Dienstag , 17. September 2019
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Die Messstelle zur Erkundung eines neuen Brunnenstandortes in Ochtmissen: Wird hier bald Wasser abgepumpt? (Foto: die)

Die umstrittene Brunnen-Suche

Lüneburg. Über schwere Fahrzeuge nahe der stillgelegten Buchholzer Bahn unweit vom Landwehrgraben wunderten sich Spaziergänger in der Ochtmisser Feldmark. Mittlerweile läuft dort ein Stromaggregat, und ein Tiefbohrgerät ist im Einsatz. Dahinter steckt Coca Cola. Stadtpressesprecherin Ann-Kristin Jenckel klärt auf: „Es handelt sich bei der neuen Grundwassermessstelle um einen Beobachtungsbrunnen.“ Dieser sei gebohrt worden, weil der Getränkehersteller einen neuen, dritten Standort sucht, an dem er Wasser für seine Produktion abpumpen möchte. An der dann höheren Grundwasserentnahme hatte es zuletzt immer wieder Kritik gegeben.

Wo im Lüneburger Kreisgebiet der Brunnen sein wird, ist noch nicht sicher. Infrage käme eine der mittlerweile zehn Messstellen, möglicherweise werde eine weitere in Dachtmissen errichtet, sagt Marlen Knapp, Sprecherin von Coca-Cola European Partners Deutschland mit Sitz in Berlin. Hintergrund der Erkundungen ist, dass Coca Cola die Vio-Produktion am Standort Lüneburg verdoppeln möchte. Es gehe um eine Fördermenge von circa 350 000 Kubikmeter Grundwasser pro Jahr in etwa 200 Metern Tiefe. Ein möglicher Standort liegt zwischen Vögelsen und Mechtersen, wo Coca Cola bereits ein Privatgrundstück gekauft hat. Das bleibt nicht ohne Echo: Anwohner befürchten Auswirkungen auf ihre Häuser und Grundstücke, auch Gemeindevertreter hegen Zweifel an den Beteuerungen des Getränkeproduzenten, dass die Entnahme keine negativen Auswirkungen hätte.

Sieben Bohrstellen waren nicht genug

Marlen Knapp macht deutlich: „Grundsätzlich besteht in diesem Erkundungsprozess die Möglichkeit, dass nicht der ursprünglich favorisierte Standort der am besten geeignete ist, sondern eine wenige Hundert Meter entfernt gelegene Messstelle.“ Daher könne sie zurzeit keine konkrete Information zum tatsächlichen Brunnenstandort geben. Landkreissprecherin Katrin Holzmann erklärte für den Fall, dass der Brunnenbau nicht zwischen Vögelsen und Mechtersen erfolge, „bei Bedarf zusätzliche Messstellen eingerichtet werden müssen.“ Es sei aber auch denkbar, dass bereits bestehende Messstellen auf den neuen Standort angewendet werden können.

Ursprünglich hatte Coca Cola sieben Bohrstellen geplant, doch die gesammelten Daten reichten nicht aus. „Ziel ist es, ein vollständiges Bild vom Untergrund zu erhalten, denn die vorliegenden hydrogeologischen Unterlagen geben lediglich eine Orientierung, die tatsächliche Beschaffenheit lässt sich nur durch Bohrungen feststellen“, erläutert Knapp. Deshalb bedürfe es weiterer Messstellen wie jetzt in Ochtmissen.

Einwohner können Einwände vorbringen

Nach Ochtmissen und eventuell Dachtmissen sei wohl Schluss. Die Grundwassermessstellen werden dann zwar oberirdisch verschlossen, liefern jedoch weiterhin Daten, um die Wasserparameter kontinuierlich prüfen zu können. Sobald der geeignete Standort feststehe, werde der Brunnen gebaut. Dann erfolge ein mehrwöchiger Langzeitpumpversuch. Erst mit diesen Ergebnissen sei der Antrag auf eine wasserrechtliche Entnahmeerlaubnis vollständig und könne gestellt werden. Der Ausbau einer Messstelle zu einem Brunnen werde sich vermutlich noch bis in den Sommer hinziehen, vermutet Knapp.

Ist der Antrag gestellt, sind die Behörden – der Landkreis Lüneburg und der Gewässerkundliche Landesdienst – am Zug. Bei positiver Beurteilung werden die Antragsunterlagen in den Kommunen ausgelegt, sodass örtliche Behörden und Einwohner Einwände vorbringen können.

Von Dietlinde Terjung