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Tausende Euro soll Franziska Liepner für den Ausbau der Straße „An der Aue“ zahlen. Geld, das die 87-Jährige nicht hat. Foto: t&w

Dahlenburg will ausbauen

Dahlenburg. In „Divisionsstärke“ werden die Anwohner aufmarschieren, hatte Christine Haut (CDU) prophezeit. Die Bürgermeisterin des Fleckens Dahlenburg soll Recht behalten: Selten war eine Sitzung in Dahlenburg so gut besucht, wie die des Umwelt-, Bau- und Straßenbauausschusses am Dienstagabend. Mehr als 50 Zuhörer füllen den Saal. Wer auch nur Minuten zu spät kommt, muss schauen, wo er noch einen freien Sitzplatz findet.

Emotionen kochen immer wieder hoch

Dafür erleben die Zuhörer eine Sitzung, in der die Emotionen immer wieder hochkochen zwischen Ratsmitgliedern und Anwohnern. Zwischen den Fronten die Verwaltung: Vertreten durch Gemeindedirektor Christoph Maltzan und Bauamtsleiter Michael Glüh. Sie müssen vertreten, was die Politik in Dahlenburg beschlossen hat und was jetzt zu großer Unruhe im Flecken führt – die Sanierung von Straßen, die in die Jahre gekommen sind. Starten will die Gemeinde noch in diesem Jahr mit dem Ausbau der Straße „An der Aue“. Die Kosten für die vom Ausschuss mehrheitlich empfohlene Ausbau-Variante belaufen sich auf 431.000 Euro.

Es ist die teuerste der fünf vorgestellten Varianten. Den Löwenanteil, 75 Prozent, müssen die Anwohner finanzieren, die restlichen 25 Prozent trägt die Kommune. So ist es in der Straßenausbaubeitragssatzung geregelt, die, wenn es nach dem Willen der Zuhörer geht, schnellstmöglich abgeschafft gehört.

„Satzung ist eine Gängelsatzung“

Diese Auffassung vertritt auch Ratsherr Karl May (SPD). Er sagt: „Die Ausbausatzung ist eine ,Gängelsatzung‘“. Immer mehr Städte und Gemeinden, so May weiter, würden sich ebenfalls von dieser Satzung verabschieden, „weil sie die ungerechteste aller Lösungen ist.“

Überhaupt: Dass die Straße „An der Aue“ in einem so schlechten Zustand sei, das sie jetzt für teures Geld grundsaniert werden muss, bezweifeln die Anwohner. „Mir wäre schon geholfen, wenn Sie mir den Sinn dieser Maßnahme erklären würden“, fordert ein Anlieger. Nicht nur aus seiner Sicht gebe es Straßen in Dahlenburg, „die deutlich reparaturbedürftiger“ seien. „Warum beißen sie sich ausgerechnet ,An der Aue‘ so fest?“, will er wissen.

„Da müssen Sie die Politik fragen, die hat das Straßensanierungs-Kataster beschlossen“, erinnert Bauamtsleiter Glüh süffisant, erklärt dann aber, dass eine Bohrkern-Untersuchung die Sanierungsbedürftigkeit der Straße belegt habe. Den Anwohnern wirft er eine St.-Florians-Mentalität vor: „Würden wir mit einer anderen Straße beginnen, würden wir dort die gleiche Diskussion führen,“ ist er überzeugt. Sein Resümee: „Wir werden nie zusammenfinden. Wir müssen Straßen sanieren, was Sie nicht wollen.“

„Warum die plötzliche Eile?“

„Unsere Verpflichtung als Gemeinde ist es aber, die Straßen instand zu halten“, erinnert Haut – in welcher Form auch immer! Thomas Meyn (CDU) sieht das genauso, sagt: „Wenn wir ausbauen, werden wir die Maßnahme über die Straßenausbaubeitragssatzung abrechnen.“ Aus seiner Sicht sei diese Vorgehensweise „alternativlos.“

Karl May, aber auch die vielen Zuhörer sehen das anders: „Warum die plötzliche Eile?“, will etwa Anwohner Jürgen Schorfheide wissen – während Karl May zuerst eine Bürgerbefragung darüber fordert, was die Dahlenburger wirklich wollen. „Unserer Gruppe ist es wichtig, die Bürger mitzunehmen“, wirbt er um Unterstützung.

Unmut bleibt nach zwei Stunden Diskussion

Für Aufregung sorgt Thomas Behr (Grüne), der den Anwohnern wortreich zu erklären versucht, dass eine Straße nicht ewig halte. „Genauso wenig wie das Dach eines Hauses oder ein Auto.“ Darauf würde man sich doch auch einstellen. Er jedenfalls habe schon beim Kauf seines Anwesens die Kosten für die Straßenerneuerung einkalkuliert.

„Schön, dass Sie das mit eingeplant haben“, kontert Franziska Voigt und fährt unter Beifall der Zuhörer fort: „Meine Eltern haben die Straße aber schon einmal bezahlt und sollen das jetzt wieder tun?“

Am Ende der gut zweistündigen Sitzung sind Meinungen und Argumente ausgetauscht, doch der Unmut bleibt: „Die werden die Straße sanieren und wir müssen zahlen“, macht eine Anwohnerin ihrem Ärger Luft. Niemand will ihr widersprechen.

Von Klaus Reschke