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Der Reinstorfer Milchbauer Werner Meyer fürchtet tiefrote Zahlen infolge von Milchkrise und Dürre. Foto: t&w

Düstere Aussicht für Milchbauern

Reinstorf/Neetze. Dunkle Wolken sieht Milchbauer Werner Meyer am Horizont aufziehen. Die wirtschaftlichen Aussichten für sich und seine Berufskollegen schätzt der Landwirt für dieses Jahr als nicht rosig ein. „Es gibt Signale, dass der Milchpreis für uns Erzeuger sinken könnte“, sagt er. Derzeit erhält Werner Meyer 34 Cent je Kilogramm Milch von der Hochwald-Molkerei, an die er liefert. „Selbst wenn dieser Wert stabil bleibt, reicht es nicht. Da bleibt schon jetzt nichts über für uns. Und bei einem noch niedrigeren Preis schreiben wir endgültig tiefrote Zahlen“, so der Reinstorfer.

Dürre-Hilfe noch nicht ausgezahlt

Einer der Gründe für die angespannte wirtschaftliche Lage ist die Dürre des vergangenen Jahres. „Den Antrag auf die Dürre-Hilfe haben wir Anfang November vergangenen Jahres gestellt. Doch ausbezahlt wurde die Prämie bisher nicht“, berichtet der 68-Jährige. Dabei wäre eine finanzielle Entlastung dringend nötig, meint er. „Denn die Futtermittelpreise bleiben stabil hoch und es deutet sich keine Entspannung an.“ Wegen der Ernteausfälle, die die lange Trockenheit verursacht hatte, müsse er nach wie vor Futter für seine 500 Tiere zukaufen. Er habe dadurch schon jetzt rund 15.000 Euro an Mehrausgaben gehabt. „Und jeden Monat kommen etwa 2000 Euro zusätzlich für Futter hinzu.“

Angst vor Milchpreisverfall

Erschwerend für die Erzeuger sei zudem, so Meyer, dass sie wegen der Tiefpreisphase für Milch in den vergangenen Jahren keine Rücklagen bilden konnten. „Es reicht bislang gerade so, um den Betrieb am Laufen zu halten“, sagt er. Wobei an die Tilgung der Schulden, die aufgelaufen sind, nicht zu denken sei, weil viele Milchbauern, wie der Reinstorfer auch, in den vergangenen Jahren in den Bau neuer und zum Teil auch größerer Ställe investiert hatten.

Alarm schlägt auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Mit den ersten Veröffentlichungen und Werbekampagnen rund um die Milch lassen sich erste, für die Milchbauern erschreckend niedrige Vorstellungen eines Milchpreisniveaus für 2019 erahnen, so die AbL in einer Pressemitteilung. Dabei habe die Arbeitsgemeinschaft schon im vorigen Herbst dazu aufgefordert, wegen der katastrophalen Futterernte und den damit drastisch gestiegenen Kosten mehr für die Milch zu bezahlen.

„Nach zwei Jahren Milchkrise und der Dürre 2018 benötigen wir Milcherzeuger dringend Gewinne“, erklärt Lucia Heigl, stellvertretende AbL-Bundesvorsitzende und Milchbäuerin in der Oberpfalz. Bei einer zurzeit diskutierten Preiserwartung von 33 Cent je Liter bedeute das, dass der Ruin vieler weiterer Milchviehbetriebe in Kauf genommen werde.

„Die Auszahlung der Milchpreise läuft willkürlich“

Ottfried Wolter, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Lüneburg, sagt, mit 43 bis 45 Cent je Kilogramm Milch würde ein Milcherzeuger wirtschaftlich über die Runden kommen. „Dann bräuchten wir auch keine Anträge auf Dürre-Hilfen stellen“, meint der Neetzer.

Überdies könnten die Betriebe Forderungen des Gesetzgebers nach baulichen Veränderungen wie etwa den Neubau von Silo-Anlagen, oder den Wunsch der Verbraucher nach mehr Tierwohl finanziell besser schultern. „Das wissen die Molkereien. Sie lassen sich aber nicht auf veränderte Rahmenbedingungen bei der Preisgestaltung ein“, kritisiert Wolter.

Er fordert Laufzeitverträge über mindestens zwei Jahre, in denen Menge, Qualität und Preis geregelt sind. „Das würde Planungssicherheit für Molkereien und Landwirte bringen. Zurzeit läuft die Auszahlung der Milchpreise allerdings willkürlich zu Ungunsten der Milchbauern“, moniert er. Die Pressestelle der Hochwald-Molkerei in Thalfang war telefonisch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wut über „unverschämte Discounter-Werbung

„Auch dem Handel scheint ein ausreichend hohes Preisniveau völlig egal zu sein“, erklärt Bernd Schmitz, Biomilchbauer und Landesvorsitzender der AbL in Nordrhein-Westfalen.

Die Werbung des Discounters Lidl auf Großplakaten für Biomilch für unter einem Euro je Liter bezeichnet Schmitz als unverschämt. „Ich habe es satt, dass mit den Kühen auf der Weide geworben wird, aber die Konsequenzen nach verdorrten Weiden und notwendigen Futterzukäufen bei einigen Marktpartnern völlig ignoriert werden. Mit höheren Preisen zu werben, damit die Biomilchbauern ihre Qualitäten und das Wohl der Tiere auch honoriert bekommen, wäre der richtige Weg für Wertschätzung von hochwertigen Lebensmitteln.“

Von Stefan Bohlmann