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Bauamtsleiterin Susanne Stille, hier mit Bürgermeister Peter Bergen, betont: „Ein Landschaftsplan ist kein Gesetz.“ Foto: dth

Der Plan, den es nicht gibt

Reppenstedt. Er besteht aus 15 dicken Aktenordnern und reichlich Kartenmaterial: 1998 hat die Samtgemeinde Gellersen einen Landschaftsplan erarbeiten lassen. Der enthält unter anderen eine genaue Kartierung von Schutzgebieten und soll von der Politik in ihre Planungen einbezogen werden, etwa bei der Entscheidung über die künftige Siedlungsentwicklung. Jetzt steht fest: Versehentlich wurde der Plan nie vom Samtgemeinderat beschlossen. „Eigentlich haben wir also gar keinen“, stellte Bauamtsleiterin Susanne Stille während der jüngsten Sitzung des Gellerser Bau-, Planungs- und Umweltausschusses fest.

Den Landschaftsplan hatte die Gruppe Grüne/Soli per Antrag auf die Tagesordnung befördert. Sie möchte, dass er von Vertretern des damaligen Fachbüros im Ausschuss vorgestellt und erläutert wird. Begründung laut Antrag: „Über die Notwendigkeit eines Landschaftsplans scheint das Wissen unter Ratsfrauen und –herren nicht breit gestreut zu sein.“ Stille hatte sich daraufhin durch alte Akten und Protokolle gearbeitet und festgestellt, dass der Landschaftsplan 1998 lediglich „zur Kenntnis genommen“, aber nicht beschlossen worden war. Die Kosten seinerzeit: rund 250.000 Mark.

Plötzlich aktuell

Dass das plötzliche Interesse der Antragsteller am Landschaftsplan auch mit der aktuellen Diskussion über die Bebauung des Grüngürtels zwischen Lüneburg und Reppenstedt zusammenhängen könnte, sprach Stille offen an. Sie stellte klar: „Der Landschaftsplan ist kein Gesetz. Selbst wenn der empfehlen würde, eine bestimmte Fläche von Bebauung freizuhalten, muss man gewichten, was einem wichtiger ist, also auf den Punkt gebracht: Grüngürtel oder Baugebiet.“ Im konkreten Fall mache der Landschaftsplan über den Grüngürtel allerdings gar keine Aussage: „Gellersen endet schließlich an der Gemeindegrenze.“

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, dass das Büro EGL den Plan öffentlich vorstellen könnte. Die Fachleute müssten sich jedoch nach 20 Jahren erst wieder einarbeiten, gab Stille zu bedenken. Da auch die Landschaft sich gewandelt habe, sei auch an eine Überarbeitung zu denken, so Stille. „Das kostet Geld und dauert drei Jahre.“

Die Mehrheit der Ausschussmitglieder hielt das, auch angesichts der zusätzlichen Kosten, für überflüssig. Rainer Garbers (SPD) sagte: „Ich weiß nicht, ob man das braucht.“ Schutzgebiete und Biotope würden doch ohnehin bei allen Planungen berücksichtigt. Burkhard Stumpenhusen (SPD) schloss sich an: „Ich sehe da keinen Mehrwert.“ Mark Stark (Grüne) sah das anders: „Wir haben da einen Plan und kennen den nicht. Das ist ärgerlich.“ Bei zwei Ja-Stimmen der Grünen und vier Nein-Stimmen wurde der Antrag abgelehnt.

Von Ute Klingberg-Strunk