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Der Blick auf die Lücken

Lüneburg. Die Nachfrage nach Wohnraum ist in Lüneburg groß. Damit Investoren und private Bauherren einen Überblick haben, wo in der Stadt noch Grundstücke für eine Bebauung zur Verfügung stehen, hatte die Jamaika-Gruppe einen Antrag zur Erstellung eines Baulücken-Katasters gestellt. Im Bauausschuss erläuterte Tobias Neumann von der Stadt jetzt, dass die Idee nicht neu sei und die Verwaltung bereits 2016 ein Brach- und Freiflächenkataster auf den Weg gebracht hat.

Rechtlicher Hintergrund für die Erstellung eines Katasters sei die Novellierung des Baugesetzbuches von 2013. Danach soll die Innenentwicklung vor der Außenentwicklung Vorrang haben. Sprich: Die Kommunen müssen ausloten, wo es Möglichkeiten zur Nachverdichtung und Innenentwicklung gibt. Zu diesem Zweck hat Lüneburg „eine flächendeckende Analyse sämtlicher im Stadtgebiet befindlichen Brach- und Freiflächen vorgenommen“. Der Entwurf wurde 2016 im Bauausschuss vorgestellt, der Plan fortlaufend aktualisiert. Neumann machte aber auch deutlich: „Es gibt kein Außenbereichsverbot. Bauen muss nur begründbar sein.“

Ob gebaut wird, liegt in Händen der Eigentümer

Die Baulücken und Nachverdichtungsmöglichkeiten wurden von 2016 bis 2018 fortgeschrieben, basierend auf Bauanträgen und dem Liegenschaftskataster. Dadurch zeigt sich, wo es noch Freiflächen gibt und welche Flächen inzwischen zur Bebauung vorgesehen sind. Neumann machte die Veränderungen an den Übersichten zu einzelnen Stadtvierteln deutlich. Während das Baulückenkataster für 2016 das Areal im östlichen Bereich des Schlieffenparks als Brachflächenpotenzial ausgibt, ist diese Fläche 2018 herausgenommen, da inzwischen die Pflöcke fürs Hanseviertel-Ost eingeschlagen sind. Gleiches gilt für das ehemalige Sperli-Gelände in Ochtmissen, wo eine Wohnbebauung erfolgt.

In Rettmer und Häcklingen gebe es einige kleine Grundstücke im Privatbesitz. Sie seien zwar erfasst, aber es liege in der Hand der Grundstücksbesitzer, ob dort gebaut wird, sagte Neumann. Das Kataster diene dem internen Gebrauch der Verwaltung. Eine ständig aktualisierte Veröffentlichung zum Beispiel auf der Internetseite der Stadt, wie von der Jamaika-Gruppe gefordert, sei derzeit aus technischen, personellen und finanziellen Gründen nicht möglich.

Laufende Aktualisierung wäre zu aufwendig

Ulrich Blanck (Grüne) bezeichnete es als erfreulich, dass ein Kataster vorliege. Es sei ein wichtiger Baustein für ein Stadtentwicklungskonzept. Gleichwohl würde er sich eine Veröffentlichung wünschen. Stadtbaurätin Heike Gundermann verwies darauf, dass der Immobilienmarkt ständig in Bewegung sei. „Wir schauen alle zwei Jahre drauf und aktualisieren, was sich im großen Ganzen verändert hat.“ Makler würden in der Regel früher erfahren, wenn jemand ein Grundstück veräußern würde. „Wir erfahren es erst später, wenn jemand beim Bauamt nachfragt oder Pläne vorlegt.“ Im Geschäftszimmer könne man Einsicht ins Kataster nehmen, das sich aufgrund von 600 bis 800 Bauanträgen jährlich permanent überhole. Das Kataster ständig à jour – also auf den Tag genau – zu halten, ist auch aus Sicht von Birte Schellmann (FDP) und von Eberhard Manzke (CDU) ein viel zu hoher Aufwand.

Von Antje Schäfer