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Angeklagter prahlte mit Erlösen aus den Drogendeals

Lüneburg. „Meine Schwester hatte sich total in ihn verliebt, sie war anfangs sehr glücklich mit ihm. Er aber hatte ihr sehr misstraut, hatte ihre Chats durchgeguckt, sie sollte ihm immer Bilder von dort schicken, wo sie gerade war.“ So skizzierte der 17-jährige Bruder die Beziehung seiner Schwester zu dem 22-Jährigen, der sie am 21. März 2018 im Haus seiner Eltern in Bergen bestialisch umbrachte, am Donnerstag am Landgericht Lüneburg.

Das Paar war eine Weile zusammen, im Februar 2018 gab es eine Trennung, wenige Tage vor der Tat laut Angeklagtem die Versöhnung. Laut Anklage kam die 18-Jährige zu ihm ins Haus, seine Familie war bei Verwandten in Russland. Beide nahmen LSD, dann tötete der 22-Jährige seine Freundin. Den Ermittlern bot sich später ein schockierendes Bild: Überall im Haus war Blut, die in der Badewanne liegende Leiche übersät mit Messerstichen. Der Angeklagte beruft sich auf einen „Filmriss“ durch den LSD-Rausch.

„Er erzählte von seinen teuren Anschaffungen“

Dass der 22-Jährige Drogen nahm und damit auch dealte, war dem Bruder des Opfers bekannt und hatte sich auch am Hermannsburger Gymnasium rumgesprochen, wo der Angeklagte zur Schule ging. Dem Bruder gegenüber prahlte er nach dessen Aussage mit dem Geld, das er aus den Drogengeschäften holte: „Er erzählte von seinen teuren Anschaffungen, Möbeln, einem Surroundsystem und anderen technischen Anschaffungen, einem ganzen Raum voller Markenschuhe, teuren Parfüms und seiner dicken Goldkette.“ Daneben habe er Geld mit Internetbetrug gemacht, sich als Frau ausgegeben und Männern Sex gegen 400 Euro angeboten: „Nach den Überweisungen per PayPal schrieb er den Leuten, dass das Geld nicht angekommen sei.“ So habe er erneut 400 Euro kassiert.

Der Bruder beschrieb den 22-Jährigen als „sehr dominant und manipulativ“. Lief etwas schief, „waren immer die anderen schuld“. Diese Dominanz habe sich auch in der Beziehung mit der 18-Jährigen gezeigt, auch beim Drogenkonsum: „Er nahm mit ihr LSD, Pilze und Gras, sie war aber eher abgeneigt.“

Schuld waren immer die anderen

Diese Dominanz hat der junge Mann wohl auch in der Schule ausgespielt, der Direktor sagte bei seiner polizeilichen Vernehmung: „Er verbreitete eine Kultur der Angst.“ Als dem Angeklagten mal im Unterricht Rauschgift aus der Tasche gefallen sein soll, die Schule dies der Polizei meldete, hätten sich Schüler geweigert, gegen ihn auszusagen. Am Donnerstag erzählte der Direktor von einer Austausch-Fahrt nach Finnland: „Schülerinnen wollten nicht mitfahren, wenn er mitfährt – aus Angst.“

Wann die „Versöhnung“ des Paars stattgefunden haben soll, ist unklar. Vier Tage vor der Tat erzählte er bei einem Fest einer Schülerin, dass er nicht mit der 18-Jährigen zusammen sei. Gegenüber einer anderen Schülerin äußerte er über die Trennungsphase: „Ich habe noch nie einen so starken Schmerz verspürt.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Rainer Schubert

Mehr dazu:

https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/2279522-ueberall-im-haus-war-blut