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Bereits Ende 2017 sind Elektrobussen zwei Wochen lang in Lüneburg getestet worden. Foto: t&w

Mit Elektrobussen zum Ziel

Lüneburg. Wie sieht die elektromobile Zukunft im Landkreis Lüneburg aus? Eine erste Prognose und Empfehlung für den Aufbau einer flächendendeckenden Lade-Infrastruktur hat das Dresdner Büro Mobilitätswerk GmbH im Auftrag der Klimaschutzleitstelle von Stadt und Kreis Lüneburg erstellt. Bei der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses des Lüneburger Kreistags gab Mobilitätswerk-Geschäftsführer René Pessier nicht nur Tipps für den eigenen Fuhrpark der Kreisverwaltung, sondern machte auch Vorschläge zur Anschaffung von Elektrobussen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Für eine neue Busflotte wäre eine Investition über mehrere Millionen Euro notwendig. Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) regte an, dafür eine eigene Beschaffungsgesellschaft zu gründen, die die Fahrzeuge dann beispielsweise an die Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) in Lüneburg verleiht.

Der Vorschlag des Gutachters, dass die Kreisverwaltung angesichts ausgewerteter Dienstfahrten sich noch gut und gerne vier Elektrofahrzeuge anschaffen sollte, trieb die Kreistagsabgeordneten eher weniger um. Aber der Vorschlag für eine mögliche Elektrobusflotte sorgte für Staunen bis Stirnrunzeln. Auf die Frage von Cem Aksoy (SPD), ab wann sich so eine Investition in Elektrobusse denn rentiere, antwortete Pessier: „Gar nicht.“ Angesichts hoher Anschaffungskosten und starker Eingriffe in den Betriebsablauf sei es eher eine politische Entscheidung, als eine wirtschaftliche. Und wegen der häufigen Streckenwechsel der Fahrzeuge käme anfangs auch nicht jede Linie dafür in Betracht. Denkbar wäre laut Pessier aber ein Auftakt auf der Stadtbuslinie 5003 (Oedeme) und der Regionalbuslinie 5100 (Bleckede).

Mehr als eine halbe Million Euro pro Fahrzeug

Die Anschaffungskosten für einen zwölf Meter langen Bus bezifferte Pessier auf rund 550.000 Euro – fast das doppelte eines herkömmlichen Linienbusses. Weitere 230.000 Euro würden für die Ertüchtigung des Netzanschlusses fällig, wovon wiederum drei E-Busse zehren könnten. Und die dafür notwendige Lade-Infrastruktur schlüge für drei Busse ebenfalls mit weiteren 210.000 Euro zu Buche. Zuzüglich weiterer Ausrüstung und Mitarbeiterausbildung würde die Startinvestition mit einem E-Bus mehr als 1,3 Millionen Euro kosten. Plus 1,15 Millionen Euro im zweiten Jahr, um zwei weitere Busse zur Ausnutzung der neuen Infrastruktur anzuschaffen. Am Ende des vierjährigen Einstiegs-Szenarios würden schließlich sechs Elektrobusse inklusive Infrastruktur zur Verfügung stehen, für dann insgesamt mehr als 4,5 Millionen Euro.

Sollte die Kreispolitik diesen Weg gehen wollen, schlug Landrat Manfred Nahrstedt vor, über die Gründung einer eigenen Beschaffungsgesellschaft nachzudenken, nach dem Vorbild der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, die im Schienenpersonennahverkehr den Verkehrsbetrieben die Züge zur Verfügung stellt. Nahrstedt: „Das muss jetzt alles sauber ausgerechnet und in den Gremien erörtert werden.“

Grundsätzliche Gedanken machte sich die Mobilitätswerk GmbH auch über den elektrifizierten Individualverkehr in Stadt und Landkreis: Derzeit sind im Landkreis Lüneburg laut Pessier gerade einmal 102 batterie-elektrische Fahrzeuge zugelassen, insgesamt 186 elektrifizierte Pkw. Und der Bedarf wird steigen: Für das Jahr 2030 geht sein Büro perspektivisch allein bei den batterie-elektrischen Vehikeln von 9100 Fahrzeugen aus. Hinzukämen beispielsweise auch sogenannte Plugin-Hybride.

Durchschnittlich 990 Ladevorgänge pro Tag

Der Anteil von E-Mobilen an der Gesamtzahl zugelassener Pkw steige bis dahin auf rund 14 Prozent. Bis 2030 sieht Pessier die Notwendigkeit, landkreisweit öffentliche Normalladestellen für durchschnittlich 990 Ladevorgänge pro Tag vorzuhalten sowie Schnellladestationen für durchschnittlich 150 Ladevorgänge am Tag. Der Anfang mit den Normalladestellen sei in der Stadt Lüneburg bereits gemacht, größere Defizite machte der Gutachter im ländlichen Raum aus. Dabei geht es um die Lade-Infrastruktur, die die öffentliche Hand anbieten soll, zusätzlich zu privaten Lademöglichkeiten zu Hause oder für Berufstätige beim Arbeitgeber.

Beispielhaft wurde dem Ausschuss eine Prognose für die Gemeinde Adendorf schriftlich vorgelegt. Dort heißt es: „Durch die schrittweise Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs wird in der Gemeinde Adendorf ein zusätzlicher Strombedarf von 43 Megawattstunden (oder 43.000 kWh) im Jahr 2020 erwartet, welcher bis auf 1219 MWh (oder 1.219.000 kWh) im Jahr 2030 ansteigt.“

Gutachter skizziert Potenzial für kommunale Ladestationen

Heute befinden sich in Adendorf bereits zwei Elektrotanksstellen mit insgesamt vier Normalladepunkten beim Castanea Resort am Scharnebecker Weg. Anhand der Pkw-Prognose machte das Beraterbüro insgesamt mehr als 30 Potenzialflächen allein im Adendorfer Gemeindegebiet aus, die künftig für die Einrichtung öffentlicher Ladepunkte, gegebenenfalls in Kooperation mit Gewerbetrieben, sinnvoll wären. Pessier schlug vor, das Gespräch mit Discountern zu suchen, um beispielsweise deren Parkplätze für den Aufbau „halböffentlicher“ Ladestationen zu nutzen.

Von Dennis Thomas