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Behutsamer Weg zurück

Lüneburg. Es sollte zwar nur eine bescheidene Sieben-Loch-Bahn werden – mehr Platz war einfach nicht da –, für Lüneburgs Golfer aber wäre der Weg zu ihrem sportlichen Amüsement nicht weit gewesen. Doch Überlegungen, im südlichen Teil des Kurparks einen Golfplatz anzulegen, blieben schon in den Anfängen seiner Planung Makulatur. Daran wird auch die von der Stadt ins Auge gefasste gartenhistorische Rekonstruktion des Parks nichts ändern. Dem Original aus dem Jahr 1907 will man aber trotzdem wieder näher kommen.

Tiefreichende Sichtachsen, verschlungene Wege, blickfangende Solitäreichen, romantisch-historisierende Gebäudearchitektur, ein idyllischer Ententeich – dem Charme des Kurparks kann man sich nur schwer entziehen. Doch nicht alles hat die letzten gut einhundert Jahre überstanden. Immer wieder wurden Veränderungen vorgenommen, mit dem Abriss denkmalrelevanter Gebäude wie dem Badehaus und dem Kurhaus ging es dem im Stil des englischen Landschaftsparks angelegten Areals sogar richtig an die Substanz.

Das hat auch die Stadt längst erkannt. 2002 gab sie ein gartenhistorisches Gutachten in Auftrag, ein Jahr später stand fest, wo überall gesündigt worden war. Seitdem ist sie dabei, die „Fehlentwicklungen“, wie Grünplaner Peter Zurheide im jüngsten Umweltausschuss deutlich machte, durch „behutsames Vorgehen“ zu korrigieren. Keine Rodungen, sondern Anpassungen im Rahmen der alljährlichen Pflege- und Instandsetzungsarbeiten seien der Weg, dem Kurpark wieder sein ursprüngliches Gesicht zurückzugeben.

Rodungen soll es nicht geben

Dabei ist schon vieles abgearbeitet worden, wie Zurheide deutlich machte. Von der Freistellung raumbildender Heckenelemente über die Herstellung und Sanierung historischer Parkwege bis zur Entfernung von unsachgemäß angepflanzten Gehölzen und Wiederherstellung ehemaliger Sichtachsen reichen die fortwährenden Arbeiten. Hinzu kamen als größere Maßnahmen 2006 der Bau der neuen Fußgängerbrücke über die OHE-Bahnstrecke im Süden, 2007 der neue Brunnen sowie 2015 die Entschlammung des Ententeichs und der Einbau neuer Filtertechnik. Zugleich wurde der Spielplatz erneuert und erweitert; der Kurparkverein, der sich den Teil-Wiederaufbau des alten Badehauses zum Ziel gesetzt hat, spendete zehn neue Bänke.

Beendet sind die geplanten Korrekturen damit aber noch nicht. So soll der Haupteingang an der Uelzener Straße wieder ein passendes Entrée bekommen, ob mit kleinen Wächterhäuschen wie in früheren Jahren, blieb in der Sitzung offen. Auch die zum Teil aus den 50er-Jahren stammende Beleuchtung soll in Angriff genommen werden, natürlich insektenfreundlich, wie Zurheide im Ausschuss bestätigte. Zum neuen Lampentyp soll es Vorschläge geben.
Zur Diskussion stellte Zurheide das Anlegen eines „Baumkarrees“ als symbolhafte Darstellung am Originalstandort des früheren Kurhauses. Allerdings müssten dafür Bäume weichen. Offen ist noch, ob der Zaun, der die beiden Parkteile trennt, ansprechender gestaltet wird.

Der Vandalismus bleibt ein Ärgernis

Bei allem Hang zurück zum Ursprung gebe es laut Zurheide aber Grenzen. So ergebe ein ursprünglich geplanter Rundweg über die große Wiese im südlichen Teil keinen Sinn, dafür sei die Fläche zu nass. Auch auf andere Wegeverbindungen will man verzichten, dafür aber den neu geschaffenen Weg um den Ententeich beibehalten. „Der ist bei den Parkbesuchern äußerst beliebt“, erklärte Zurheide. Dies gelte auch für den vor allem von Radfahrern gern benutzten Weg von der Eisenbahnbrücke in Richtung Tennisplätze.

Die Einbindung des Kurparks in das geplante Projekt „Grünband Innenstadt“, wie Ralf Gros (Grüne) vorschlug, sei aus förderrechtlichen Gründen allerdings nicht möglich, wie Stadtbaurätin Heike Gundermann erklärte. Gros regte auch an, mehr gegen den Vandalismus im Park zu unternehmen, womöglich hielten sich die Kosten dafür mit den Kosten für die Behebung der Schäden die Waage. Dies sei Sache des Ordnungsamts, ließ Gundermann wissen.

Ulrich Blanck (Grüne) wies darauf hin, dass der Park auch für die Menschen da sein müsse. „Das eine schließt das andere ja nicht aus“, entgegnete die Ausschussvorsitzende Hiltrud Lotze (SPD). Sie regte zugleich an, Besuchern noch stärker ins Bewusstsein zu bringen, dass das Vorbild für den Kurpark der englische Landschaftspark sei.

Von Ulf Stüwe

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