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Die Baustelle an der Egersdorffstraße: Hier sollen Wohnungen entstehen, doch das Bauen im Senkungsgebiet ist heikel. Foto: t&w

Bauen auf schwierigem Grund

Lüneburg. Vor drei Jahren wurde das Haus an der Egersdorffstraße abgebrochen, inzwischen reifen die Pläne für einen Neubau: Der Lüneburger Immobilienunternehmer Jürgen Sallier hat die Fläche gekauft und ein Konzept für einen Bebauung entwickelt. Er sagt: „Wir werden vier Wohnungen bauen, das Gebäude soll in etwa so hoch werden wie ein Anbau der alten Kreissparkasse nebenan.“ Das Konzept sei in Absprache mit Verwaltung und Politik entwickelt worden. An Details arbeite er noch.

Das bestätigt Stadtbaurätin Heike Gundermann: „Im vergangenen Jahr hat sich eine interfraktionelle Arbeitsgruppe, die aus Mitgliedern des Bauausschusses bestand, zweimal mit dem Bauherren getroffen. Beim ersten Treffen wurden verschiedene Entwürfe vorgestellt und ein Architekt ausgewählt. Beim zweiten Treffen wurden Grundsätze für Planung und Gestaltung besprochen. Auf Grundlage dieser Gespräche wird ein Bauantrag erarbeitet. Wir rechnen damit, dass dieser Bauantrag demnächst zur Prüfung eingereicht wird.“

Erst einmal solle der Grundriss erarbeitet werden

Eben das will Sallier tun. Doch erst einmal solle der Grundriss erarbeitet werden, seien diese Planungen abgeschlossen, reiche sein Büro die Unterlagen im Rathaus ein.

Bekanntlich arbeiten die Handwerker dann an einer problematischen Ecke. Senkungen spielen hier seit Jahrzehnten eine große Rolle.

Nicht nur das: Den ehemaligen Friseursalon am Fuße des Marienplatzes hatten zwei Lüneburger Unternehmer im Jahr 2015 gekauft und wollten ein neues Fundament schaffen. Im Rahmen der Vorarbeiten wurde ein zugeschütteter Keller freigelegt. Dabei stellte sich heraus, dass das denkmalgeschützte Fachwerkhaus kurz vor einem Zusammenbruch stand und nicht mehr zu retten war. Denn der Untergrund ist schwammig, dazu läuft ein kleiner Bach durch die Reste des ehemaligen Kellers. Um die Nachbargebäude nicht zu beschädigen, musste das Gebäude vorsichtig abgetragen werden. Später erwarb Sallier das Areal, angeblich für eine Summe im Millionenbereich. Er will das nicht kommentieren und sagt nur: „In der Stadt gibt es kaum Flächen.“

Geplant ist eine Flachgründung unter Verzicht auf einen Keller

Die Bauverwaltung weiß um den unruhigen Untergrund unter anderem aus mehreren Gutachten, die damals erstellt wurden. So muss erschütterungsarm vorgegangen und der hohe Grundwasserspiegel beachtet werden.

Heike Gundermann sagt dazu: „Geplant ist eine Flachgründung unter Verzicht auf einen Keller. Der detaillierte Lösungsvorschlag wird Bestandteil des Bauantrages sein.“ Und: „Der Bauherr muss auf Grundlage des Baugrundgutachtens und einer darauf aufbauenden statischen Berechnung einen Lösungsvorschlag erarbeiten.“

Sallier rechnet damit, dass er im „Spätherbst loslegen kann“.

Von Carlo Eggeling

Eine bewegte Ecke

Abriss und Neubau am Marienplatz

In den 1950er- und 60er-Jahren lässt die Stadt angeblich aus Sicherheitsgründen mehrere Häuser abreißen, betroffen ist vor allem der Bereich Neue Sülze und Altstadt. Der Grund: Die Saline hat 1000 Jahre lang Sole abgepumpt, der Boden senkt sich. Ein spätes Opfer wird die Post an der Ecke zum Marienplatz. Als Reichspost öffnet sie 1891 ihre Türen, die Kuppel besitzt ein Eisengerüst für neumodische Fernsprechleitungen. Immerhin gibt es 1899 insgesamt 84 Teilnehmer. Zuvor stand dort das Gasthaus Friedrick Balckes samt einer Turnhalle für den Sportverein Treubund.

1972 läutet das Totenglöckchen für die Post, erst Mitte der 1990er-Jahre bebaut Investor Jürgen Sallier den von der Verwaltung genutzten Parkplatz. Der Boden und das Grundwasser wehren sich: Der Bauherr und sein Partner müssen das Projekt „schrumpfen“, weil Anlieger Risse in ihren Gebäuden beklagen, die sie auf die Veränderungen zurückführen.