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Theologisches Forum
Sie werben für das Forum: (v.l.) der Theologe Dirk Schmid, Dechant Carsten Menges, VHS-Chefin Claudia Kutzick und Pastor i.R. Wilfried Haase vom Arbeitskreis Theologisches Forum Lüneburg. (Foto: be)

Der Mensch als Sklave der Technik?

Lüneburg. „Die Digitalisierung schreitet voran. Die Gesellschaft verändert sich, es geht fast nur noch ums Geld. Wo bleibt da eigentlich der Mensch?“ So skizziert Dechant Carsten Menges die Überlegungen des Vorbereitungsteams für das 54. Theologische Forum, welches Thema in diesem Jahr angepackt wird und welche Aspekte dabei beleuchtet werden sollen. Schließlich entschloss sich das Team, „Menschenbilder im 21. Jahrhundert“ vorzustellen unter dem provokanten Titel „Wenn ich groß bin, werd‘ ich Humankapital“. An vier Abenden nehmen sich Referenten des Themas aus verschiedenen Blickwinkeln an.

Die Reihe wird organisiert vom Arbeitskreis Theologisches Forum Lüneburg, ihm gehören der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis, die Evangelisch-reformierte Kirche, die Katholische Kirche und die Volkshochschule an.

Immer weniger Freiräume

Der Begriff Humankapital, 2004 zum „Unwort des Jahres“ gewählt, stammt ursprünglich aus der Volkswirtschaft und wurde dann als Produktionsfaktor in die Betriebswirtschaft übernommen. Er steht beispielhaft für eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die als Konsequenz den Menschen immer weniger Freiräume lässt. Die Verwertbarkeit unserer Tätigkeit, unserer Zeit und unserer Gedanken steht im Vordergrund. „Haben wir überhaupt noch eine Vorstellung davon, dass wir etwas anderes als Humankapital sind?“, fragt der Lüneburger Theologe Dirk Schmid und schildert die Situation so: „Der Mensch stellt sein Dasein zur Verfügung wie eine Bank Geld zur Verfügung stellt.“ Den Gedanken ergänzt VHS-Leiterin Claudia Kutzick: „Ich verkaufe meine Arbeit, meine Zeit, meine Freiheiten.“ Und das fange schon bei jungen Menschen in der Schule an, wo Folgsamkeit, Anpassung und Leistung mehr als Neugier und Wissenserwerb zählten.

Dass der Mensch selbst zu solchen Unfreiheiten beitrage, davon ist Wilfried Haase, Pastor im Ruhestand, überzeugt: „Wir optimieren uns selbst nach Leistungsgesichtspunkten. Wir machen uns zu Sklaven der Technik.“ Hier müsse das christliche Denken korrigierend eingreifen.

Superintendentin Christine Schmid sagt: „Nach Meinung von Forschern leben wir im Antropozän, einer wie nie zuvor vom Menschen geprägten Epoche der Weltgeschichte. Zugleich stellen technische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz die Einzigartigkeit des Menschen in Frage. Was sind wir Menschen? Kann man heute noch vom Menschen als „Krone der Schöpfung“ sprechen? Hat der Mensch auch zukünftig einen Wert in sich selbst oder ist er eine ,Ressource‘? Wir fragen im Theologischen Forum nach tragfähigen Bildern vom Menschen für das 21. Jahrhundert, betreiben also eine anthropologische ,Nabelschau‘, allerdings in großer Weite: mit theologischen und religionsphilosophischen Perspektiven sowie einem Experten aus der Wirtschaft und aus der Trendforschung.“

Zukunftsforscher sieht ganz neue Möglichkeiten

Neben drei Theologen ist beim Forum ein Zukunftsforscher dabei: der Österreicher Klaus Kofler. Er geht von folgendem Ansatz aus: „Der Mensch wird den digitalen Fortschritt nicht mehr stoppen können. Die Chancen und Risiken dieser Entwicklung stellen unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft schon heute vor völlig neue Herausforderungen. Daraus resultierend wird der analoge Mensch neue Möglichkeitsspielräume vorfinden, die es so aller Wahrscheinlichkeit nach noch nie gegeben hat.“

Das Programm im Glockenhaus

Referenten und Themen

  • Montag, 25. Februar, 20 Uhr: „Was ist der Mensch? Erkundungen im Alten Testament.“ Referent: Prof. Dr. Hermann Spieckermann, Göttingen
  • Dienstag, 26. Februar, 20 Uhr: „Zur Freiheit befreit? Das christliche Verständnis vom Menschen im Horizont der Moderne.“ Referent: Prof. Dr. Martin Laube, Universität Göttingen
  • Montag, 4. März, 20 Uhr: „Der Mensch als wirtschaftliche Ressource?“ Referent: Klaus Kofler, Zukunftsforscher, Dornbirn (Österreich)
  • Dienstag, 5. März, 20 Uhr: „Total digital? Der Mensch im digitalen Zeitalter aus evangelischer Sicht.“ Referent: Prof. Dr. Malte Dominik Krüger, Universität Marburg

Der Eintritt kostet pro Abend 7 Euro (ermäßigt 3,50 Euro), die Dauerkarte ist für 20 Euro (10 Euro) zu haben in der VHS, Haagestraße 4. Karten gibt es darüber hinaus an der Abendkasse im Glockenhaus.

Von Rainer Schubert