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Ein Grund zur Freude ist die erneute Bestätigung im Senat für Sascha Spoun allemal. Im Mai nächsten Jahres startet er in seine dritte Amtszeit als Präsident der Leuphana Universität. Foto: t&w

„Endabrechnungen liegen manchmal gar nicht vor“

Lüneburg. Wer Uni-Präsident Sascha Spoun auf dem Campus oder in der Stadt trifft, darf ihm gleich doppelt gratulieren: Er ist nicht nur am Sonnabend 50 Jahre al t geworden, sondern er hat sich wenige Tage zuvor auch seine Zukunft in Lüneburg sichern können. Zumindest für weitere acht Jahre.

Wie berichtet, gab es am vergangenen Mittwoch im Senat eine knappe Mehrheit für die Wiederwahl von Spoun. Kritik, vor allem von Studenten, blieb nicht aus. Darüber, über Erreichtes und Bevorstehendes, Geld und den Libeskind-Bau spricht er im LZ-Interview.

Wieso haben Sie sich entschieden, sich für eine dritte Amtszeit zur Verfügung zu stellen?
Präsident Sascha Spoun: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen ist da die gute Entwicklung der letzten Jahre, die sich etwa in der Forschung, bei den Publikationen oder den Drittmitteln ebenso wie im Studienangebot deutlich macht. Allein in diesem Jahrzehnt haben wir zum Beispiel ein Wachstum an Studenten in Höhe von 35 Prozent erreicht. Kurzum: Die Leuphana ist insgesamt ein attraktiver Ort. Ein weiterer Grund sind auch die Themen, mit denen wir uns beschäftigen: digitale Kulturen, Nachhaltigkeit, Entrepreneurship, forschungsbasierte Lehrerbildung. Sie werden in den nächsten Jahren immer stärker gefragt sein. Da ist also ein großes Potenzial, das man heben kann, wenn man konsequent dran bleibt. Überzeugt hat mich auch die gute Zusammenarbeit innerhalb der Universität, die von viel Respekt und Wertschätzung getragen wird. Wir entwickeln hier systematisch eine gute Vertrauenskultur. Die pflegen wir auch nach außen: zur Stadt Lüneburg, zur Landesregierung in Hannover, zu vielen Wissenschaftsorganisationen.

Die Themen, die Sie eben genannt haben, sind das wesentliche Entwicklungsschritte, die Sie in den nächsten Jahren mit begleiten möchten?
Das ist eine sehr interessante Phase, weil es tatsächlich in den letzten Jahren gelungen ist, eine Struktur, Themen und eine Kultur zu entwickeln, die mit akademischem Leben gefüllt wird. Deshalb stand die Universität vor zwei Fragen: Will ich das systematisch weiterentwickeln und auf dieser Basis Innovationen starten? Oder will ich diese Dinge nochmal in Frage stellen und grundsätzlicher an diese Themen herangehen? Ich habe angeboten, sowohl auf dem eingeschlagenen Weg zur Konsolidierung als auch zu innovativen Schritten beizutragen. Die liegen vor allem in der internationalen Kooperation. Wir haben zum Beispiel immer mehr Studienprogramme mit ausländischen Unis als Partner in Vorbereitung. Im Herbst wird ein solches im Bereich Psychologie mit Maastricht, Valencia und der Leuphana starten. Das ist ein ganz wichtiger Pfad, er öffnet den Weg für die Studenten, die hierher kommen und macht die Leuphana gleichzeitig zu einem Knoten im internationalen Wissenschaftssystem.

Als Sie 2006 als jüngster Präsident einer Universität nach Lüneburg gekommen sind, haben viele gedacht, dass das hier nur ein Zwischenstopp ist. Gab es Momente, in denen Sie überlegt haben, zu gehen?
Es gibt immer verschiedene Momente des Überlegens. Man hätte ja auch sagen können, ich mache hier in den ersten Jahren nur eine Planung und Strukturierung und überlasse die Umsetzung jemand völlig anderem. Interessant ist: Es gab viele Personen, insbesondere auch alle vier Dekane, die auf mich zugekommen sind und gesagt haben, dass es sie interessieren würde, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Den Entwicklungsplan „Leuphana 2025“ haben wir gemeinsam in den Jahren 2015/16 in vielen Gesprächsrunden erarbeitet, er hat große Mehrheiten in allen Gremien gefunden. Ich kann und will mich damit voll identifizieren. Es gibt also eine Basis und die Gestaltung lohnt sich wirklich.

