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Der Tiefkühlfischproduzent Pickenpack musste seinen Segel streichen, das Unternehmen segelte in die Pleite. Foto: A/be

Pleite fällt nicht ganz so bitter aus

Lüneburg. Viele Gläubiger des ehemaligen Tiefkühlfischproduzenten Pickenpack können sich freuen: Ihre Insolvenzforderungen werden weitgehend erfüllt. Diese Bilanz zieht Insolvenzverwalter Friedrich von Kaltenborn-Stachau auf Nachfrage der LZ. Insgesamt geht es in dem Komplex um vier Gesellschaften, drei operative und eine Holding. Bei den operativen sehe so gut aus, dass Verbindlichkeiten erfüllt werden könnten.

In einem Insolvenzverfahren gibt es verschiedene Formen von Forderungen. Und für einen Teil ist eine Quoten von 100 Prozent denkbar. Einfach erklärt bedeutet es, dass Schulden zum Beispiel bei Lieferanten beglichen werden. Auch die Agentur für Arbeit, die ein Insolvenzausfallgeld für die Mitarbeiter bezahlt hat, dürfte ihr Geld wohl wiedersehen. Aus Sicht von Fachleuten in der Justiz hat von Kaltenborn-Stachau eine Erfolgsgeschichte geschrieben: „Das passiert nicht oft“, heißt es.

Verkauf eines Werks spülte Geld in die Kasse

Anders schaut es bei sogenannten nachrangigen Forderungen aus. Darunter versteht die Insolvenzordnung beispielsweise Zinsen und Säumniszuschläge, aber auch Darlehen der Gesellschafter des Unternehmens. Das dürfte beim Verfahren über das Vermögen der TST The Seafood Traders eine Rolle spielen. In einer Veröffentlichung des Insolvenzgerichts heißt es, dass der Massebestand rund 10,6 Millionen Euro ausmacht, dem aber Forderungen von mehr als 59 Millionen Euro gegenüberstehen, also fast sechsmal so viel.

Stellt sich die Frage, ob man das Unternehmen hätte retten können. Der Hamburger Verwalter verweist darauf, dass das Management 2015 zahlungsunfähig gewesen sei: „Im operativen Geschäft hat man Minus gemacht.“ Dass es am Ende für die Gläubiger gut ausschaut, habe unter anderem damit zu tun, dass er den zweiten Standort im ostfriesischen Riepe mit mehr als 200 Mitarbeitern gut habe verkaufen können, sagt von Kaltenborn-Stachau. Das Werk war im April 2016 an den amerikanischen Produzenten Trident gegangen: „Ohne den Investor hätte ich auch Riepe schließen müssen.“ So kam Bares in die Kasse.

Lüneburg war aus Sicht des Verwalters nicht zu retten

Der Hamburger Jan Pickenpack hatte 1975 einen Standort an der Lüner Rennbahn eröffnet mit zeitweilig weit mehr als 600 Beschäftigten. Pickenpack trennte sich von dem Betrieb, verschiedene Gesellschaften stiegen später ein und wechselten. Schließlich geriet das Unternehmen in schwere See. Ende 2015 kam das Aus für den Fischstäbchenhersteller: Geschäftsführer Finnbogi Baldvinsson musste den Gang zum Insolvenz-gericht antreten. Damals war die Rede von einem nicht näher bezifferten zweistelligen Millionen-Minus in der Kasse. Teile der Produktionsanlagen hatte man nach Riepe verlagert, Lüneburg war aus Sicht des Verwalters nicht zu retten. Das Grundstück, zu dem auch die ehemaligen Flächen des Schlachthofs gehörten, wurde zwischenzeitlich verkauft. Einen Teil nutzt der Nahrungsmittelhersteller Tofu Town, daneben soll die neue Arena Lüneburger Land entstehen.

Von Carlo Eggeling