgliederzahlen ist derzeit noch in Arbeit. Kreisvorsitzender Felix Petersen verweist unter dem Strich jedoch auf „stabile Verhältnisse“: 883 Mitglieder zählen die Christdemokraten aktuell in ihren Reihen. Anfang des vergangenen Jahres waren es 886 gewesen. Besondere Gründe für Aus- und Eintritte kann Petersen nicht erkennen. Die Neumitglieder seien „bunt gemischt“, darunter auch einige junge Leute, freut er sich.

Fast die Hälfte der Neumitglieder sind unter 30

Mit weitem Abstand zu den beiden Volksparteien folgt bei den Mitgliederzahlen die drittstärkste politische Kraft im Kreis: Die Grünen konnten im vergangenen Jahr nicht nur in Umfragen deutlich zulegen, sondern auch bei den Mitgliedern – von 256 auf 296. 52 Eintritten stehen nur zwölf Austritte gegenüber. Fast die Hälfte der Neumitglieder ist unter 30, von den 52 sind 24 Frauen.

Das neue Führungsduo im Bund mit Annalena Baerbock und Robert Habeck habe viele zum Eintritt bewogen, bilanziert Kreisgeschäftsführern Julia Moragas. Viele von ihnen wohnen in der Hansestadt, Kreissprecher Claus Poggensee erkennt einen „Leuphana-Effekt“ und charakterisiert die Grünen auch als „Akademikerpartei“. Die Eintritte erfolgten gezielt wegen grüner Themen wie Klima- und Umweltschutz. Frustrierte Sozialdemokraten seien nicht darunter gewesen.

Leichte Zuwächse verzeichnen auch die drei kleineren Parteien im Landkreis. Die FDP legte von 144 auf 149 Mitglieder zu. 15 sind neu in den Reihen der Liberalen, denen die Zahl der Toten und Umzügler (6) mehr zu schaffen macht als die drei Austritte des vergangenen Jahres. Darunter war jedoch einer, der nach 37 Jahren sein Parteibuch aus seiner Enttäuschung wegen der gescheiterten Jamaika-Verhandlungen heraus zurückgab. „Sehr erfreut“ ist die für die Mitgliederbetreuung zuständige stellvertretende Kreisvorsitzende Anikó Hauch, dass die Kreis-FDP in den vergangenen drei Jahren 58 neue Mitglieder gewinnen konnte, die meisten davon nach der erfolgreichen Bundestagswahl 2017.

Die Linken haben acht mehr als vor einem Jahr

Zulauf gibt es auch bei den Linken, die mit aktuell 119 Mitgliedern acht mehr haben als noch vor einem Jahr, darunter sind 17 Neueintritte und vier Zuzüge. Kreisvorstandsmitglied Martin Nass gegenüber der Landeszeitung: „Unser Kreisverband ist wie auch in den letzten Jahren im Jahr 2018 von der Mitgliedschaft her jünger und zahlreicher geworden.“

Erstmals dreistellig ist auch die AfD im Landkreis: Sie wuchs im vergangenen Jahr von 94 auf 101 Mitglieder. Eine „sehr konstante“ Entwicklung, betont Kreisvorsitzender Stephan Bothe. Fast jeden Monat seien „unabhängig von politischen Geschehnissen“ neue Mitglieder hinzugekommen.

Von Marc Rath