Und können Sie sich vorstellen, hier auch in den Ruhestand zu gehen?
Das ist doch interessant: Zu Beginn hat man gesagt „der läuft schnell wieder weg“, jetzt hat man sofort den Ruhestand in den Blick genommen. Aus meiner Sicht wird es etwas dazwischen sein.

Es gab ja in den vergangenen Tagen auch reichlich Kritik: Protestaktionen, Beschlüsse, in denen Ihre Präsidentschaft kritisiert wird, viele Studenten haben bei der Senatssitzung Fragen gestellt…
Die Kritik richtete sich auf das Verfahren. Die Möglichkeit, dass ein Uni-Präsident ohne Ausschreibung wiedergewählt werden kann, bietet das Niedersächsische Hochschulgesetz. Im Senat haben alle vier Statusgruppen darüber diskutiert und sich darauf geeinigt, davon Gebrauch zu machen. Damit ist es für mich vollkommen legitim, sich darauf einzulassen. Der Senat hat da alle Freiheiten. Die Studenten haben im Vorfeld übrigens verlauten lassen, dass sie sich durchaus vorstellen können, dass ich das Amt weiter ausübe.

Ein Projekt, was wesentlich mit Ihnen verbunden wird, ist der Bau des Leuphana-Zentralgebäudes. Es wirkt so, als hätten Sie es mit der Klärung der Wiederwahl deshalb so eilig gehabt, weil Ihnen die Endabrechnung auf die Füße fallen könnte. Ist dem so?
Ich habe keine Eile. Ich habe nur zum Abschluss der letzten Senatssitzung 2018 mit dem Ausblick auf 2019 gesagt, dass da die Wahl des Präsidenten oder der Präsidentin anstehen wird. Und ich habe angeboten, dafür zur Verfügung zu stehen. Im Januar wurde ich von Senatsmitgliedern um eine erneute Kandidatur gebeten. Vertreter aller vier Statusgruppen haben dann dem Senat vorgeschlagen, sich mit der Möglichkeit einer weiteren Amtszeit zu befassen. So ist es zum Termin am Mittwoch gekommen.

Wann ist die Schlussrechnung denn nun fertig? Stefan Wenzel hat ja im Haushaltsausschuss nachgefragt und die Antwort erhalten, dass das Wissenschaftsministerium in Absprache mit der Leuphana davon ausgeht, dass diese zum Ende des ersten Quartals 2019 vorgelegt wird.
Wir haben als Bauherr die Aufgabe, die Abrechnungen für jedes einzelne Gewerk mit Hinblick auf Mängel und mögliche Abzüge präzise zu prüfen. Ein Druckmittel, Unternehmen zur Vorlage der Endabrechnung zu zwingen, haben wir dagegen nicht. Deshalb zieht sich dieser Prozess auch in die Länge. Endabrechnungen von öffentlichen Gebäuden liegen manchmal gar nicht oder erst nach mehreren Jahren vor. Deshalb ist es ein völlig normaler Zustand, dass unsere Endabrechnung zwei Jahre nach Inbetriebnahme des Zentralgebäudes noch nicht vorliegt. Wir haben ein großes Interesse, die Schlussrechnung so schnell wie möglich zu erstellen, wir ziehen da mit dem Land auch an einem Strang. Wann das im Jahr 2019 sein wird, wird sich weisen auf Basis der Arbeiten.

Also bestätigen Sie nicht, dass man sich auf das Ende des ersten Quartals verständigt hat?
Man hat sich darauf geeinigt, dass wir es dann machen, wenn die Arbeiten an der Endabrechnung abgeschlossen sind. In guter Abstimmung. Ich glaube, dass wir diesen letzten gemeinsamen Schritt erfolgreich erreichen werden. Sie dürfen nie vergessen: Das gesamte Gebäude ist in Größe und Volumen so viel wie ein Institut oder eine Fakultät anderenorts.

