Donnerstag , 14. November 2019
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Neben 14 anderen Fahrern steuern (v.l.) Friedrich Frank, Rudolf Wieland und Hans Wolf ehrenamtlich den Bürgerbus Bardowick. (Foto: t&w)

Verbindung zwischen den Orten

Bardowick. Viel Zeit und Sorgfalt gingen dem Startschuss für den Bürgerbus in der Samtgemeinde Bardowick voraus. Bevor am Freitag, 1. Februar, die ersten Fahrgäste kostenfrei befördert werden, liegt ein Jahr Vorbereitung hinter der federführenden Arbeitsgruppe, bestehend aus Bürgern der Mitgliedsgemeinden und Mitarbeitern der Verwaltung. „Wir haben im Vorwege den Bedarf für einen Bürgerbus ermittelt und regelmäßig überprüft, die entsprechenden Strecken erstellt und fortlaufend angepasst, eine Organisationsstruktur entwickelt“, erzählen die drei Teamleiter der 17 ehrenamtlichen Fahrer und Fahrerinnen, Friedrich Frank aus St. Dionys, Hans Wolf aus Bardowick, Rudolf Wieland aus Vögelsen sowie Verwaltungsmitarbeiterin Christina Seibert.

Schnell sei klar geworden, dass ein Bürgerbus nötig ist. „Unsere Umfrage hat ergeben, dass vor allem die ältere Generation Bedarf hat“, sagt Hans Wolf. Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) ergänzt, dass eine gesellschaftliche Entwicklung auch vor der Samtgemeinde nicht Halt macht: „Auch bei uns leben, anders als früher, immer mehr alleinstehende Senioren.“ Das hat zur Folge, dass viele von ihnen niemanden haben, der sie etwa zu Arztbesuchen fahren kann. „Und mit dem Bus ist es oft nicht möglich, aus den Dörfern zu den Praxen zu kommen, um Termine wahrzunehmen. Es hat sich herausgestellt, dass viele Ältere besonders am Tag in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind“, berichtet Friedrich Frank.

Mangel an Querverbindungen

„Wir schaffen deshalb ein Angebot und versuchen, die Situation für die Menschen zu verbessern, auch indem wir ihnen die nötige Flexibilität geben“, ergänzt Rudolf Wieland. Denn im ÖPNV-Angebot im Gebiet der Samtgemeinde gebe eines nämlich so gut wie gar nicht: Querverbindungen zwischen den Orten. „Anders als mit einem Bürgerbus ist dieses Problem nicht zu lösen. Wir greifen also zur Selbsthilfe“, meint Bardowicks Verwaltungschef Heiner Luhmann.

Ein Argument, das auch die Europäische Union überzeugt hat. Über die Leader-Region Achtern-Elbe-Diek bezuschusst sie den Bardowicker Bürgerbus mit knapp 32 000 Euro, das sind 55 Prozent der Gesamtkosten für den Kauf eines 9-Sitzers sowie für die Schaffung einer zusätzlichen Stelle in der Verwaltung, die Elke Reers besetzt und zusammen mit Christina Seibert den Betrieb des Bürgerbusses betreut und organisiert.

Keine Konkurrenz zu Taxi oder ÖPNV

Das Fahrer-Team ist motiviert und kniet sich mächtig rein in die neue Aufgabe. „Wir haben schon an einem ADAC-Fahrsicherheitstraining teilgenommen und einiges dazu gelernt. Es ist dann doch schon anders, einen Bulli zu steuern als einen Pkw“, erzählt das Teamleiter-Trio. Spendiert hat den Kursus die Samtgemeinde. Und nicht nur mit der Fahrer-Fortbildung engagiert sich die Kommune über das geforderte Maß hinaus. „Sollte es einmal eng werden, die Nachfrage hoch sein, werden wir diese Spitzen mit samtgemeindeeigenen Fahrzeugen abfedern“, verspricht Heiner Luhmann.

Trotz aller professioneller Arbeitsweise betonen er und die ehrenamtlichen Fahrer, dass der Bürgerbus weder eine Konkurrenz zum ÖPNV noch zum Taxigewerbe darstellt. „Wir betreiben keine öffentliche Personenbeförderung, die hat immer Vorrang. Deshalb werden wir auch niemanden von Kneipentouren abholen oder Fahrten durchführen, mit Zielen, die außerhalb der näheren Umgebung der Samtgemeinde liegen.“

Nach einem Jahr Testlauf soll der Bürgerbus eine neue Organisationsstruktur erhalten, beispielsweise könnte ein gemeinnütziger Verein den Betrieb übernehmen.

Fahrten anmelden

Berechtigt, den Bürgerbus zu nutzen, sind: Menschen, deren Einkommen unter dem Vierfachen des Regelsatzes des Sozialhilfegesetzes liegt (aktuell 424 Euro monatlich), die einen Behindertengrad von mindestens 50 Prozent und/oder das 70. Lebensjahr vollendet haben, die unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen.

Zudem dürfen Kinder und Jugendliche von drei Jahren (mit Sitzerhöhung) und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr mitfahren. Die Mitfahrberechtigung muss vor der ersten Fahrt in der Samtgemeinde beantragt werden. Der Fahrdienst steht montags bis freitags, jeweils von 8 bis 18 Uhr zur Verfügung, die telefonische Annahme von Fahrten ist möglich unter (04131) 1201911, montags bis freitags, 8 bis 12 Uhr. Wunschfahrten müssen mit einem Tag Vorlauf angemeldet werden.

Von Stefan Bohlmann