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Ursprünglich war man sich einig: Wolfgang Graemer platzierte Anfang 2017 mit Wasserturm-Geschäftsführerin Sabine Wohlers das Stadtmodell auf Ebene 6. Foto: A/phs

Großer Streit um Klein-Lüneburg

Lüneburg. „Als freischaffender Künstler profiliere ich mich natürlich gerne mit einem Modell mit meinem Namen drauf.“ Doch an der „Reputation“ des vielseitigen Lüneburger Lichtkünstlers Wolfgang Graemer wurde vom Trägerverein Wasserturm gekratzt, wie er es selbst vor der 5. Zivilkammer am Landgericht äußerte. Dort fordert der Mann, der unter anderem die Idee für den leuchtenden Wichernkranz auf dem Turm hatte und sie realisierte, 5000 Euro Schadensersatz vom Verein

Graemer würde allerdings auch damit zufrieden sein, wenn sein Modell der Stadt Lüneburg auf Ebene 6 des Wasserturms Platz finden würde – wie es aus seiner Sicht „fest vereinbart“ war. Doch der Verein verbannte das Werk ins Foyer. Auch wenn noch kein Urteil gefällt wurde, deutete die Richterin bereits an, dass der Künstler den Prozess als Verlierer verlassen werde.

Projekt sollte den Verein nichts kosten

Wolfgang Graemer arbeitet seit Jahren eng mit dem Verein zusammen, hatte etliche Projekte umgesetzt und kümmerte sich 2016 darum, dass eine Ausstellung mit Exponaten des Kiekeberg-Museums für zehn Jahre in den Turm kommt. Ergänzt werden sollte sie durch ein 3D-Modell des Lüneburger Stadtbildes um das Jahr 1700, eine Idee, der der Geschäftsführerin des Turms, mit der er liiert ist, gefiel. Seine Darstellung: Auf Ebene 6 stand ein schweres Wasserkunstobjekt, das sich bei Veranstaltungen wie zum Beispiel Hochzeitsfeiern nicht verschieben lässt. Das war zu der Zeit in Reparatur. Die Geschäftsführerin wollte die Wasserkunst an anderer Stelle sehen und der damalige Vereinsvorsitzende Uwe Wegener genehmigte ein Aufstellen auf Ebene 5.

Graemer entwickelte die Idee weiter, für ihn war klar: „Das Modell passt inhaltlich zum Hintergrund nur auf Ebene 6. An die Stelle der Wasserkunst.“ Sprich: Wer aus dem Fahrstuhl kommt, blickt direkt auf das Kunstwerk mit dem alten Lüneburg und sieht mit Blick nach draußen das heutige Lüneburg. Der Künstler informierte sich bei den 3D-Experten vom Fab Lab, bekam deren kostenlose Hilfe. Und er suchte Sponsoren: „Damit das Projekt für den Verein kostenneutral ist.“ Das gelang ihm auch, denn die Idee eines Modells mit Namen der Spender an attraktiver Stelle klang verführerisch. Und er selbst leistete 300 Arbeitsstunden kostenfrei.

Standort ist in dem Konzept nicht festgehalten

Die Vorarbeit war beendet, Graemer drängte auf ein Gespräch mit Wegener. Am 9. Dezember 2016 fand eine gemeinsame Begehung des Turms statt, bei der der Künstler dem Vereinschef auch klarmachte, wo er sein Stadtmodell stehen haben will. Und der hatte kein Problem damit.

Das aber hatte der Trägerverein, dessen Rechtsanwalt Thomas Rochlitz argumentierte: „Bereits in der Mitgliederversammlung im August 2016 war klar, dass die Wasserkunst auf Ebene 6 bleibt.“ Da war von der Miniatur-Lüneburg-Idee noch überhaupt keine Rede. Und weiter: „Wenn es um einen Eingriff in die Dauerausstellung wie hier geht, kann das nicht Wegener alleine, dann muss das die Mitgliederversammlung entscheiden.“ Noch wichtiger für das Urteil allerdings dürfte ein anderer Punkt sein: Der Standort ist in dem Konzept, das Graemer dem Vereinschef drei Tage nach der Begehung schriftlich lieferte, nicht festgehalten.

Standort ist im Konzept nicht festgeschrieben

Die Richterin sagte klar: „Es gibt keine festgelegte Vereinbarung über den Standort.“ Der Dame in Robe gefiel das Werk („Das Modell ist doch ein tolles Ding.“), sah „Befindlichkeiten“ auf beiden Seiten als Streitursache, die des Künstlers mit seiner Reputation und die des Vereins, der sich übergangen sah: „Wegener hatte sich weit aus dem Fenster gehängt, das hätte er nicht gedurft.“

Die Richterin machte einen Vorschlag zur Güte: Der Verein zahlt Graemer 2000 Euro für seinen Arbeitsaufwand, und das Modell bleibt drei Jahre im Erdgeschoss stehen. Der Verein stimmte zu, der auch eine Alternative vorschlug: Es fließen die 2000 Euro und das Modell kann sofort wieder in den Besitz des Künstlers übergehen. Doch ­Graemer blieb hart: „Wenn das Modell woanders steht, dann zahlt mir den Aufwand von 5000 Euro.“ Vergleich gescheitert.

Das Urteil wird am 25. Januar verkündet.

Von Rainer Schubert