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Kirstin Linck spielt seit einigen Monaten Blindentennis und möchte noch weitere aus der Region für den Sport begeistern. (Foto: t&w)

Ballwechsel nach Gehör

Lüneburg. „Kling“ – „Kling“ – „Kling-klingeling“: Wenn Kirstin Linck Tennis spielt, klingt das wie ein Schlüsselbund, der über das Netz geschlagen wird. Denn der Tennisball ist mit Metallstiften gefüllt, die schön scheppern, wenn er aufdotzt. So hört Linck, wo sie hinlaufen muss, um den Ball wieder zur Gegnerin zu spielen. Die 48-Jährige ist blind, hat knapp 2 Prozent Sehkraft – und ist seit September begeisterte Blindentennis-Spielerin.

Die Unterschiede zum Tennis für Sehende sind gering: Neben dem klingenden Ball sind die Schläger etwas kleiner, meistens werden sogenannte Junior-Rackets benutzt, mit denen Kinder Tennis spielen. „Damit bin ich mit der Hand näher am Ball“, sagt Linck. So lasse er sich besser treffen. Doch der vielleicht wichtigste Unterschied zum „normalen“ Tennis ist die Tatsache, dass der Ball bis zu dreimal aufschlagen darf, ehe er zurückgespielt werden muss. Außerdem werden die Linienbegrenzungen mit Kreppband beklebt, sodass die Spieler mit ihren Füßen spüren können, in welchem Bereich sie stehen. „Einige spielen deswegen lieber in Socken oder barfuß“, sagt Linck. Sie selbst bevorzugt Turnschuhe.

Vor 30 Jahren in Japan erfunden

Das Spielen nach Gehör ist ziemlich herausfordernd. „Ich höre den Ball ja nur, wenn er auf den Boden aufkommt oder geschlagen wird.“ In der Zwischenzeit muss sie schnell reagieren, im Kopf die Position des Balles abschätzen. „Wenn der Ball durchgängig piepen würde, wäre das einfacher“, sagt sie und lacht, „aber das tut er nun mal nicht.“

Bisher ist Blindentennis in Deutschland noch kaum bekannt. Vor mehr als 30 Jahren in Japan erfunden, wurde er insbesondere auf den britischen Inseln populär, mehr als 500 Leute widmen sich laut der „Gold-Kraemer-Stiftung“ dem Sport. Im Mai 2016 fand der erste Blindentennis-Workshop in der Bundesrepublik statt, seitdem wächst auch die Zahl der deutschen Spieler. Viele sind das noch nicht, „vielleicht 40 bis 50 Aktive“, schätzt Linck.

Ein solcher Workshop in Köln löste im vergangenen Jahr bei Kirstin Linck die neue Leidenschaft für den Sport aus. Dort durfte sie Blindentennis ausprobieren und erste Schritte wagen. „Man muss sich sehr konzentrieren, schnell sein, man kann sich auf dem Feld frei bewegen.“ Um mehr Mitspielerinnen und Mitspieler zu gewinnen, laden sie und eine Freundin zum Schnuppertag am 26. Januar im Sportpark am Kreideberg: Zwischen 13 und 16 Uhr bieten an diesem Tag Trainer und erfahrene Spieler Einblick in die Sportart, die Sportgeräte dürfen gerne ausprobiert werden. Besonders willkommen sind Kinder und Jugendliche, die ins Blindentennis hineinschnuppern wollen.

Von Robin Williamson