Aktuell
Home | Lokales | Ideenklau beim Brunnen-Konzept
Rund und nicht eckig sollte das Wasserspiel in Anlehnung an einen historischen Grapen gestaltet werden, findet Ruth Schneider. Foto: t&w

Ideenklau beim Brunnen-Konzept

Lüneburg. Der Ärger um den Brunnen, der vor der Industrie- und Handelskammer entstehen soll, will einfach nicht abreißen. War es anfangs noch die nicht enden wo llende Diskussion um Ästhetik und künstlerische Aussage des „Grapengießer-Brunnens“, die schließlich mit zum unrühmlichen Aus des Projekts führte, sorgte zuletzt die Verwaltung für Verdruss bei einigen Ratsmitgliedern. Weil der Rathauschef entgegen anderslautendem Beschluss darauf verzichtet hatte, Geld für den jetzt neu geplanten Brunnen bereitzustellen, handelte er sich am Jahresende eine Rüge ein. Zwar stehen die Mittel inzwischen bereit, doch es gibt neuen Ärger: Eine Lüneburgerin meldet Ansprüche an dem neuen Brunnen-Konzept an.

Pläne unabgestimmt an die Stadt weitergegeben

„Ich war ziemlich überrascht, viele meiner Ideen in dem Konzept der Stadtverwaltung wiederzufinden“, sagt Ruth Schneider. Die Lüneburgerin, als Stadtführerin des Salzmuseums mit Historischem bestens vertraut, hatte sich nach eigener Darstellung nach der Entscheidung des Brunnenvereins, den Grapengießer-Brunnen doch nicht umzusetzen, Gedanken über einen „passenderen Brunnen“ gemacht.

Wesentliche Merkmale ihres Konzepts sind unter anderem in die Erde eingelassene und durch eine Glasplatte abgedeckte Steinsalzbrocken sowie sechs große und zwölf kleinere Fontänen mit den Namen der früheren Lüneburger Solequellen – jedes Detail bewusst von Ruth Schneider in Bezug zur Lüneburger Salzgeschichte gebracht. Auch die runde Form des von ihr vorgeschlagenen Wasserspiels – „ein Brunnen wäre an diesem Ort viel zu mächtig“ – war mit Bedacht gewählt, „schließlich ist ja auch der Grapen rund“.

Keine Erwähnung in der Ausschussitzung

Sowohl die Salzbrocken als auch die Fontänen tauchten in der Präsentation für den neuen Brunnen auf, die Lüneburgs Straßen- und Grünplanerin Uta Hese­beck in der gemeinsamen Sitzung des Umwelt-, Grünflächen- und Kulturausschusses am 21. Januar 2018 vorgestellt hatte. Sogar der Bezug zu den Solequellen blieb nicht unerwähnt.

Keine Erwähnung in der Ausschussitzung aber fand Ruth Schneider, obwohl sie sich noch vor der Präsentation an die Stadt gewandt hatte. Denn dort war ihr Konzept gelandet, nachdem sie es ursprünglich Michael Zeinert als Vorsitzendem des Brunnenvereins vorgelegt hatte. Der wiederum hatte es unabgestimmt an die Stadtverwaltung weitergereicht.

Verärgert über das Vorgehen wandte sie sich kurz darauf erneut an die Verwaltung. „Ich habe mir verbeten, meine Ideen in ihren Entwurf einzuarbeiten und als ihre Ideen auszugeben“, sagt Ruth Schneider.

Stadt legt neuen Entwurf vor

In der Stadtverwaltung wollte man von einem Ideenklau zunächst nichts wissen. „Die Stadt Lüneburg hat das Konzept von Frau Schneider nicht übernommen“, ließ die Pressestelle auf LZ-Nachfrage wissen. Schließlich plane man ein rechteckiges, ebenerdiges Wasserspiel mit einfassenden Granitwürfeln als Sitzgelegenheit, kein rundes wie das von Frau Schneider.

Erst auf weitere Nachfrage, wie es denn komme, dass Uta Hesebeck die Fontänen ihres Konzepts im Ausschuss selbst als „Darstellung historischer Solequellen“ bezeichnet hatte und sich auch in ihrem Konzept die Steinsalzbrocken wiederfinden, erklärte Ann-Cathrin Behnck von der Pressestelle: „Leider sind wir uns mit Frau Schneider nicht einig geworden.“ Man werde das bisherige Konzept daher nicht weiter verfolgen und Bezüge zum Konzept von Frau Schneider herausnehmen. Die neuen Brunnen-Pläne sollen in einer der nächsten Ausschusssitzungen vorgestellt werden.

Ruth Schneider bedauert das Vorgehen der Stadt, gern hätte sie ihre Ideen umgesetzt gesehen. „Wenn man mir entgegengekommen wäre, hätte man über ein gemeinsames Konzept sprechen können.“

Von Ulf Stüwe