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15 Geschichten aus der Lüneburger Heide und 21 aus der Elbregion sind bei den neuen „Landschaften zum Hören“ der Metropolregion Hamburg dabei. Mit dem Angebot sollen Naherholungs- und Ausflugsziele bekannter gemacht werden. (Foto: Metropolregion Hamburg)

Mit Hinnerk durch die Heide

Hamburg. Mit tiefer, sonorer Stimme und klar norddeutschem Einschlag begrüßt „Hinnerk Heidjer“ seine Zuhörer: „Willkommen in der Lüneburger Heide. Sieht es hier nicht aus wie in der amerikanischen Prärie?“ Er spricht vom Camp Reinsehlen bei Schneverdingen, dem größten Magerrasen in Norddeutschland. Denn dort startet eine von fünf neuen Audiotouren in der Metropolregion Hamburg. In 15 Folgen, jeweils etwa zweieinhalb Minuten lang, erzählt „Hinnerk“ – eingesprochen von Schauspieler Peter Kaempfe – aus der geschichtsträchtigen Vergangenheit einzelner Stationen zwischen Bergen und Amelinghausen.

Darunter sind etwa die Oldendorfer Totenstatt und die Nekropole Soderstorf, aber auch viele Orte mit militärischer Vergangenheit wie die „Roten Flächen“ bei Soltau und das Camp Oerbke.

Traditionelle Handwerksbetriebe vor Ort sollen profitieren

Neben der Lüneburger Heide sind das Pinneberger Baumschulland, die Segeberger Knicklandschaft, das Garten- und Seenland Mecklenburg-Schwerin sowie die „Kurs Elbe“-Region als sogenannte „Landschaften zum Hören“ vertreten. Insgesamt sind es 80 Stationen, allesamt stehen sie im Internet zum kostenlosen Download. Jetzt wurden sie im Hamburger Rathaus der Öffentlichkeit präsentiert. „Mit Hör-Geschichten über die Landschaft und ihre historische und heutige Nutzung wollen die Macher den Entdeckergeist der Besucher wecken“, sagt Marion Köhler von der Metropolregion, „und die regionale Identität stärken.“

Podcast: Metropolregion stellt „Landschaften zum Hören“ vor

Audio: Mit Hinnerk durch die Heide

Mit dem Angebot sollen Naherholungs- und Ausflugsziele insbesondere für die Bewohner der Metropolregion selbst bekannter gemacht werden. Und auch lokale Betriebe, Museen und Werkstätten sollen von den Hör-Touren profitieren, indem sie und ihre Arbeit darin vorgestellt werden. Die Geschichten sind durchaus unterschiedlich gehalten – während „Hinnerk“ durch die Heide führt, erleben an der Elbe entlang die Kinder „Benni und Jenni“ mit dem lebendigen Wassertropfen „Enni“ einige Abenteuer.

Knapp 200 000 Euro Projektbudget

Den Kindern Jenni und Benni (der Wassertropfen „Enni“ kann trotz aller Lebendigkeit nicht sprechen) leiht die Hamburger Sprecherin Simone Dorenburg ihre Stimme, sie und ihr Kollege Kaempfe haben alle Texte der Audiotouren eingesprochen.

„Zwei der „Landschaften zum Hören“ richten sich vor allem an Kinder bis zwölf Jahre“, sagt Corinna Hesse, die das Projekt koordiniert hat. „Aber erfahrungsgemäß hören sich das auch Erwachsene immer sehr gerne an.“

Das Projekt lief über zwei Jahre und hat ein Gesamtbudget von 190 000 Euro, davon wurden 80 Prozent von dern Förderfonds der Metropolregion getragen. Den Rest übernahmen die daran beteiligten Gemeinden.

Lieber schon zuhause downloaden

Eine Tour entlang der hörbaren Landschaften sollte aber gut vorbereitet sein, empfehlen die Projektteilnehmer. „Am besten gehen die Besucher schon vor Reiseantritt auf unsere Seite“, sagt Projektmanagerin Corinna Hesse.

Dort können die Hörstücke jeweils einzeln oder am Stück heruntergeladen werden. Marion Köhler von der Metropolregion Hamburg: „Man kann sich das zu Hause als komplette Geschichte anhören, dann mitnehmen auf dem Handy und vor Ort nochmal abspielen.“ Flyer, die das Projekt bewerben, werden in den Touristeninformationen in der Umgebung ausgelegt, auch die Stationen selbst machen auf die „Kulturlandschaften zum Hören“ aufmerksam – allerdings nicht überall, da viele sich inmitten der freien Natur befinden.

Hier geht’s zu den „Landschaften zum Hören“.

Was ist eine Kulturlandschaft?

Wenn Menschen eine Landschaft dauerhaft nutzen und ihr Bild beeinflussen, spricht man laut Dr. Yvonne Brodda, Referentin für Naturhaushalt in der Metropolregion Hamburg, von einer Kulturlandschaft. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist die Lüneburger Heide selbst: War das mitteleuropäische Gebiet vor Jahrtausenden noch von dichtem Wald bewachsen, haben die großflächigen Rodungen der Menschen eine komplett neue Landschaft geschaffen, mit neuen Lebensräumen und Landschaftsformationen.

Von Robin Williamson