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Karsten Johansson und Thomas Winkler auf der Suche nach Netzempfang. Foto: t&w

Neumühlen kämpft um Sendemast

Neumühlen. Viel ist in den vergangenen Jahren im Landkreis Lüneburg diskutiert worden über den rasanten Wandel im digitalen Zeitalter, die Notwendigkeit von schnellen Internetverbindungen und den schleppenden Ausbau des Glasfasernetzes, der jetzt endlich angelaufen ist. Derartige Beschwerden sind für Thomas Winkler Jammern auf hohem Niveau. Er ist froh, wenn er aus seinem Wohnhaus in Neumühlen überhaupt eine E-Mail verschicken kann, an Handyempfang ist schon gar nicht zu denken. Der Laptop des ehemaligen Stintwirts läuft 24 Stunden am Tag – in der Hoffnung, dass E-Mails irgendwann dann doch gesendet werden.

Gemeinde fühlt sich stiefmütterlich behandelt

Selbst wenn er den Notruf wählt, erscheint auf Winklers Display „Nicht im Netz registriert“. Eigentlich arbeiten er und seine Frau von zu Hause aus, doch inzwischen hat Winkler sich im Büro eines Freundes in Lüneburg einquartiert, „hier ist man ja quasi handlungsunfähig“, sagt er. Die Situation bei seinen Nachbarn sei ähnlich. „In Sachen Glasfaserausbau haben wir hier leider keine Priorität“, bedauert Neetzes Bürgermeister Karsten Johansson. Auf Beschwerden sei bislang wenig Rückkopplung von der Telekom gekommen.

Die Situation mit dem Internet werde dieser Tage eher schlechter. Winkler hält die Umstellung auf Internet-Telefonie für den Grund. „Ein Techniker hat mir erklärt, ich müsse mir das so vorstellen wie einen Feuerwehrschlauch: Je mehr Leute umgestellt werden, desto weniger kommt beim Einzelnen an.“ Landkreis, Landrat und Bürgermeister hätten sich schon für eine Verbesserung der Situation eingesetzt, so Johansson. Vor allem Ostheides Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer habe sich sehr ins Zeug gelegt. „Langsam kommt die Sache ins Rollen. Zumindest ist mal eine Karte des Kommunalbeauftragten bei der Samtgemeinde reingeflattert. Man plant wohl einen Sendemast.“ Konkreter sei die Telekom jedoch noch nicht geworden.

Reihenfolge lässt sich ja jetzt nicht mehr umstellen

Johansson kann nicht verstehen, dass die Bedürfnisse seiner Gemeinde derart stiefmütterlich behandelt werden. „Neetze gehört zum geförderten Ausbauprojekt des Landkreises Lüneburg, bei dem Projekt wird Glasfaser bis ins Haus gelegt. Das ist ein großes Ausbauvorhaben, das vor allem dazu dient, Haushalte mit schnellem Internet zu versorgen, die bislang als unterversorgt gelten“, heißt es von Stefanie Halle, Pressesprecherin der Telekom Region Nord. Soweit so gut, bleibt die Frage, wann.

Die Neumühlener hingegen können nicht verstehen, warum mit dem Ausbau dort begonnen wird, wo es aus ihrer Sicht deutlich weniger Probleme gibt. „Wir würden uns wirklich sehr freuen, wenn der Breitbandausbau da starten würde, wo die Not am größten ist“, sagt Bürgermeister Johansson. „Aber das ist ein frommer Wunsch, die Reihenfolge lässt sich ja jetzt nicht mehr umstellen.“ Er hofft dennoch, dass es nun so schnell wie möglich vorangeht.

Wochenlang funktionierte das Festnetz nicht

Die Neumühlener sind leiderprobt, nur kein Internet zu haben ist für manch einen hier eine Luxussituation: Bei der letzten Umstellung auf IP-Telefonie war wohl etwas schief gegangen, Winkler und etliche seiner Nachbarn waren danach telefonisch nicht mehr erreichbar. „Raustelefonieren ging noch, aber wenn man uns anrief, war die Leitung tot“, erzählt Thomas Winkler. „Das ging so vom 22. November bis Mitte Januar. Meine Frau und ich handeln mit Brennholz, für uns war es eine Katastrophe in dieser Jahreszeit nicht mehr erreichbar zu sein.“

Seine SOS-Rufe bei der Telekom und der Bundesnetzagentur seien zunächst ins Leere gelaufen, nach dem Besuch verschiedener Techniker sei letztlich die Telefonanlage von Voice Over IP zurück auf ISDN umgestellt worden – seitdem funktioniere der Festnetzanschluss wieder einwandfrei.

Aber: Die ISDN-Technik soll langfristig abgeschafft werden, Ende des Jahres will die Telekom deshalb einen neuen Versuch der Umstellung unternehmen. Mit einem Grinsen bezeichnet Winkler dieses Ansinnen als Drohung, „dann bricht doch wieder alles zusammen“, befürchtet der Neumühlener. Fest steht, dass es mit dem Internet für ihn noch dauern könnte. Auf LZ-Nachfrage heißt es seitens der Telekom: „Der Leitungsweg ist mit sieben Kilometern leider sehr lang, physikalisch nimmt die Bandbreite auf dem Weg immer ab. Wir können deshalb nicht mehr das herkömmliche Produkt anbieten. Unser Service ist dabei eine Übergangslösung zu finden.“ So heißt es für Winkler also weiter: warten.

Von Lea Schulze