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Unklar ist derzeit noch, ob das Geld, das der Brunnenverein für ein entsprechendes Bauwerk gesammelt hat, auch für ein Wasserspiel vor der IHK verwendet werden darf. Fotomontage: Stadt Lüneburg.

Wasserspiel sorgt für Verstimmung

Lüneburg. Mit Verwunderung, teils auch Empörung haben die Stadtratsfraktionen auf Äußerungen und Vorgehensweise der Stadtverwaltung beim Thema Stadt-Brunnen reagiert. Im Frühjahr 2018 hatte sie ein Konzept für ein neues Wasserspiel vor der Industrie- und Handelskammer präsentiert, dabei aber unerwähnt gelassen, dass Elemente davon aus fremder Feder stammten. Auch ihr Vorschlag, in Kürze ein neues, eigenes Konzept vorzustellen, kam nicht gut an. Die Fraktionsspitzen erwarten nun vor allem Aufklärung in der Sache.

„Der Bericht in der Landeszeitung hat mich völlig überrascht“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Salewski. Zwar stehe seine Fraktion „eher defensiv“ zu den Plänen für das geplante Wasserspiel, zu dem Vorgang selbst aber erwarte er von der Verwaltung Sachaufklärung. „Ich werde das Thema in der Bauausschusssitzung am kommenden Montag ansprechen.“

Mit deutlicher Kritik reagiert Ulrich Blanck, Fraktionschef der Grünen, auf die Ankündigung der Stadtverwaltung, den zuständigen Fachausschüssen ein neues Konzept für das geplante Wasserspiel vorzustellen, das dann ohne diejenigen Gestaltungselemente auskommen soll, die von der Lüneburgerin Ruth Schneider entwickelt, aber ohne ihre Zustimmung von der Verwaltung verwendet worden waren.

„Die Vorgehensweise der Verwaltung stört mich erheblich“, sagt Blanck. „Ob die Planungen verändert oder neue Konzepte aufgenommen werden, entscheidet nicht die Verwaltung, sondern die Politik.“ Seine Fraktion habe nicht die Absicht, die beschlossene Brunnenplanung aufzugeben. Auch habe er erwartet, dass die Ausschussmitglieder von der Verwaltung über bestehende Probleme informiert werden. Er möchte nun wissen, „was da von wem mit welchem Auftrag durch wen und wie verhandelt wurde“.

Politiker wollen beide Seiten hören

Auch CDU-Fraktionschef Rainer Mencke erwartet, zunächst in der Sache informiert zu werden. „Ich will mir das von beiden Seiten anhören.“ Frau Schneider sollte sich im Ausschuss selbst dazu äußern können. Fraglich sei für ihn aber, ob die Lüneburgerin ein „Patent“ auf ihre Ideen habe: „Wasserspiele gibt es auch in anderen Städten.“ Eine Neuplanung des Wasserspiels sei für ihn aktuell nicht nachvollziehbar. „Aber man muss schon fragen: Warum verschweigt man das?“

Überrascht zeigt sich auch Frank Soldan (FDP): „Das war mir nicht bekannt.“ Auch er empfiehlt, Ruth Schneider in den Ausschuss einzuladen, „dort sollte nicht nur die Verwaltung allein sprechen“. An dem bisherigen Konzept sollte nach Möglichkeit festgehalten werden, „die Idee ist wirklich sehr gut“.

Michèl Pauly (Linke) bedauert, dass trotz eines „klaren Ratsbeschlusses“ noch immer nichts umgesetzt wurde. Er erwartet jetzt, dass die Verwaltungsspitze alle eingebrachten Ideen aufarbeitet, diese dem zuständigen Ausschuss vorlegt und die Politik „endgültig“ über alle vorliegenden und machbaren Entwürfe entscheiden lässt. „Unsere Fraktion wird dann über die Idee entscheiden und nicht nach der Urheberschaft.“

Jamaika plant Treffen mit Ruth Schneider

Für die AfD sind die neuerlichen Probleme „ein weiteres Zeichen an die anderen Parteien, Abstand von diesem Projekt zu nehmen und sich Wichtigerem zuzuwenden“, wie Robin Gaberle sagt. Die AfD hatte als einzige Fraktion dem Projekt nicht zugestimmt und empfohlen, die dafür vorgesehenen Mittel von rund 125 000 Euro lieber für Bildung und Infrastruktur einzusetzen.

Die Jamaika-Gruppe hat unterdessen ein Treffen mit Ruth Schneider am kommenden Montag angekündigt. „Wir wollen mit ihr gemeinsam prüfen, welche Möglichkeit es gibt, auch ihr Konzept umzusetzen“, sagt Ulrich Blanck, Sprecher der Jamaika-Gruppe.

Von Ulf Stüwe

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