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Helge Meyer leitet die Projektgruppe zur Grundinstandsetzung des Schiffshebewerks Lüneburg in Scharnebeck. Foto: t&w

Hinter den Kulissen der Großbaustelle

Scharnebeck. Endlos scheinende Striche, Balken, Daten und Termine – mächtig prangt der Zeitplan an der Wand des Konferenzraums am Schiffshebewerk in Scharnebeck. Es sei ein bisschen so, als schreibe man eine Bachelorarbeit, sagt Helge Meyer mit Blick auf das Papier. „Man muss das ganze Projekt in kleine Schritte aufteilen.“ Doch Helge Meyer ist kein Student mehr und sein Projekt keine Abschlussarbeit. Er ist Bauingenieur und zuständig für die Instandsetzung des Westtrogs im Schiffshebewerk.

Größte Hochbaustelle der Region

Anfang 2018 übernahm er die Leitung für die Sanierung. Seitdem ist er verantwortlich für die Baustelle am einst größten Schiffshebewerk der Welt – inklusive Planung, Verwaltung des Budgets, vertraglichen Abwicklungen und Koordination der einzelnen Baugewerke. Und zu koordinieren gibt es viel: Aktuell werden zirka 800 Vorgänge am Westtrog umgesetzt.

Eine große Verantwortung für den gelernten Maschinenbauingenieur. „Die Grundinstandsetzung ist schon eine Besonderheit, auch innerhalb der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nehmen wir da einen großen Stellenwert ein, auch, was das Budget angeht“, sagt Meyer. Kein Wunder also, dass es ab und zu „ein bisschen kribbelig“ wird, wenn mal etwas nicht läuft, wie geplant. „Man kann nicht bei kleinen oder größeren Problemen den Kopf in den Sand stecken. Wir haben verschiedene Teams hier, um gegenseitig Probleme zu lösen. Wir haben auch vorgesetzte Dienststellen, die uns unterstützen. Und letztendlich muss man auch Kompromisse mit den Auftragnehmern machen, gegebenenfalls hinsichtlich zusätzlicher Arbeiten oder Verhandlungen. Das ist ein Geben und Nehmen“, so Meyer.

Das durchorganisierte Labyrinth

Der kleine Fahrstuhl rattert gehorsam eine Betonetage nach der anderen zum Westtrog hinauf. Gerüste, Folien, Maschinen – wohin das Auge reicht. Für Fremde ist das Innenleben der Baustelle wie ein Labyrinth, für Helge Meyer wie seine Westentasche. Mit einem gemurmelten „Simsalabim“ öffnet er eine Tür nach der anderen, an Schweißern, Betonbauern und Gerüstkletterern vorbei. Man kennt sich – klar. Und so grüßt der Chef, mal hier, mal da. Seit 18 Jahren arbeitet Meyer für das Wasser- und Schifffahrtsamt Uelzen und kümmert sich um Pumpwerke, Sperrwerke oder eben Hebewerke. „Oberingenieur für alles was sich dreht“, nennt er sich flapsig, mit einem Lächeln im Gesicht. Vor allem der Facettenreichtum bei Instandsetzungen reize ihn, „nie zu wissen, was kommt“.

Auch unter den weiß leuch-tenden Folien am Baugerüst wartet manche Überraschung. Dort wird gerade der Beton an den Fassaden instand gesetzt. Pascal Krüger, stellvertretender Projektleiter, trägt dafür die Verantwortung. „Wir haben eine betonschädigende Reaktion und um diese zu stoppen, wird die Oberfläche etwas aufgeraut, die geschädigten Bereiche werden abgetragen und dann wieder neu aufgebaut. Oben drauf wird eine Schutzschicht gegeben“, erklärt Krüger.

Fit für weitere 35 Jahre

Verwitterung und Verschleiß haben dem 43 Jahre alten Hebewerk zu schaffen gemacht. Durch die Sanierung soll es wieder fit gemacht werden. Das erklärte Ziel: weitere 35 Jahre.

Um die Schifffahrt durch die Bauarbeiten so wenig wie möglich zu belasten, sei es nötig, die Arbeiten eng zu takten. Eine Koordinationsleistung, die zu den größten Herausforderungen seines Berufs gehört, findet Helge Meyer. Neben dem Beton wird extern aktuell auch der Seilbetrieb des Westtrogs instand gesetzt. „Auf der Baustelle denkt man vielleicht, es ist ein bisschen ruhiger, aber im Hintergrund laufen die anderen Gewerke parallel weiter“, erklärt er.

Noch seien sie im Zeitplan. „Aber jede Planung ist eine Vorwegnahme der Zukunft. Was an dem jeweiligen Tag wirklich läuft, ist was ganz anderes.“ Doch genau das ist es ja, was Helge Meyer an seinem Beruf so liebt.

Von Anke Dankers

Hintergrund

Vorsorge für die nächsten Jahrzehnte

Zwischen 2010 und 2012 wurde bereits der Osttrog des Schiffhebewerks instand gesetzt. Die Kosten betrugen damals rund 25 Millionen Euro. Mit der Sanierung des Westtrogs soll das Schiffshebewerk weitere 35 Jahre bestehen können. Während der Bauarbeiten wurde der Westtrog komplett gesperrt. Mitte 2020 soll er wieder schiffbar sein. Der Abschluss der Bauarbeiten ist bis zum Jahresende 2020 geplant.