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Schauspieler Julian Brodacz in der Salzmarkt-Kulisse der Rosen-Studios im Industriegebiet Hafen. Foto: be

Vom Büro auf die Bühne

Lüneburg. Als ihn seine Agentur anrief und ihm erzählte, dass er die Rolle des Laurenz Merz in den Roten Rosen bekommt, war sein erster Gedanke: „Puuuh, das ist aber weit weg.“ Seine Heimatstadt München und Lüneburg trennen immerhin mehr als 700 Kilometer. Doch Julian Brodacz war schnell klar, was diese Hauptrolle für ihn bedeutet: „Ich habe mich riesig gefreut, es ist meine erste große Filmrolle und eine Herausforderung für mich.“ Der 27-Jährige ist noch ein recht neues TV-Gesicht.

Julian Brodacz spielt die Figur des Laurenz, der sein Zahnmedizin-Studium schmeißt, um mit Leonie (gespielt von Lena Meckel) eine Bonbon-Manufaktur zu eröffnen, die er dann zunächst allein betreibt, weil sie plötzlich verschwindet. Auch bei Brodacz wies der berufliche Weg zunächst in eine völlig andere Richtung: „Ich bin gelernter Rechtsanwaltsfachangestellter, arbeitete von montags bis freitags. Und an den Wochenenden gab ich in Laienspiel-Ensembles Vorstellungen. Ich merkte, dass mich das Büro nicht ausfüllte, das war nicht spannend genug.“ So entschloss er sich für eine Schauspielausbildung, die er nach drei Jahren 2016 an der Internationalen Schule für Schauspiel und Acting erfolgreich abschloss.

„Danach hatte ich einige Theaterjobs“, erzählt der Akteur: „Und das Glück, dass ich schnell eine Agentur gefunden hatte.“ So bekam er 2017 seine erste TV-Gastrolle bei „Familie Dr. Kleist“: „Ich spielte an der Seite von Christian Kahrmann den Sohn einer Metzgerfamilie. Das waren zwei oder drei Drehtage.“ Begeistert hatte ihn der Hauptdarsteller Francis Fulton-Smith: „Es war ein total entspanntes Arbeiten mit ihm trotz des enormen Pensums, das er absolvierte. Er drehte gleichzeitig für drei bis vier Folgen der Serie.“ Weitere Engagements folgten: „In ,Aktenzeichen XY‘ war ich ein Bankangestellter, in ,SoKo München‘ das Opfer und in ,Alles was zählt‘ ein Laborant – ich war immer der nette Kerl.“

Zum Bergklettern taugt Lüneburg eher weniger

Den gibt er nun auch in den Roten Rosen: „Es macht mir viel Spaß am Set, es ist aber eine andere Art von Arbeit gegenüber meinen Gastrollen – es sind täglich viele Szenen, viel Text.“ Dabei hat er schon einiges von den erfahreneren Kollegen gelernt, verrät Julian Brodacz: „Beispielsweise was das Spieltempo angeht. Ich komme hier mit allen sehr gut klar, es ist ein Superteam.“ Dabei kommen seine Hobbys natürlich ein wenig zu kurz: „Ich treibe Sport in alle Richtungen, liebe das Bergklettern, gehe gerne ins Theater und ins Kino.“

An den drehfreien Wochenenden fährt er nach Hause nach München, ist allerdings auch dort beruflich aktiv: „Dann stehe ich in dem bekannten Boulevardstück ,Boeing Boeing‘ von Marc Camoletti auf der Bühne.“

„Lüneburg kannte ich vor den Rosen nicht so wirklich“, gesteht der junge Schauspieler, für den die Telenovela einen Karriere­sprung bedeutet. Richtig kennengelernt hat er die Hansestadt aus Zeitgründen auch immer noch nicht, doch er ist sicher: „Das kommt noch.“

Von Rainer Schubert