Wer zahlt die fehlenden Millionen am Ende? In den Ministerien haben wir nachgefragt: Dort werden Zuständigkeiten hin- und hergeschoben. Am Ende wird sicher auch die Leuphana selbst einen Teil übernehmen müssen. Gibt das das Stiftungsvermögen her?
Der Minister und auch alle vorherigen Politiker haben gesagt: Es geht nicht zu Lasten von Forschung und Lehre. Über einen geeigneten Modus werden wir dann sprechen, wenn die Ergebnisse vorliegen. Das gilt weiterhin. Ich bin zuversichtlich, dass uns das Land da weiter unterstützt. Wenn Sie sich anschauen, wo wir heute im Vergleich zu vor 13 Jahren stehen, kann man wirklich sagen, dass das eine positive Entwicklung ist. Deshalb werden wir das gut hinkriegen. Mal ganz ehrlich, sonst hätte ich auch gar kein Interesse daran gehabt, hier weiterzumachen.

Das Modell Stiftungsuniversität wird zurzeit ja untersucht, auch die Leuphana musste einen Fragenkatalog beantworten. Dass es nicht gelingt, Stiftungsvermögen zu vermehren, ist nur ein Kritikpunkt.
Diese Untersuchungen und die Fragen zeigen, dass es bei dem Modell um verschiedene Komponenten geht. Die Frage, inwieweit es gelingt, Stiftungsvermögen aufzubauen und Drittmittel einzuwerben, wird immer in den Mittelpunkt gerückt. Wenn man sich die erfolgreichen Universitäten in den USA anschaut, sieht man, dass das ein Prozess von Jahrzehnten ist. Werfe ich aber einen Blick auf unsere Drittmitteleinwerbung insgesamt, sehe ich 20 Millionen Drittmittel für Forschung und 20 weitere für Sondermittel. Auf eine Landeszuführung von 58 Millionen Euro ist das eine unglaublich großer Teil an eingeworbenen flexiblen Mitteln. Aber die gehen eben nicht ins Stiftungsvermögen, sondern sind zweckgebunden.

Ein Projekt, was in Zukunft noch auf Sie zukommt, ist ja der Neubau der Sporthalle. Als Übergangslösung soll das Vamos herhalten. Da der Verein Campus für das Jahr 2019 nochmal eine Verlängerung erhalten hat, wird da dieses Jahr also noch nichts passieren?
Da gibt es jetzt eine Schrittfolge der Erarbeitung von Unterlagen für den Neubau der Sporthalle. Das ist ein längerer Prozess, der ist sehr wichtig, weil die Halle natürlich für das Sportstudium und auch für den Hochschulsport eine große Rolle spielt. Wann der Abriss erfolgen soll, steht noch nicht fest. Wir fahren auf Sicht, damit wir entsprechend Ausweichmöglichkeiten haben, wenn die Baustelle realisiert wird.

Die Studenten haben auch kritisiert, dass im Zentralgebäude viele Flächen, die für Studenten vorgesehen waren, nun anderweitig besetzt sein sollen. Stimmt das?
Im Zentralgebäude nutzen wir zurzeit Flächen übergangsweise als Büros, weil im alten Bestand renoviert wird. In einem Teil ist zum Beispiel gerade das International Office zwischengeparkt. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, sollen die Flächen aber, wie geplant, zu studentischen Arbeitsräumen werden.

Wie steht es eigentlich um die Auslastung des großen Gebäudes?
Die ist sehr gut. Eine aktuelle Auswertung der Raumbuchungen im Zentralgebäude zeigt, dass allein im Jahr 2018 fast 4000 Termine im Rahmen wiederkehrender Veranstaltungen stattgefunden haben. Hinzu kommen einige Tausend Einzeltermine. Das Spektrum reicht von Vorlesungen und Seminaren über Konzerte, Tagungen und Kongresse bis hin zu Workshops und Besprechungen.

Von Anna Paarmann