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Der Ort Scharnebeck soll im Norden weiter wachsen. Die Nachfrage ist groß. Doch nicht allen gefallen die Baupläne. Foto: be

„Das ist eine ganz große Sauerei“

Scharnebeck. Es herrscht Stimmungschaos in Scharnebeck: Irgendwas zwischen Aufbruch und Resignation, zwischen Vorfreude und Wut – je nachdem, wohin man sein Ohr gerade hält. Der Grund: das geplante Baugebiet „Scharnebeck Nord“. Daran scheiden sich die Geister. Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Gemeinde bereits einen ersten Entwurf des Bebauungsplans öffentlich ausgelegt und im Rahmen einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung Anregungen und Stellungnahmen der Scharnebecker eingeholt.

Kleine oder große Änderungen?

Diese wurden inzwischen ausgewertet und in eine neue Version des Bebauungsplans eingearbeitet. Beraten wurde er Anfang der Woche im Bau-, Umwelt- und Wegeausschuss der Gemeinde. „Es wurden nur kleine Änderungen vorgenommen“, sagt Hans-Georg Führinger, Bürgermeister in Scharnebeck. Viele der eingebrachten Anmerkungen habe man durch entsprechende Gutachten abdecken können. Eine Sorge der Bürger war etwa, dass die Verkehrslast im Ort durch die Zuwegungen zu den zunächst geplanten 80 Wohneinheiten zu groß würde. „Ein Verkehrsgutachten hat ergeben, dass die Verkehrsbelastung nur unerheblich zunimmt. Wenn 80 Wohneinheiten dazu kommen, ist das keine Katastrophe“, sagt Führinger.

Veit Heinrichs sieht das anders. „Alle Orte versuchen, den Verkehr aus dem Ort heraus zu bekommen, nur in Scharnebeck holen wir ihn ins Zentrum rein“, sagt der Scharnebecker. „Die 80 Wohneinheiten sind ja nur die erste Hälfte. Im Zuge der weiteren Bebauung werden die Zufahrtswege noch weiter ausgebaut“, so Heinrichs. Insgesamt möchte die Gemeinde um Bürgermeister Führinger bis zu 200 neue Baugrundstücke zwischen der Echemer Straße und der Kreisstraße 53 erschließen, dazu eine Kita. Der nun bearbeitete Bebauungsplan umfasst demnach einen ersten Abschnitt des Großbauprojekts.

Zur öffentlichen Vorstellung im Bauausschuss waren etwa 120 Besucher gekommen, darunter vor allem Interessenten der geplanten Baugrundstücke. Sie waren eingeladen worden, im Gegensatz zu den Bürgern. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen das Neubaugebiet, es geht auch darum, wie mit uns umgegangen wird“, sagt Veit Heinrichs. Er ist sauer, auch, weil die Information über die öffentliche Beratung des Bebauungsplan ihn nur zufällig erreichte.

Bürger für Neubürger übergangen?

„Es wird nur darauf abgezielt, dass die Neubürger sich wohl fühlen. Das ist auch gut, aber die, die hier schon lange wohnen, wurden völlig übergangen. Das ist eine ganz große Sauerei“, beklagt er. Auch im Hinblick auf die Bürgerbeteiligung fühlt sich der Scharnebecker nicht ernst genommen. Keine der kritischen Anmerkungen aus Bürgerreihen seien umgesetzt worden, sagt er, „ der Bebauungsplan sieht genau so aus wie in der ersten Fassung“. Es rumort unter den Anliegern. Man werde etwas unternehmen, sagt Heinrichs, vielleicht ein zweites Verkehrsgutachten in Auftrag geben, vielleicht sogar klagen. „Es gibt gesetzliche Vorschriften, wann die Informationen zur Veröffentlichung eines Bebauungsplans ausgehängt werden müssen, mindestens eine Woche vorher“, so Heinrichs.

Anfang Februar soll der Bebauungsplan im Verwaltungsausschuss besprochen und dann erneut, für einen Monat, öffentlich ausgelegt werden. Eingehende Stellungnahmen und Anregungen sollen dann wiederum in den entsprechenden Ausschüssen beraten werden, bevor der Gemeinderat Scharnebeck den Bebauungsplan als Satzung beschließen kann.

„Ich gehe davon aus, dass wir im Juni den Satzungsbeschluss fassen können“, plant Hans-Georg Führinger. Für ihn kann die Umsetzung des Bebauungsplans kaum schnell genug gehen. „Wir müssen sehen, dass wir zügig in Gang kommen“, sagt Führinger und denkt dabei insbesondere an den Neubau der Kita. Aktuell setzt die Gemeinde auf eine Containerlösung, um dem Platzmangel in der aktuellen Kita entgegenzuwirken. „Der Mietvertrag läuft allerdings im Herbst ab“, so Führinger. Um eine Vertragsverlängerung kommt die Gemeinde deshalb zunächst nicht herum. Dann jedoch soll der Kita-Neubau die nötigen Betreuungsplätze bieten. „Ich will das vor den Sommerferien vom Tisch haben. Ansonsten gehen uns wieder acht Wochen verloren.“

Von Anke Dankers