Dienstag , 17. September 2019
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LSK Goseburg
Schön ist anders: Das ehemalige Clubhaus des VfB Goseburg wird von LSK-Hansa-Vize Alexander Diercks „Schandfleck“ genannt. (Foto: be)

Die unendliche Geschichte

Lüneburg. Wenn Alexander Diercks erst einmal damit beginnt, alle Unterlagen zum Thema Neubau auf der Goseburg auszupacken, dann ist der Tisch im Konferenzraum seiner Firma bald voll mit Papier. „Wenn ich gewusst hätte, wie das endet“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Lüneburger SK Hansa, begleitet von einem Schulterzucken, „dann hätte ich damit gar nicht erst begonnen“. Dass der unendlich wirkende Streit um das Clubhaus in der Goseburg demnächst vielleicht ausgestanden ist, darauf baut Diercks nach wie vor: „Wir meckern nicht. Ich möchte das jetzt einfach umsetzen.“

Constien plant eine Groß-Demonstration

Es ist eine Geschichte voller Missverständnisse, die Diercks da erzählt. Eine Geschichte des ständigen Wartens auf Genehmigungen, sagt der Vize des Fußball-Regionalligisten. Eine Geschichte der fehlenden Unterlagen, entgegnet man im Lüneburger Rathaus. Eine Geschichte, die viel zu kompliziert ist für einfache Antworten.

Henning Constien etwa, der beim LSK kommissarisch den Bereich Finanzen und Organisation übernommen hat, will in der kommenden Woche als Privatperson bei der Stadt eine Demonstration unter dem Motto „Kinder/Jugendliche helfen Kindern/Jugendlichen, um unter menschenwürdigen Bedingungen Sport zu betreiben“, anmelden. Constien geht „im Moment von zirka 12 000 bis 15 000 jugendlichen Teilnehmern“ aus.

„Als ich das gehört habe, bin ich aus allen Wolken gefallen“, gesteht Diercks. Eskalation ist seine Sache nicht, wenngleich auch dem Unternehmer die Missstände in der Goseburg bekannt sind. Wer einmal das Clubhaus von innen gesehen hat, mag sich nicht vorstellen, dass sich dort nicht nur die Regionalliga-Fußballer, sondern auch 240 Kinder und Jugendliche duschen und umziehen. Diercks wollte ursprünglich schon im vergangenen Sommer das baufällige Haus, für das er gut 40 000 Euro aus eigener Tasche bezahlt hatte, abreißen lassen. An der Stelle sollten zunächst Container stehen, dann der Neubau mit einem Clubheim, Umkleiden und darüber Büros im ersten Stock.

Keine Genehmigung nötig

Im August stellte sich heraus, dass er für die Aufstellung der Container keine Genehmigung gebraucht hätte. „Die Stadt war wohl davon ausgegangen, dass die dort fest installiert werden sollten, ich hatte aber nur an eine Übergangslösung gedacht“, erläutert Diercks. Doch da lief die Saison schon – und er verwarf die Containerlösung zunächst, ließ die Anlagen im alten Haus notdürftig ertüchtigen, damit man sich dort überhaupt duschen kann.

Diercks blieb ebenso im engen Kontakt mit städtischen Ämtern wie Björn Busch, der sich beim LSK Hansa um die Plätze kümmert. „Wir hatten dort immer wieder mit anderen Ämtern und Personen zu tun“, stellte Diercks fest. Doch auch Oberbürgermeister Ulrich Mägde beklagt, dass es immer wieder andere Ansprechpartner beim LSK Hansa gab – und immer wieder andere Meinungen.

Seit Anfang November verfolgt Diercks, nach seiner Aussage auf Anregung des Bauamts, neue Pläne. Oberhalb des Bereichs für den Verein, den Diercks dem LSK kostenlos zur Verfügung stellen will, plant er den Bau von insgesamt 17 Wohnungen à 22 Quadratmetern. „Dafür ist unter anderem eine Lärmprognose nötig. Wir müssen feststellen, ob es durch diese Wohnungen Einschränkungen gibt“, unterstreicht Mädge.

Diercks wühlt aus einem seiner vielen Ordner Architektenpläne heraus. Der von der Stadt geforderte Spielplatz – vor Jahren standen an gleicher Stelle Wippen und Klettergeräte – ist dort ebenso eingezeichnet wie ein neu anzulegender Parkplatz. Der Streit um das Flutlicht, laut Mädge „rechtswidrig erbaut“, ist nach der Beschwerde eines Nachbarn und der Verlegung eines Mastes wenigstens mittlerweile erledigt.

Forderungen per E-Mail direkt vor dem Ortstermin

Doch der LSK-Funktionär kämpft sich nach wie vor an den Forderungen der Behörden ab. Als Beispiel nennt Diercks den Ortstermin vom 14. Januar. „Exakt eine Stunde und zwölf Minuten vor dem Termin habe ich eine E-Mail von der Stadt bekommen, in der stand, dass wir uns um ein Lärmgutachten bemühen und die Baumschutzordnung beachten sollten. So würde ich mit meinen Kunden niemals umgehen.“

Mittlerweile reden Stadt und LSK Hansa wenigstens wieder intensiv miteinander. „Ich mache der Stadt auch keinen Vorwurf“, stellt Diercks fest, wirbt aber auch für Verständnis: „Wir haben das Thema Stadionneubau, die Goseburg und den Umzug vom VfL nach Neetze – und wir machen das alles ehrenamtlich.“

Von Andreas Safft