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Chefin Finanzamt
Die neue Vorsteherin des Finanzamtes für Fahndung und Strafsachen, Vera Nowotny, mit ihrem Vorgänger Jörg Schmidt-Hohensee (r.) und dem Landesamts-Präsidenten Dieter Meyer. (Foto: be)

Den Steuersündern auf der Spur

Lüneburg. Die Landesregierung hat Strukturänderungen bei den Finanzämtern für Fahndung und Strafsachen beschlossen: „Es fusionieren jeweils zwei Ämter, aus 16 mach 8“, sagte Dieter Meyer, Präsident des Landesamtes für Steuern Niedersachsen, gestern im Casino der Theodor-Körner-Kaserne. Das hat Auswirkungen auf Lüneburg. Meyer verabschiedete offiziell Regierungsdirektor Jörg Schmidt-Hohensee, der viereinhalb Jahre Vorsteher des Lüneburger Amtes war. Er hat diese Funktion nun schon seit November in Uelzen inne, dieses Amt wird zum 1. April 2019 mit dem Finanzamt Lüchow zusammengelgt – die erste Fusion im Land. Seine Nachfolgerin im Behördenzentrum Ost ist Regierungsdirektorin Vera Nowotny.

110 Mitarbeiter allein in Lüneburg

Die Behörde wurde 1982 in Lüneburg als Steuerfahndungsstelle gegründet, die Straf- und Bußgeldsachbearbeitung war zunächst noch räumlich ans Finanzamt Stade ausgelagert, wechselte 1988 dann nach Lüneburg. Arbeiteten hier anfangs rund 50 Mitarbeiter, sind es heute 110. Die Personalausstattung ist laut Präsident Meyer „aktuell verhältnismäßig gut, zumal die Amtsleitung bestrebt ist, plan- und außerplanmäßige Personalabgänge etwa durch Pensionierungen so gut wie möglich zu ersetzen – 2018 haben wir landesweit 480 Anwärter an Bord genommen“. Mit Blick in die Zukunft allerdings sagt er: „Die Suche und Bindung von qualifiziertem Personal für die Steuerverwaltung gestalten sich jedoch zunehmend schwierig. Dabei ist gerade im Bereich der Spezial­materie Steuerstrafrecht fachlich versiertes Personal erforderlich.“

Der Hintergrund: Die Herausforderungen für die Fahnder steigen, „die Beweisführung über Akten und Papiere reicht längt nicht mehr“. Die Ermittler müssten heute alles vom USB-Stick bis zum Smartphone auf Daten überprüfen. Meyer: „Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung macht sich der Einsatz von IT-Fachkräften bezahlt, wie zum Beispiel bei der Aufdeckung von Erlösverkürzungen durch den Einsatz von Betrugssoftware in elektronischen Kassensystemen.“ Meyer machte auch deutlich, dass die „Gefährdung der Fahnder bei Vor-Ort-Einsätzen“ zugenommen habe, er spricht sich für die Anschaffung von Schutzwesten aus.

Erste Frau an der Spitze der Behörde

Der Präsident dankte dem 1963 in Kiel geborenen Jörg Schmidt-Hohensee für die in Lüneburg geleistete Arbeit und skizzierte den Werdegang von dessen Nachfolgerin Vera Nowotny, der ersten Frau an der Spitze der Lüneburger Behörde. Sie wurde 1962 in Papenburg geboren, wo sie auch aufwuchs. In die niedersächsische Steuerverwaltung trat sie 1991 als Regierungsassessorin beim Finanzamt Osnabrück-Stadt ein. Es folgten Wechsel an die Finanzämter Celle, Uelzen und Lüneburg. 2016 wurde sie ans Finanzamt Uelzen abgeordnet und dort im Juni 2017 zur Vorsteherin ernannt. Der neue Posten bei der größeren Lüneburger Behörde bedeutet für sie einen beruflichen Aufstieg.

Präsident nennt Lüneburger Zahlen

162 Millionen Euro hinterzogen

Etwa 400 Fahndungsprüfungen erledigte das Lüneburger Finanzamt für Fahndung und Strafsachen. Laut Dieter Meyer, Präsident des Landesamtes für Steuern, wurden dabei knapp 28 Millionen Euro Mehrsteuern festgestellt, also hinterzogene Steuern. In den Jahren 2014 bis 2018, der Amtszeit von Jörg Schmidt-Hohensee, wurden so insgesamt etwa 162 Millionen Euro an zusätzlichen Steuern für den Fiskus ermittelt. Die Bußgeld- und Strafsachenstelle des Lüneburger Amtes hat im vergangenen Jahr etwas mehr als 1100 Strafverfahren wegen Steuerstraftaten erledigt und dabei allein Geldauflagen in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro festgesetzt.

Von Rainer Schubert