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Bald laufen die Bänder bei Schluckwerder in Adendorf für einen anderen Inhaber. Foto: t&w

Bangen bei Schluckwerder

Adendorf. Das Adendorfer Traditionsunternehmen „Horst Schluckwerder OHG“ wird an den Finanzinvestor „Novum Capital“ mit Sitz in Frankfurt/Main verkauft. Die Verträge wurden bereits im Dezember unterschrieben. Der Vollzug des Verkaufs sei nun für das zweite Quartal 2019 geplant, teilte das Adendorfer Unternehmen gestern gegenüber der LZ schriftlich mit. Der Hersteller von Süßwaren beschäftigt ein Stammpersonal von rund 250 Mitarbeitern an zwei Standorten in Adendorf.

Betriebsratsvorsitzender Ingo Frolin sagt: „Die Stimmung ist gedrückt. Genauere Informationen haben wir auch noch nicht. Aber die Arbeitsverträge und Unternehmenszugehörigkeiten sollen wohl bestehen bleiben.“ So hätten sich vor anderthalb Wochen der alte und der neue Chef der Belegschaft gegenüber geäußert. Frolin: „Aber man macht sich trotzdem seine Gedanken.“

Standortfrage wird wohl der neue Besitzer klären

Zur LZ sagt der scheidende Chef Rolf Schluckwerder: „Personelle Veränderungen stehen derzeit nicht an, auch eine Verlegung des Geschäftssitzes ist nicht geplant. Ein Geschäftssitz ergibt nur dort einen Sinn, wo auch das Unternehmen tätig ist. Und das ist in Adendorf.“ Letztlich dürfte das aber der neue Eigentümer entscheiden.

Novum Capital ist eine „mittelständische Beteiligungsgesellschaft“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Gesellschaft werde von Pensionskassen und Versorgungswerten finanziert. Der Finanzinvestor unterstütze auch mittelständische Unternehmen bei der Umsetzung von Nachfolgelösungen. Und um eine gute Nachfolgeregelung zum Wohle seines Unternehmens geht es Rolf Schluckwerder, das teilte er kürzlich der Belegschaft in einem firmeninternen Aushang mit.

Langjährige internationale Erfahrung

Vor drei Jahrzehnten war er in das von seinen Eltern aufgebaute Unternehmen eingetreten und übernahm es in der Folgezeit. Aber der 59-Jährige denkt ans Alter. An seine Mitarbeiter schrieb er: „Wie Sie wissen, werde ich in absehbarer Zeit meinen 60. Geburtstag feiern. Gerne hätte ich Ihnen einen Familienangehörigen als meinen Nachfolger präsentiert. Damit kann ich aber leider nicht aufwarten, da ich kinderlos bin.“ Aus der Sorge, dass seine Kräfte im Alter irgendwann nachlassen könnten, wollte er nicht mehr solange warten, „bis dieser Prozess auch bei mir soweit fortgeschritten ist, dass ich möglicherweise fatale unternehmerische Fehlentscheidungen treffe“. Mit dem neuen Eigentümer solle Schluckwerder auf Wachstumskurs bleiben.

Vertreter der neuen Eigentümer sind Jochen Rock und Raphael Neuburg von Novum Capital. Rock soll das Adendorfer Unternehmen künftig als Geschäftsführer unterstützen. Er verfüge über langjährige internationale Erfahrung im Lebensmittelbereich, war unter anderem für Homann und Zentis tätig, heißt es. Rolf Schluckwerder will in den nächsten Monaten mit dem neuen Management für einen geordneten Übergang sorgen.

Personalabbau derzeit nicht geplant

Eigentümervertreter Neuburg versichert: „Ein Personalabbau ist nicht geplant.“ Nach dem Geschäftssitz gefragt, sagt er: „Das ist noch nicht abschließend geklärt, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt spricht vieles dafür, dass Schluckwerder in Adendorf bleibt.“

Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack (SPD) sagt zu der Unternehmensveräußerung: „Das ist eine persönliche Entscheidung, die ich verstehen kann, auch wenn das für uns Adendorfer erstmal schwierig ist. Aber ich bin überzeugt, dass Herr Schluckwerder eine Nachfolgeregelung gefunden hat, damit das Unternehmen in seinem Sinne und im Sinne der Mitarbeiter fortgeführt werden kann.“

Noch am Montagabend befasste sich der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss des Gemeinderates mit dem Thema. Denn mit dem Verkauf der beiden Betriebsgrundstücke musste die Kommune entscheiden, ob sie ihr Vorkaufsrecht wahrnimmt. Das Gremium lehnte ab, wollte dem Firmenverkauf nicht im Wege stehen, heißt es.

Lüneburgs Wirtschaftsförderer Jürgen Enkelmann sagt. „Es ist immer erstmal traurig, wenn ein inhabergeführtes Unternehmen an einen Finanzinvestor geht, der nicht in der Region verankert ist. Aber für die Belegschaft ist es erstmal positiv, dass das Unternehmen fortgeführt wird und so vielleicht weitere Entwicklungsschritte gehen kann in dem hartumkämpften Nahrungsmittelmarkt.“

Von Dennis Thomas