Donnerstag , 19. September 2019
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Hilla und Heinz Dreyer (r.) haben die Medimax-Filiale angesteuert, weil sie dachten, dass zumindest einer ihrer Fernseher bald schwarz bleibt. Sie hatten befürchtet, sich zumindest ein neues Gerät kaufen zu müssen. Mitarbeiter André Bugs gibt Entwarnung. (Foto: t&w)

Digitalumstellung erreicht Lüneburg

Lüneburg. Das Schreiben, das Hilla und Heinz Dreyer am 14. Januar in ihrem Briefkasten gefunden haben, kündigt in großen, fett gedruckten Lettern an: „Wir schalten auf digitales Fernsehen um“. Weiter teilt Vodafone mit, dass analoges Fernsehen über den Kabel-Anschluss des Ehepaars ab dem 31. Januar nicht mehr möglich sein wird. „Danach können Sie nur noch mit einem digitalfähigen Endgerät die Fernsehsignale empfangen.“ Die beiden Senioren sind nicht die einzigen, die einen solchen Standardbrief erhalten haben: Die Vodafone Kabel Deutschland GmbH hat hier in der Region ihre Kunden in Lüneburg, Adendorf, Bad Bevensen, Bardowick, Deutsch Evern, Reppenstedt, Vögelsen, Wendisch Evern angeschrieben und die Digitalumstellung für Ende Januar angekündigt.

Jeder Haushalt in Deutschland, in dem das Kabelsignal ausschließlich analog empfangen wird, ist betroffen. Im Juni 2017 haben die ersten Anbieter begonnen, das analoge Kabelfernsehen abzuschalten. Bis Mitte des Jahres soll in den Netzen aller Bundesländer nur noch in DVB-C gesendet werden – so nennt sich der Standard, der für die Übertragung von digitalen Hörfunk- und Fernsehsignalen über Kabelanschluss verwendet wird.

Info-Balken im Fernsehprogramm

In neueren Fernsehern ist dieses Empfangsteil bereits inte­griert, so auch bei Hilla und Heinz Dreyer. Dass sie kein Geld in die Hand nehmen müssen, um zum Beispiel weiterhin die Nachrichten sehen zu können, haben sie aber erst in der Lüneburger Medimax-Filiale erfahren. Dort hat das Ehepaar mit dem Vodafone-Schreiben und der Bedienungsanleitung des Fernsehers André Bugs um Rat gefragt. „Unser Enkel war da, als der Brief kam. Der hat sich unsere beiden Fernseher, den im Wohnzimmer und den im Schlafzimmer, angesehen und gesagt, dass wir oben was machen müssen“, sagt Heinz Dreyer. Seit einigen Tagen laufe ein Balken über den Bildschirm, über den mitgeteilt werde, dass das Signal bald weg sei.

Bugs, Teamleiter der TV-Abteilung, erlebt solche Situationen täglich. „Das ist ein Klassiker.“ Viele Kunden kämen mit diesem Schreiben oder der Bezeichnung ihres Fernsehers in den Laden – und der Frage, ob sie ihr aktuelles Gerät auch weiterhin nutzen können.

3,2

Millionen Haushalte haben im vergangenen Jahr noch analoges Kabelfernsehen genutzt. Das geht aus einer Umfrage der Landesmedienanstalten hervor.

Die Dreyers kann er beruhigen: Ihr Fernseher im Schlafzimmer ist schon entsprechend ausgestattet, das verraten ihm die Anleitung und die Gerätebezeichnung, die die beiden mitgebracht haben. „Sie brauchen kein Zusatzgerät kaufen.“

Die Laufbalken-Info auf dem Bildschirm erklärt Bugs so: „Der Fernseher ist zurzeit noch auf analog eingestellt. Es braucht nach der Umstellung nur einen digitalen Sendersuchlauf, mehr nicht.“ Dreyer freut sich: „Na das ist doch gut, wenn wir uns jetzt nichts anschaffen müssen.“

Nur mit einem passenden Receiver

Genauso häufig müssen Bugs und seine Kollegen aber auch Leute beraten, die tatsächlich aufrüsten müssen. Zwei Wochen halte der Kundenandrang schon an, vor allem morgens sei viel los, sagt er. Welchem Rat die Kunden folgen, das variiere. „Manche kaufen für ihren alten Röhren- oder Flachbildfernseher einen digitalen Receiver, andere möchten kein zweites Gerät und keine zweite Fernbedienung.“ Vor allem Ältere würden sich eher nach einem neuen Fernseher umschauen.

Die Umstellung betrifft jedoch nicht nur die analogen TV-Sender, sondern auch das Radio: Vodafone teilt mit, dass Kunden, deren Radiogeräte oder Stereoanlagen derzeit direkt an den Radio-Ausgang der Kabeldose angeschlossen sind, einen passenden Receiver für den digitalen Empfang benötigen. Auch die klassische Wurfantenne ist eine Option.

Wer ist betroffen?

Ist der Fernseher direkt mit der Kabelanschlussdose verbunden, so sieht man höchstwahrscheinlich noch analoges Fernsehen. Auch wenn die Anzahl der Programme auf maximal 32 Sender beschränkt ist, weist dies auf einen Analoganschluss hin.

Neben Tipps benennen die Mitarbeiter des Lüneburger Medimax auch die Vorteile der Digitalumstellung: Nicht nur Ton und Bild sollen sich verbessern, künftig sei es möglich, statt 32 über 140 Sender zu empfangen. „Beim digitalen Radioempfang verdoppelt sich die Zahl von 35 auf bis zu 70 Programme. Auch die Klangqualität ist besser.“

Von Anna Paarmann