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Sie stellen den ersten Seniorenbeirat Bardowicks: Norbert Biermann (v.), Hermann Soltau, Ingelore Sperling, Klaus Jürgen Buss, Friedrich Frank, Hans-Werner Schenk, Broder Albertsen (v.l.). Es fehlt Uta Wenzlaw. Foto: phs

Sprachrohr der Senioren

Bardowick. Mit Protesten gegen Atomkraft fing alles an. Norbert Biermann sitzt im Rathaus der Samtgemeinde Bardowick und erinnert sich an den Beginn seines politischen Engagements. „Ich war mein Leben lang aktiv“, sagt der Handorfer. Ob im Kreiselternrat oder der Bürgerinitiative gegen eine Schweinemastanlage in Handorf – wenn Norbert Biermann für ein Thema brennt, packt er es auch an.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass der 65-Jährige kürzlich den Vorsitz des ersten Seniorenbeirats der Samtgemeinde Bardowick übernommen hat. „Meinem Alter entsprechend, bin ich jetzt folgerichtig bei den Senioren gelandet“, sagt er und muss ein bisschen schmunzeln. Biermann ist einer von insgesamt acht Beiratsmitgliedern, die künftig die Interessen der Senioren im Rathaus vertreten sollen. „Eine wesentliche Herausforderung wird sein, dass wir es schaffen müssen, überhaupt an die Senioren heranzukommen, und aufzunehmen, wo die Probleme liegen“, sagt Biermann.

2030 Wähler haben abgestimmt

Um besser in den Gemeinden vernetzt zu sein, hatte man sich deshalb gegen eine reine Mehrheitswahl entschieden und die Satzung so gestaltet, dass jede Gemeinde mindestens einen Vertreter des Seniorenbeirats stellt. Rund 2030 Wähler über 60 Jahre hatten Ende vergangenen Jahres ihre Stimme abgegeben und die Mitglieder des Beirats für eine Dauer von drei Jahren gewählt. Lediglich aus Mechtersen gab es bisher noch keinen Kandidaten.

Vor der Wahl des Seniorenbeirats kümmerte sich Hermann Soltau als Seniorenbeauftragter der Samtgemeinde ehrenamtlich um die Belange der älteren Generation. Er ist nun auch im Seniorenbeirat vertreten. „Ich habe es bisher gerne gemacht und mich immer gut aufgehoben gefühlt, wenn ich angeleitet wurde“, sagt der 73-jährige Bardowicker. Mit seiner Erfahrung will er nun auch den anderen Beiratsmitgliedern den einen oder anderen Ratschlag geben.

Zu ihnen gehört auch Klaus Jürgen Buss aus Vögelsen. Der Geschäftsführer eines Lüneburger Unternehmens engagierte sich zuletzt vor allem in der Jugendarbeit, etwa beim Handball. „Ich habe gedacht, jetzt muss ich auch langsam mal etwas für meine Altersklasse tun“, sagt der 73-Jährige.

Jeder fünfte Deutsche ist heute über 65 Jahre alt

Ebenfalls im Seniorenbeirat sind Broder Albertsen aus Wittorf, Ingelore Sperling aus Radbruch, Friedrich Frank aus Barum, Hans-Werner Schenk aus Bardowick und Uta Wenzlaw aus Vögelsen. Sie werden künftig in ihren Gemeinden als Ansprechpartner für die Sorgen und Probleme der Senioren zur Verfügung stehen und als beratendes Gremium die politischen Geschicke der Samtgemeinde mitbestimmen. Ein neues Sprachrohr für die Senioren der Samtgemeinde zu schaffen – für die Beiratsmitglieder war dieser Schritt dringend nötig. „Jeder fünfte Deutsche ist heute über 65 Jahre alt, sodass es nur natürlich ist, sich für deren Bedürfnisse und Belange einzusetzen“, nennt Broder Albertsen seine Motivation.

Und auch Norbert Biermann meint, „es ist gut, wenn wir vertreten sind und uns einmischen.“ Dabei geht das Prinzip Bürgernähe durchaus auf: auch Biermann wurde schon beim örtlichen Kaufmann auf sein neues Amt angesprochen. Sowieso dürften ihn die meisten Handorfer kennen. Seit 36 Jahren lebt Nobert Biermann in der Gemeinde, hat damals ein altes Bauernhaus gekauft und hergerichtet. Der Vater zweier erwachsener Töchter war in der Verwaltung tätig, Fachbereich Organisation. Inzwischen ist Biermann Rentner und geht neben seinem politischen Engagement noch einem anderen Hobby nach: der Landwirtschaft.

Dezentrale Sprechstunde

Und so prägen das politische Profil des Beiratsvorsitzenden nicht nur Themen wie Mobilität, günstiges Wohnen oder Pflege, „wir sollten uns auch mit den Themen Umwelt, Energie oder Problemen wie Ausländerfeindlichkeit und Rassismus beschäftigen“, findet er. „Wir sind alle verpflichtet, uns darum zu kümmern.“

Noch ist die Agenda des Seniorenbeirats jedoch überschaubar. Es gilt, sich erstmal kennen zu lernen und einen gemeinsamen politischen Fahrplan zu entwickeln. „Ein Thema wird eine dezentrale Seniorensprechstunde sein. Außerdem wollen wir bekannt werden, damit die Leute erfahren, dass wir da sind“, nimmt Biermann schon mal vorweg. Alle vier bis sechs Wochen, so stellt es sich der Vorsitzende vor, wird sich der Beirat dann treffen, über die Sorgen der Bürger beraten und möglichst Lösungen finden. Denn, politisches Interesse ist das eine, „man muss aber auch bereit sein, etwas zu tun, die Ärmel hochzukrempeln und Themen anzugehen“, sagt Norbert Biermann.

Von Anke Dankers