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Bienenstöcke
Unbekannte haben die Deckel von Bienenstöcken entfernt - ein Todesurteil für die Bienen. (Foto: privat)

Todesurteil für 70 000 Bienen

Salzhausen. Unbekannte haben in einem Wald nahe Salzhausen 36 Deckel von einem Bienenstand heruntergerissen. So regnete es in die Stöcke hinein, etwa 70 000 Bienen erfroren oder ertranken. Imkermeister Wolfgang Stöckmann, dem die Bienenstöcke gehören, ist immer noch fassungslos. Er sei bei einer Imkertagung in Celle gewesen, als eine Passantin angerufen und gemeldet habe, dass an seinem Bienenstand etwas nicht stimmt, erzählt Stöckmann. Sein Mitarbeiter, der Imkermeister Oliver Löwe, sei sofort losgefahren und habe stehendes Wasser in den Kästen vorgefunden – und Tausende tote Bienen. Der Vorfall hatte sich offenbar schon einige Tage zuvor ereignet. „Wir können nicht jeden Tag alles abfahren“, so Stöckmann, „wir schauen etwa einmal die Woche dort nach dem rechten.“

Tiere hatten keine Überlebenschance

Die Insekten seien durch das Entfernen der Deckel im Winter dem Tode geweiht. „Ihnen fehlt bei diesen Temperaturen die Energie, sie haben kaum Kraft zu fliegen. Das ist als würde man uns bei Minusgraden in die Nordsee werfen, wir würden auch auskühlen“, erklärt der Berufsimker. Der 60-Jährige führt den Familienbetrieb seines Großvaters seit 1995 in der dritten Generation. „Die Bienen überwintern, indem sie sich eng aneinander schmiegen. Sie sitzen in einer Traube und tauschen regelmäßig durch, damit keins der Tiere auskühlt.“ Im Winter müssen sie trocken und geschützt im Bienenkasten sitzen. „Deshalb kann man die Stöcke jetzt auch nicht erneut öffnen und nachschauen, was im Inneren los ist. Wir würden die Bienen in ihrer Winterruhe stören – und so wieder der Gefahr des Todes aussetzen. Jetzt heißt es abwarten, bis die Außentemperaturen in Richtung 15 Grad steigen“, so Stöckmann. Erst dann wird wohl das ganze Ausmaß sichtbar werden.

„Diese Grausamkeit tut mir in der Seele weh.“ – Wolfgang Stöckmann , Betriebsimkermeister

Der materielle Schaden wird von Wolfgang Stöckmann und Oliver Löwe auf mehr als 3000 Euro beziffert. Nur für einen geringen Teil dessen wird die Versicherung aufkommen – das Leid der Bienen wiegt für die Imkermeister aber schwerer. „Das sind doch Lebewesen“, klagt Stöckmann an. „Diese Grausamkeit tut mir in der Seele weh.“ Die Bienen seien wehrlos gewesen, die Kälte mache es ihnen unmöglich, ihren Stachel auszufahren. Stöckmann geht davon aus, dass den Tätern das Ausmaß ihrer Tat nicht bewusst gewesen ist, tippt auf eine Mutprobe von Kindern oder Jugendlichen. Verständnis hat er dafür nicht, macht aber auch Unwissenheit für solche Vorfälle verantwortlich.

Appelle an Eltern und Lehrer

Er appelliert an Eltern und Lehrer: Man könne nicht früh genug damit anfangen, Kinder dafür zu sensibilisieren, wie man mit der Umwelt umgeht. „Wir Menschen, die wir uns in der Umwelt bewegen, haben doch den Grips, wir müssen wissen, was wir da tun. Nur der Mensch macht die Natur kaputt.“ So hart der Tod seiner Bienen ihn auch trifft, Stöckmann erhofft sich durch die aktuelle Aufmerksamkeit mehr Aufklärung: „Mich hat schon eine Dame angesprochen, dass sie wegen des Vorfalls nun mit ihren Enkeln über den Umgang mit Bienen im Wald sprechen wolle. Wenn sie nicht die einzige ist, dann können wir vielleicht einen Funken Hoffnung schöpfen, dass sich so etwas nicht wiederholen wird.“ Um die Täter zu finden, hat die Tierrechtsorganisation Peta jetzt eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt.

Zeugen werden gebeten, sich an die örtliche Polizei oder an die Tierrechtsorganisation Peta zu wenden (01520) 7 37 33 41, whistleblower@peta.de)

Von Lea Schulze