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Seit 2000 gibt es das Pflegeheim am Lambertiplatz, jetzt ist es in wirtschaftliche Schieflage geraten, es droht die Schließung. Foto: be

Seniorenheim vor der Schließung

Lüneburg. Das Senioren- und Pflegezentrum am Lambertiplatz steht vor dem Aus. Der Einrichtung wurde am Dienstag die Betriebserlaubnis durch die städtische Heimaufsicht entzogen. Zugleich wurde der Einrichtung eine Frist bis zum 15. April eingeräumt, den Betrieb ordnungsgemäß zu beenden. Grund für die plötzliche Schließung sind laut Stadtverwaltung zahlreiche Hinweise auf eine nicht ordnungsgemäße Betriebsführung und eine unzureichende wirtschaftliche Situation.

„Es ist festzustellen, dass die Zuverlässigkeit für den Betrieb eines Heims nicht gegeben ist“, heißt es in dem Schreiben der Heimaufsicht an die Cornal GmbH als Betreiberin der Einrichtung. Ende November hatte die Verwaltung anonym Hinweise über offenbar chaotische Zustände in der Pflegeeinrichtung erhalten, „daraufhin sind wir sofort tätig geworden“, sagt Sozialdezernentin Pia Steinrücke.

Zeitweise war bereits das Telefon abgestellt worden

So sollen über einen längeren Zeitraum Rechnungen nicht bezahlt, Sozialabgaben nicht geleistet worden sein. Dadurch habe die Gefahr bestanden, dass Lieferanten abspringen und die Essensversorgung eingestellt wird. Zeitweise war bereits das Telefon abgestellt worden, gleiches habe auch für die Stromversorgung gedroht, verdeutlicht Steinrücke. Außerdem gebe es aktuell keine Heimleitung.

Von Angehörigen der Bewohner, die an einer von der Heimaufsicht kurzfristig einberufenen Informationsveranstaltung am Montag teilgenommen hatten, war zu hören, dass der bisherige Geschäftsführer seit längerem nicht mehr in der Einrichtung gesehen worden sei. Zwar gibt es inzwischen eine Nachfolgerin, die aber laut Steinrücke nach eigenen Aussagen keine Erfahrung in der Branche habe.

Sozialdezernentin vermisst Bereitschaft zur Kooperation

Als „Berater“ habe Demir Tas in der Versammlung für die Einrichtung gesprochen, die ebenfalls anwesende Geschäftsführerin habe sich nicht geäußert, berichten Teilnehmer. Demir Tas soll während der Veranstaltung offene Zahlungen in bar beglichen haben.

Steinrücke betont, dass nicht etwa schlechte Pflege oder Versorgung das Problem sei: „Wir haben dort ein sehr engagiertes Team, doch es kommt zusehends an seine Grenzen.“ Die Heimaufsicht sei täglich vor Ort, um die aktuell 28 Mitarbeiter zu unterstützen und den Pflegebetrieb aufrechtzuerhalten.

„Es fehlt jegliche verbindliche und seriöse Kooperationsbereitschaft“

Mehrfach von der Heimaufsicht angeforderte Unterlagen als Nachweis für die finanzielle und wirtschaftliche Situation der Einrichtung seien bis zuletzt „nicht vollständig oder ausreichend beziehungsweise nur sehr schleppend“ eingereicht worden. „Es fehlt jegliche verbindliche und seriöse Kooperationsbereitschaft“, beklagt die Sozialdezernentin.

Warum die Heimaufsicht nicht vorher eingeschritten sei, begründete sie mit den begrenzten Befugnissen: „Wir kontrollieren die Pflege und die Versorgung, nicht die wirtschaftliche Situation. Diese dürfen wir nur dann kontrollieren, wenn uns gewichtige Anhaltspunkte mitgeteilt werden.“ Letzteres werde lediglich bei Beantragung einer Betriebserlaubnis geprüft, sonst sei ein Anlass erforderlich.

Zukunft der 32 Bewohner ist derzeit noch ungeklärt

Wie sehr die Fronten zwischen dem Betreiber und der Heimaufsicht inzwischen verhärtet sind, sei in der Informationsveranstaltung deutlich geworden. Demir Tas und Vertreter der Stadt seien dabei heftig aneinander geraten, berichten Teilnehmer, einer sagt: „Es war eine Schlammschlacht der schlimmsten Sorte, sowas kennt man sonst nur aus dem Fernsehen.“ Viele Angehörige und Bewohner seien vor allem über das Auftreten des Beraters fassungslos gewesen.

Betroffen von der Situation sind aktuell 32 Bewohner, die bis zur Schließung im Heim bleiben können. Die übrigen Heime in der Region seien von der Verwaltung über die Lage informiert, damit freie Plätze „möglichst vorrangig für diese Notfälle“ zur Verfügung gestellt werden. Befürchtungen, dass die Bewohner plötzlich auf der Straße stehen, seien unbegründet, versichert die Sozialdezernentin. Die Stadt würde im Rahmen der Gefahrenabwehr dann vorübergehend den Betrieb übernehmen.

„Es ist eine Sekunde vor Zwölf“

Steinrücke hofft, dass es dazu nicht kommt: „Wir möchten die Einrichtung nach Möglichkeit erhalten, aber es ist eine Sekunde vor Zwölf.“ Bis zum 15. April habe der Betreiber Gelegenheit, die geforderten Unterlagen vorzulegen und eine neue Betriebserlaubnis zu beantragen, um die endgültige Schließung abzuwenden.

Ob es dazu kommt, war am Donnerstag weder von der Geschäftsführerin noch von Berater Demir Tas in Erfahrung zu bringen. Auf Nachfrage sagte er, dass er nicht befugt sei, sich dazu zu äußern.

Von Ulf Stüwe