Aktuell
Home | Lokales | Zermürbt von den Konflikten
Müssen die Kinder noch länger auf das Ganztagsangebot warten? Eltern fühlen sich auf dem Weg dorthin nicht ernst genommen, der Vorstand des Schulelternrates ist deshalb jetzt zurückgetreten. Foto: t&w

Zermürbt von den Konflikten

Lüneburg. Der Weg zur Ganztagsschule ist am Hasenburger Berg ein beschwerlicher. Im März 2018 hatte die LZ darüber berichtet, dass sich die Eltern der Grundschüler bei der Entwicklung nicht mitgenommen fühlen, das pädagogische Konzept, das Schul- und Hortleitung vorgestellt haben, und die mangelhafte Flexibilität kritisieren. Auch weil der damalige Stand der Baumaßnahmen keinen Start der Ganztagsschule im August zuließ, wurde dieser um ein Jahr verschoben. Nun ist sogar der neue Termin in Gefahr.

Der Vorstand des Schulelternrats hat nun die Konsequenzen gezogen und ist geschlossen zurückgetreten. In dem dreiseitigen Schreiben, das der LZ vorliegt, finden die fünf Mütter und Väter deutliche Worte: Die Rahmenbedingungen würden es nicht zulassen, dass die Interessen von Familien und Eltern durchgesetzt werden können. Es gehe vielmehr darum, nach Entscheidungen, die andere getroffen hätten, sagen zu können, dass auch Elternvertreter beteiligt gewesen seien. „Unser Eindruck ist, dass es gar nicht (mehr) um eine möglichst gute Ganztagsschule geht, sondern darum, die politische Forderung nach einer Ganztagsschule mit möglichst geringem Aufwand zu erfüllen.“

Stimmen der Eltern haben nicht genügend Gewicht

Viele Gründe hätten zum Rücktritt geführt, schreibt der ehemalige Vorsitzende des Schulelternrats. Die Kritik gilt nicht nur der Schulleitung: „Landtag und Stadtrat haben die Einführung von Ganztagsschulen beschlossen, ohne hierfür verbindliche Qualitätsstandards vorzugeben.“ Als Ergebnis müsse jede Schule und jede Elternschaft den „zermürbenden Weg zur Ganztagsschule allein bewältigen“. Auch sehe das niedersächsische Schulgesetz aufgrund der vorgegebenen Stimmenverteilung im Schulvorstand keine Durchsetzung von Elterninteressen gegenüber Lehrern und Schulleitung vor, denn die entscheidende Stimme in Pattsituationen habe die Direktorin.

Erhebliche Kritik gilt aber auch der Ausgestaltung des Ganztagsschulangebots: So wünschen sich die Eltern eine flexible Lösung und nicht das von Schulleiterin Marianne Borow­ski favorisierte Modell, das drei feste Tage in der Woche vorsieht und um 15 Uhr enden soll. Bei einer Bedarfsabfrage habe ein großer Teil der Familien sich für einen Ganztagsschulbetrieb an vier Tagen pro Woche, jeweils bis mindestens 15.30 Uhr, und eine flexible Anwählbarkeit einzelner Tage ausgesprochen.

Viele Fragen sind noch offen

Im vorigen Sommer hatten Schulleitung, Schulvorstand, Schulelternrat und Sozialdezernentin Pia Steinrücke dann einen Neustart beschlossen. So sollte Borowksi gemeinsam mit den Elternvertretern mögliche Ganztagsschulmodelle entwickeln, die Stadt die Finanzierung möglicher Kooperationspartner prüfen und mittels einer erneuten Umfrage unter den Eltern ein „mehrheitsfähiges Modell“ ermittelt werden. Von dem „sogenannten Fahrplan“ seien inzwischen aber verschiedene Seiten nach Belieben abgewichen, ist in dem Rücktrittsschreiben zu lesen. So sei die gemeinsame Entwicklung der Modelle an einer „kompromisslosen Haltung“ der Schulleiterin gescheitert.

