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Endlich lässt sich dieses verflixte Ding lösen: Ein Programm für den Zauberwürfel programmiert haben Tjorven Patragst (13, v.l.), Julian Salfeld (11) und Sören Heintzmann (13) vom Gymnasium Oedeme. Foto: t&w

Wenn der kleine Bruder nervt…

Lüneburg. Brüder können manchmal ganz schön anstrengend sein. Das zumindest haben Lotta Wellmeier und Tilda Kiesewetter festgestellt. Immer wieder seien ihre jü ngeren Brüder zu ihnen gekommen mit den Fußballsammelkarten der deutschen Nationalspieler. Beide Mädchen haben dieselbe Erfahrung gemacht: Weil ihre Brüder selbst noch nicht lesen können, sollten sie ihnen vorlesen, was auf den Karten steht. Wie viele Länderspiele hat Jonas Hector absolviert? Wie viele Tore Mario Gomez geschossen? „Das hat ganz schön genervt“, erzählt Tilda. Also haben die beiden Freundinnen ihre Köpfe zusammengesteckt und eine Lösung für das Problem entwickelt: Sie lassen jetzt die Karten für sich sprechen. Mit der pfiffigen Idee nehmen sie teil am Wettbewerb „Jugend forscht“.

Lotta und Tilda von der Grundschule Adendorf zählen zu den jüngsten Teilnehmern des Lüneburger Regionalwettbewerbs in der Universität und stehen sinnbildlich für das, was den Wettbewerb ausmacht: Schüler stoßen in ihrem Alltag auf ein Problem („nervende Brüder“) und entwickeln aus eigenem Antrieb eine Lösung dafür. Während Tilda selbst immerhin auch Fußball spielt und Manuel Neuer als ihren Lieblingsspieler nennt, hat Lotta mit dem Sport eigentlich gar nichts am Hut. „Ich interessiere mich nicht dafür.“

Doch ihren Bruder wollte auch sie nicht im Regen stehen lassen. Gemeinsam haben die Mädchen deshalb die Spielerkarten auf NFC-Chips geklebt, die Angaben auf den Karten einmal vorgelesen und aufgenommen, ein Programm geschrieben, mit dem sich diese Daten mittels eines RfD-Lesers automatisch ablesen lassen. Das Resultat: Wann immer die Jungs nochmal die Daten der Nationalspieler wissen wollen, können sie das künftig auch erfahren, ohne ihre Schwestern nerven zu müssen.

Wo sich Spinnen am wohlsten fühlen

Valentin Kurpeik, Kanato Franke und Tobias Mennerich haben ein Faible, bei dem andere ins Kreischen geraten – vor Angst: Sie mögen Spinnen, haben alle einige Exemplare zu Hause. In der Schule ist den zwölf Jahre alten Jungs vom Johanneum dann mal aufgefallen, dass sich auch dort Spinnen wohlzufühlen scheinen. „Wir haben im Treppenhaus unserer Schule Spinnen entdeckt“, erzählt Kanato. Und die brachten sie dann auf die Idee für ihr Projekt, Valentin erklärt: „Wir wollten herausfinden, an welchen Orten Spinnen vorkommen und warum sie sich im Keller besonders wohlfühlen.“

Die Spinnen aus dem Treppenhaus mussten für ihre Tierversuche herhalten, die allerdings wohl kaum einen Tierschützer zu Proteststürmen veranlassen dürften: In zwei Pappkartons haben die Gymnasiasten unterschiedliche Helligkeitstufen und verschiedene Wärmebereiche geschaffen – und siehe da: Die Spinnen mochten es alle dunkel und kühl. Nach einer Stunde durften die Krabbeltiere dann wieder zurück ins Treppenhaus. Echte Spinnen haben die Jungs zum Wettbewerb aber nicht mitgebracht: „Wir wollen ja niemanden zu Tode erschrecken“, begründet Valentin.

Ebenfalls am Johanneum lernt Anna-Sophie Schönewerk, die mit einem Projekt im Fachbereich Biologie antritt, bei dem sie zwingend ins Schwitzen gekommen ist. „Ich habe nach einer natürlichen Alternative für Aluminiumsalze in Antitranspiranten gesucht“, sagt die 16-Jährige. Zwar sei es wissenschaftlich nicht belegt, doch diese Salze, die die Schweißbildung verhindern, stünden in Verdacht, Brustkrebs und Demenz zu fördern. Also hat sie untersucht, ob Salbei, Eichenrinde, Johannisbeeren oder grüner Tee vielleicht auch die gewünschte Anti-Schweiß-Wirkung haben, die gelten ja unverdächtig hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen. Und tatsächlich: Ihr im vorigen Sommer angesetzter Beerenextrakt wirkte, das hätten sie und ein Freund im einwöchigen Selbstversuch getestet. Ihr Fazit: „Das hat zwar noch keine Marktreife, ist aber definitiv ausbaufähig.“

Hilfe beim Lösen des Zauberwürfels

Mit einem Spielzeug, das seit Generationen Kinder begeistert, aber auch zur Verzweiflung treiben kann, haben sich Julian Salfeld, Sören Heintzmann und Tjorven Patragst vom Gymnasium Oedeme beschäftigt: dem Zauberwürfel. Julian, mit elf Jahren der Jüngste des Trios, kann das Puzzle zum Drehen ohne Hilfe und mit wenigen Handgriffen lösen. Sören und Tjorven, beide 13, schaffen das nicht ganz, helfen könnte ihnen künftig aber womöglich ein Computerprogramm, das sie zusammen für den Wettbewerb geschrieben haben – exakt 4489 Zeilen haben sie dafür programmiert. Zwar ist die Software noch nicht ganz ausgereift, doch wenn die Farben des Würfels nicht allzu durcheinander geraten sind, klappt‘s mit dem PC-Programm schon. „Bis zu fünf Verdrehungen schafft unser Programm“, sagt Julian. Ihr Ziel: eine App fürs Smartphone entwickeln, die beim Farbendrehen hilft.

Von Alexander Hempelmann

Hintergrund

Der Wettbewerb

„Jugend forscht“ wurde im Jahr 1965 vom damaligen Stern-Chefredakteur Henri Nannen ins Leben gerufen. Der Wettbewerb unterteilt sich in die Regional-, Landes- und Bundesebene. Teilnehmer unter 15 Jahren treten in der Kategorie „Schüler experimentieren“ an.

In Lüneburg gibt es seit 1985 einen Regionalwettbewerb „Jugend forscht“, aus der Taufe gehoben hatte ihn Dr. Wolfram Juretko von der Wilhelm-Raabe-Schule. Die Softwarefirma Werum IT Solutions ist Patenunternehmen und Dr. Andrea Schroedter vom Gymnasium Hittfeld die Leiterin. Die besten Teilnehmer in den verschiedenen Fachgebieten – von Chemie über Physik und Biologie bis zur Arbeitswelt – qualifizieren sich für den Landeswettbewerb, Jugendliche ab 15 Jahren können es darüber dann auch ins Bundesfinale schaffen.