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„Ich freue mich schon sehr auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen und will hier sehr schnell Fuß fassen.“ Sabine Schölzel wird neues Vorstandsmitglied der Sparkasse Lüneburg. Foto: t&w

Dritter Schritt Lüneburg

Lüneburg. Als sie aus dem winterlichen Oberbayern nach Lüneburg aufbrach, musste Sabine Schölzel ihr Auto erstmal von Schneemassen befreien. Doch dies war für d ie 45-Jährige keine Hürde auf dem Weg, wo sie hinwollte. Keine Hindernisse gab es dann wenige Stunden später im Verwaltungsrat der Sparkasse. Der wählte sie aus 50 Bewerbern als künftiges Vorstandsmitglied.

„Hoch qualifiziert“, „offen“ und „dynamisch“ würdigt Landrat Manfred Nahrstedt die Sparkassen-Betriebswirtin. Spätestens zum 1. Juli wechselt Schölzel von Landsberg am Lech nach Lüneburg. In der Hansestadt wird sie eine der wichtigsten Frauen in der Wirtschaft sein – und eine der wenigen.

Unter fünf Prozent liegt bei den Sparkassen der Frauenanteil in den Chefetagen. „Da ist noch was zu tun“, sagt die künftige Vorstandsfrau. Überlegt, aber nicht kampfeslustig. Es sei ein „komplexes Thema“, findet Schölzel. Die Sozialisierung der Frauen, Arbeit und Familie zu verbinden, ohne als „Rabenmutter“ angesehen zu werden, aber auch das „Buddy-Prinzip“ seien da schon Hürden: „Man muss aber auch selbst sagen, dass man das gerne machen möchte.“

Stetig nach oben auf der Karriereleiter

Als Sabine Schölzel 1990 im heimischen Mönchengladbach bei der Stadtsparkasse beginnt, sei der Vorstandsposten „nicht der Plan gewesen“. Doch bei ihr geht es Schritt für Schritt auf der Karriereleiter nach oben: Beraterin, Referentin und Bereichsleiterin, zuerst am Niederrhein, dann in Bonn. Zu Beginn des Jahrzehnts arbeitet die Finanzfachfrau beim Sparkassenverband in Berlin und leitet einen Innovationskreis. „Mensch, das kann ich ganz gut“, sagt sie sich und fasst einen Plan. „Das war der erste Schritt.“

In Pforzheim und dann in Landsberg geht er auf. Sie wird Bereichsdirektorin für Vertriebs- und dann fürs Marktmanagement und durchläuft die Qualifikation für ein Vorstandsamt. Der zweite Schritt folgt erst zu Beginn dieses Jahres. Sie wird stellvertretendes Vorstandsmitglied. Für den dritten Schritt war Lüneburg ihre erste Bewerbung.

„Möglichst mittendrin“

Und was für eine. Begeistert berichtet sie über Stadt, Region und ihr neues Haus. Mit ihrer Ehefrau hat sie schon die schöne Altstadt und die vielfältige Gastronomie kennen und schätzen gelernt. „Möglichst mittendrin“ will das kinderlose Paar hier leben. Die Sparkasse sieht Schölzel innovativ ausgerichtet. „Da ist schon vieles umgesetzt, was wir in Berlin ausgearbeitet haben.“

Unterscheidet sie sich als Führungspersönlichkeit von Männern? Das ist für sie keine Frage des Geschlechts, sondern eine der Generationen und der Persönlichkeit.

Und folgt nach dem dritten auch noch ein vierter Schritt? Sabine Schölzel lacht nach dieser Frage und sagt dann ganz direkt: „Ich wollte Vorstand werden. Das bin ich jetzt. Und das soll eine ganze Weile auch so bleiben.“

Von Marc Rath