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Brandstifter
Der Angeklagte soll im Herbst vergangenen Jahres den Bauwagen des Naturkindergartens am Ochtmisser Kirchsteig angezündet haben. (Foto: be)

Hoffen auf eine Therapie

Lüneburg. Thomas Wolter sieht das Urteil als Chance: Der Angeklagte möge die Zeit nutzen, um in einer Therapie gezielt an seinen Problemen zu arbeiten. Behutsam erklärte der Vorsitzende Richter der 2. großen Strafkammer am Lüneburger Landgericht dem geistig zurückgebliebenen „Windelmann“ den Schuldspruch. Der 34-Jährige nickte immer wieder bei der Urteilsverkündung und sagte: „Ich will mich bessern und keine Straftaten mehr begehen.“

Wie es nach dem psychiatrischen Gutachten des Sachverständigen Frank Wegener zu erwarten war, ordnete die Kammer neben einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten die Unterbringung des Lüneburgers im Maßregelvollzug an. Dort, in der forensischen Abteilung der psy-chiatrischen Klinik, werden seelisch kranke Straftäter behandelt.

In Jüttkenmoor, am Kirchsteig und Auf der Höhe gezündelt

Das Gericht hält den Mann für zwei Brandstiftungen und eine Sachbeschädigung verantwortlich: Im Mai 2016 zündete er im Keller eines Blocks in Jüttkenmoor ein Sofa an, die Bewohner mussten durch verqualmte Treppenhäuser ins Freie fliehen. Im Herbst vergangenen Jahres fackelte der Angeklagte den Bauwagen des Naturkindergartens am Ochtmisser Kirchsteig ab. Diese Taten wertete das Gericht als Brandstiftung. Zudem setzte der Angeklagte im August 2018 an der Kita Sonnenschein Auf der Höhe zwei Mobiltoiletten in Brand. Das stufen die Richter als Sachbeschädigung ein.

Der Angeklagte hatte dem Gericht geschildert, dass er die Feuer gelegt habe, weil er sich schlecht behandelt gefühlt habe: „Ich war unter Druck.“ Ob dabei sexuelle Gedanken eine Rolle spielten, bleibt eine Vermutung. Eine Bedeutung hat offensichtlich Kot für den 34-Jährigen: Am Bauwagen wurden seine Haufen und Toilettenpapier gefunden, bei einer Überprüfung nach dem Feuer Auf der Höhe entdeckte die Streife eine Kotkugel bei dem Mann.

Auf Säcken voller Windeln geschlafen

Zudem hatte er Windeln aus den Mülltonnen von Kitas entwendet, diese samt Kindersachen in Säcke gesteckt und darauf geschlafen. Überdies hatte die Polizei Jahre zuvor im Zusammenhang mit einem anderen Verfahren kinderpornografische Bilder bei dem Mann gefunden. Gleichwohl meinte der Gutachter, dass er Übergriffe auf Kinder oder andere Gewaltdelikte für unwahrscheinlich halte. Der Angeklagte hatte im Prozess gesagt, dass er sich eine Freundin wünsche, aber keine Frau wolle mit ihm zusammen sein. Das mache ihn traurig und setze ihn „unter Druck“.

Richter Wolter betonte, dass der Angeklagte in seinem Zustand gefährlich sei: „Wir müssen die Allgemeinheit schützen.“ Die Feuer seien „keine Bagatellen“, im Haus in Jüttkenmoor hätten Menschen geschlafen: „Es hätte anders ausgehen können.“ Trotz seiner Minderbegabung seien dem Angeklagten mögliche Folgen bewusst gewesen. Die Hoffnung: Eine Therapie hilft dem Brandstifter, mit Misserfolgen umzugehen. Wolter sagte zu dem Lüneburger, der schon jetzt am Wienebütteler Weg untergebracht ist: „Sie sind auf einem guten Weg. Lassen Sie sich nicht entmutigen, das Leben ist so.“

Von Carlo Eggeling