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Wer wird Kandidat der CDU bei der Landratswahl? Dr. Dorit Stehr (v.l.), Jens Böther und Sigrid Vossers bewerben sich. Foto: t&w

Kampf der Herausforderer

Scharnebeck. Es ist Donnerstagabend, kurz vor 19 Uhr: Der Saal im Hotel und Restaurant Europa in Scharnebeck füllt sich zusehends. CDU-Kreisvorsitzender Felix P etersen registriert das lebhafte Interesse der CDU-Mitglieder zufrieden und erleichtert zugleich. Auch wenn es vor allem Männer im fortgeschrittenen Alter sind, die an den Tischen Platz nehmen. Schließlich hat der CDU-Kreisverband zur ersten der beiden Regionalkonferenzen eingeladen, bei der sich die drei Bewerber, die CDU-Kandidat bei der Landratswahl werden wollen, vorstellen. Das Experiment hätte auch schiefgehen können, weiß Petersen. Doch das Prozedere, das schon im Großen bei der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Bundesvorsitzenden von Erfolg gekrönt war, funktioniert auch im Kleinen. 80 CDU-Mitglieder sind es, die in Scharnebeck die erste Vorstellungsrunde der drei Kandidaten verfolgen. Die Bewerber sind Ministerialrätin Dr. Dorit Stehr, der Bleckeder Bürgermeister Jens Böther und die Kreisrätin Sigrid Vossers, die als parteilose Kandidatin für die CDU in den Ring steigen will.

Wie berichtet, will Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) vorzeitig zum 31. Oktober aus dem Amt ausscheiden. Die SPD hat ihren Kandidaten für die Landratswahl bereits ausgeguckt. Sie will mit Norbert Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Ostheide, am 26. Mai ins Rennen gehen. Für welchen der drei Bewerber sich die Christdemokraten letztlich entscheiden werden, darüber stimmen die CDU-Mitglieder am 1. Februar in einer Urwahl im Restaurant Lim‘s in Erbstorf ab. Am Montagabend allerdings haben Parteifreunde bei der zweiten Regionalkonferenz im Alten Porthhof in Reppenstedt noch einmal Gelegenheit, den drei Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Beginn ist um 19 Uhr.

Los entscheidet über die Reihenfolge

Per Los wird über die Reihenfolge der Vorstellungsrunde entschieden: „Auch hier haben wir uns an der Wahl zum Bundesvorstand orientiert“, sagt Petersen. Jens Böther ist somit der erste, der an das Rednerpult tritt. Zehn Minuten Zeit hat er, um für sich zu werben – genauso, wie seine Konkurrentinnen. Um es vorweg zu nehmen: Große, inhaltliche Differenzen gibt es keine zwischen den drei Kandidaten. Was auch nicht weiter verwundert, kommen, beziehungsweise treten sie alle drei doch für die gleiche Partei an. Und natürlich halten sich alle drei aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen und Qualifikationen bestens geeignet für das Amt des Landrates, beziehungsweise der Landrätin.

Böther spielt als Trumpfkarte seine kommunalpolitische Erfahrung aus. Seit 2006 ist er der hauptamtliche Bürgermeister der Stadt Bleckede, wurde 2014 wiedergewählt. Die Kreisverwaltung, deren Chef er werden möchte, kenne er schon aus seiner Zeit als Kommunalbeamter in der Zeit von 1985 bis 2006. „Ich bin durch und durch ein Kommunaler“, betont der 52 Jahre alte, verheiratete Familienvater. Und bestens vernetzt sei er sowieso – ein Argument, das aber auch seine Konkurrentinnen für sich in Anspruch nehmen.

Kommunalpolitische Erfahrung als Trumpfkarte

Kita-Finanzierung, die Beschleunigung von Baugenehmigungsverfahren, bessere Verkehrsanbindungen, Bau der A 39 und – als Herzensangelegenheit – die Realisierung der Elbbrücke sind Themen, die Böther im Falle eines Wahlsieges angehen will.

Ohne Parteibrille mit Führungserfahrung

Eine moderne und leistungsfähige Verwaltung, genügend bezahlbaren Wohnraum, einen guten ÖPNV, eine gute Versorgung mit allen öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Pflegeheimen und Kindertagesstätten nennt Sigrid Vossers als Ziele. Dass sie für die CDU kandidieren will, ohne selbst Parteimitglied zu sein, hält die 46-jährige Volljuristin und dreifache Mutter für einen Vor- statt einen Nachteil. So könne sie in Gespräche gehen, ohne durch die Parteibrille gesehen zu werden. Die Realisierung der Elbbrücke stehe auch bei ihr auf der Agenda. „Was ich nicht will, ist mehr Güterschienenverkehr durch Lüneburg ohne vernünftigen Lärmschutz.“

Führungserfahrung – die stellt auch Dr. Dorit Stehr in den Mittelpunkt. Die promovierte Ministerialrätin macht deutlich, dass sie sich nicht als Zählkandidatin sieht: „Wenn ich antrete, will ich auch gewinnen“, sagt die 61-Jährige, die sich ebenfalls unter anderem für die Realisierung der Elbbrücke, für die A 39 und für einen finanziellen Ausgleich für die Gemeinden bei den Kita-Gebühren ausspricht: „Wenn das Land Entscheidungen trifft, die Kosten verursachen, dann muss es diese auch bezahlen!“

Von Klaus Reschke

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