Schulleiterin Borowski kritisiert ihrerseits in einem Brief an die Eltern: Die Stadt habe dem Antrag an die Landesschulbehörde ein veraltetes pädagogisches Konzept beigefügt und die Schule nicht beteiligt. „Auf der nächsten Schulvorstandssitzung am 6. Februar werde ich Herrn Wiebe von der Stadt Lüneburg bitten, dazu Stellung zu nehmen.“ Außerdem heißt es: „Da noch viele Fragen offen sind und es noch weiterer Planungsschritte bedarf, kann ich Ihnen heute noch nicht verbindlich zusagen, ob wir tatsächlich am 1. August 2019 mit dem Ganztagsschulbetrieb starten können.“

Den Rücktritt des Vorstands bedauere sie sehr, sagt die Rektorin zur LZ und macht deutlich: „Mein Ziel ist ein Ganztag, von dem unsere Schüler profitieren und der sich pädagogisch sinnvoll in unserer Schule umsetzen lässt.“

Von Anna Paarmann

Stadt kontert Kritik

„Das ist so nicht korrekt“

Dass die Stadt den erneuten Antrag auf Ganztagsschule im vergangenen Herbst mit einem veralteten pädagogischen Konzept und ohne Beteiligung der Schule abgegeben haben soll, bestreitet Bildungsdezernentin Pia Steinrücke. Vielmehr habe sich die Stadt mit der Landesschulbehörde und der Schulleitung abgestimmt, den Antrag vorerst ohne pädagogisches Konzept zu stellen, um die Frist wahren zu können und nicht noch mehr Zeit verstreichen zu lassen. Das Konzept sollte bis Frühjahr 2019 nachgereicht werden.

Pia Steinrücke weist darauf hin, dass nicht die Stadt als der Schulträger für die Erarbeitung zuständig sei, sondern die Schulleitung – „natürlich bestenfalls in enger Zusammenarbeit mit den Eltern. Wir warten darauf, dass die Schule das Konzept vorlegt und gehen davon aus, dass die Ganztagsschule – wie vereinbart – zum 1. August starten kann.“

Bauarbeiten gehen schleppend voran

„Zurzeit ist Ruhe“

Nicht nur das Ganztagsschulmodell hat an der Grundschule für Unstimmigkeiten gesorgt: Damit hängen auch umfangreiche Bauarbeiten zusammen, gestartet sind sie im Jahr 2016. Ihren Unmut über den Unterricht auf einer Großbaustelle hatte Schulleiterin Marianne Borowski im vorigen August im Ortsrat Oedeme zum Ausdruck gebracht. Wie berichtet, hatte sie nach zweieinhalb Jahren mit Lärm von Presslufthammern, Dreck und Staub, Baumaterialien auf den Fluren und Löchern im Boden das Gewerbeaufsichtsamt, die Landesschulbehörde und die Gemeindeunfallversicherung über die Zustände informiert. Die Kritik kam in der Verwaltung an: Man einigte sich darauf, der Schule eine Pause zu gönnen und mit weiteren Umbauten erstmal zu warten.

Der zweite Bauabschnitt sollte eigentlich im Oktober oder November abgeschlossen sein, doch jetzt erst ist es so weit. „Es sind nur noch kleine Restarbeiten zu erledigen“, sagt Borowski und nennt den Einbau der Lehrmittelschränke als Beispiel. Weitere Sanierungsmaßnahmen sollen nicht in absehbarer Zeit angegangen werden. „Zurzeit ist Ruhe, wir müssen erstmal alles einräumen.“ Der dritte Bauabschnitt dürfte den Schulbetrieb auch nochmal erheblich beeinträchtigen: So muss nicht nur das Dach neu gedeckt und gedämmt werden, es braucht neue Treppenhäuser, neue Fenster und Türen, sogar eine neue Sporthalle. ap