Aktuell
Home | Lokales | Überraschung im Untergrund
Die Kanalisation am Süttorfer Weg in Neetze muss in Teilen erneuert werden. Foto: t&w

Überraschung im Untergrund

Neetze. Verwässerte Wiesen, verstopfte Leitungen und scheinbar verschwundenes Regenwasser: Das Thema Entwässerung schlug zuletzt hohe Wellen in der Gemeinde Neetze. Jetzt ist klar: Fremdfirmen tragen die Schuld am Kanalchaos.

Es war eine dicke Überraschung, die Neetzes Bürgermeister Karsten Johansson und die Gremiumsmitglieder bei der jüngsten Sitzung des Bau- und Dorfentwicklungsausschusses erwartete. „Mindestens vier externe Firmen haben Rohre und Leitungen durch die Kanäle geschossen“, berichtete Johansson mit Verweis auf entsprechende Kamerabilder, die auch den Ausschussmitgliedern vorlagen.

Letzte Bestandsaufnahme wurde in den 90er-Jahren gemacht

Um sich einen Überblick über Zustand und Verlauf der Regenwasserkanäle der Gemeinde zu verschaffen, hatte der Ausschuss eine Kamerabefahrung beschlossen. Bei einigen der Regenwasserkanäle, die das Oberflächenwasser von den Neetzer Straßen leiten, war unklar, wohin das Wasser eigentlich läuft, andere waren gar nicht im Kanalplan verzeichnet. Die letzte Bestandsaufnahme wurde in den 1990er-Jahren gemacht – damals gab es keinen Handlungsbedarf. „Im Laufe der Zeit muss man auch wieder wissen, was überhaupt Fakt ist“, sagte Carsten Tschentscher, Vorsitzender des Bau- und Dorfentwicklungsausschusses. Verstopfte Rohrleitungen und stehendes Oberflächenwasser hatten in Neetze und Süttorf für Stirnrunzeln gesorgt. So wurde etwa eine überflutete Pferdekoppel im Ort schon 2017 zum Streitthema. Damals vermutete eine Anwohnerin, dass die nahegelegene Wassermühle, bei der zur Stromgewinnung die Neetze angestaut wird, Verursacher der Überflutung sei.

„So ein Kanal ist schnell durchbohrt“

Die neuen Kanalbilder legen nun einen anderen Schluss nahe: Sie zeigen neben Versatzschäden gleich mehrere durch Versorgungsleitungen beschädigte und durchschossene Rohre. „Das sind irgendwelche Leitungen der öffentlichen Versorger. Ob deren Pläne möglicherweise nicht zur tatsächlichen Höhe der Leitungen passen, lässt sich nur schwer feststellen“, sagte Tschentscher. So ein Kanal sei schnell durchbohrt, „ich glaube die Versorger merken manchmal gar nicht, dass sie eine Leitung durchschossen haben“.

Ein Rohr, nahe der Kirche, ist bereits eingebrochen und muss notdürftig saniert werden, sagte Johansson. Alle anderen Beschädigungen müssen nun dokumentiert und nach und nach repariert werden. „Das müssen wir zum Glück nicht selber zahlen“, erklärte der Bürgermeister. Die Rechnung soll direkt an jene Firmen gehen, die das Rohrdesaster verursacht haben. Sie sind bereits kontaktiert worden.

Von Anke Dankers