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Ortwin Kork hat die Geschicke der Gemeinde Hohnstorf online begleitet – manchmal direkt vom Elbufer aus, wie hier 2006. Foto: sel

Hohnstorf ist offline

Hohnstorf/Elbe. Hochwasser, Eiswette, Brückenbau, Ankündigungen, Absagen, Ehrungen: Wer in Hohnstorf wohnt und einen Internetzugang hat, war in der Vergangenhei t über seinen Heimatort immer bestens informiert: Fast 18 Jahre lang hat Ortwin Kork die Homepage der kleinen Elbgemeinde gepflegt, Artikel geschrieben, Fotos geschossen, sie mit Leben gefüllt – alles im Ehrenamt. Jetzt hört er auf.

Persönliche Gründe hatten ihn zu diesem Schritt bewogen: „Weil keine Übereinstimmung über den Wert meiner Tätigkeit zustande kam, habe ich vor zwei Wochen Schluss gemacht“, sagt er nicht ohne Wehmut. „Mir hat das wahnsinnig viel Spaß gemacht, ich war zwar ein Vertreter der Gemeinde, konnte aber völlig frei agieren, keiner hat sich eingemischt, keiner sich je beschwert.“ Und alle davon profitiert.

Durch einen Zufall ist der mittlerweile pensionierte Oberstudienrat damals an die Aufgabe gelangt: „Wir hatten uns mit dem Gemeinderat zusammengesetzt und wollten ein Papier entwickeln, das alle wichtigen Informationen über Hohnstorf enthalten sollte – quasi ,Hohnstorf von A bis Z‘ – das gab den Anstoß.“ Doch aktuell, das war jedem klar, ist eine solche Broschüre nicht. Das Internet bot da bessere Möglichkeiten – für die Gestaltung aber noch wenig Hilfe.

Beim Hochwasser bis zu 18.000 Klicks an einem Tag

Baukastensysteme für Einsteiger waren damals rar, so musste sich Kork, der schon an seiner Schule in Geesthacht dafür gesorgt hatte, dass der erste Computer für sein Fach Chemie zur Verfügung stand, „da eben so reinfuchsen“. Das ist ihm gelungen: Mehr als 2,3 Millionen Menschen haben bis Ende 2018 „seine“ Seite besucht – mitunter hatte er 18.000 Klicks am Tag: „Das war während des Elbehochwassers im Juni 2013“, erklärt er, „die Menschen wollten Informationen – ich habe sie ihnen gegeben“.

Mit dem Rad sei er damals umhergefahren, habe die Lage beobachtet und Fakten geliefert: „Die Presse hatte ja mitunter vieles hochgespielt“, erzählt er, „so hatte RTL damals berichtet, dass einer der Deiche gebrochen sei. Das konnte ich aber widerlegen. Das war eine spannende Zeit“.

Viele seien damals im Urlaub gewesen, verfolgten die Geschehnisse von dort. Dank seines Einsatzes aber auch weiterhin. Und auch umgekehrt gab es nie Informationslücken: „Kaum einer hat je bemerkt, dass ich den Laptop immer dabei hatte und mitunter auch aus 4000 Kilometern Entfernung Neuigkeiten aus der Gemeinde auf die Seite gestellt habe.“

„Internetauftritt überarbeitet“

Doch nicht nur online war Kork stets aktiv, auch außerhalb des Netzes hat er sich eingebracht: Ob Faltblätter zu gestalten waren, Artikel und Bilder für die Dorfzeitung fehlten oder Plakate entwickelt werden mussten: Überall hatte der Autodidakt seine talentierten Finger im Spiel. Mit einem Augenzwinkern erzählte er vor einigen Jahren: „Wenn Sie mich irgendwo fotografieren sehen, erinnern Sie mich daran, die Schutzkappe vom Objektiv zu nehmen. Denn sonst sind Sie nicht auf dem Foto, und das wäre schade.“

Diese Zeiten sind nun vorbei, die Kamera wird Kork künftig nur noch für private Zwecke nutzen. Rund 1500 Euro hat der Rat bei seiner letzten Sitzung im vergangenen Jahr für die Gestaltung von „hohnstorf.de“ im Haushalt angesetzt. Noch wird der „Internetauftritt überarbeitet“, wie auf der Seite zu lesen ist. Ob sich für diesen Betrag ein Webdesigner finden lässt, bleibt abzuwarten. Bis dahin müssen sich die Hohns­torfer ihre Informationen auf anderen Wegen beschaffen.

Von Ute Lühr