Dienstag , 17. September 2019
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Wolfsberater
Ein Wolf des Rodewalder Rudels darf abgeschossen werden. (Foto: Nabu/Jürgen Borris)

Wenn das Vertrauen nicht mehr da ist

Lüneburg. Der Streit um die Wölfe in Niedersachsen wird schärfer: In einem offenen Brief an Umweltminister Olaf Lies (SPD) fordern jetzt die niedersächsischen Schafzuchtverbände, dass 14 Wolfsberater „wegen Befangenheit“ von ihrem Amt abberufen werden. Die Kritik der Schafzüchter richtet sich damit auch dezidiert gegen zwei Wolfsberater aus dem Landkreis Lüneburg – Ulrike Kressel und Uwe Martens. Der Grund: Die beiden gehören mit zu den Initiatoren, die sich zuvor ihrerseits in einem offenen Brief geäußert hatten – wegen der von Lies erteilten Ausnahmegenehmigung zum Abschuss des Leitrüden des Rodewalder Rudels. Dem Leitwolf werden laut Umweltministerium zahlreiche Risse von Nutztieren zugerechnet. Das Tier habe wolfssichere Zäune überwunden und 40 Nutztiere getötet.

Am Freitag hatte das Verwaltungsgericht Oldenburg einen Eilantrag des Freundeskreises freilebender Wölfe abgewiesen. Damit darf der Wolfsrüde erschossen werden. Das Umweltministerium in Hannover hatte den Wolf Ende Januar per Ausnahmegenehmigung zum Abschuss freigegeben.

Keine Basis für Zusammenarbeit

Kressel und ihre Mitstreiter jedenfalls haben da noch ganz viele Fragen – und nach eigenem Bekunden auch nichts anderes in ihrem offenen Brief deutlich gemacht. Dass die Schafzuchtverbände trotzdem „keine Basis für eine Zusammenarbeit mehr sehen“, können die Wolfsberater nicht nachvollziehen: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Entnahme von sogenannten ‚Problemwölfen‘“, klärt Kressel auf, allerdings könne ein Abschuss nur als letzte Maßnahme nach Ausschöpfung aller milderen Mittel und Nutzung aller Alternativen in Frage kommen. „Das steht auch so im Niedersächsischen Wolfskonzept“, erklärt Kressel.

Die 14 Wolfsberater haben einen langen Fragenkatalog erstellt: Unter anderem wollen sie wissen, ob der in Ungnade gefallene Wolfsrüde „GW 717m“ tatsächlich als alleiniger Verursacher der Nutztierrisse in Rodewald (Landkreis Nienburg) in Frage komme: „Welche Schutzmethoden sind zum Einsatz gekommen? Und wenn ja: Wie genau definieren Sie den ausreichenden Schutz?“

Ebenfalls geklärt wissen wollen die Wolfsberater, wie hoch das Ministerium die Gefahr einschätzt, dass durch eine zerstörte Rudelstruktur die Nutztierschäden ansteigt.

Es hakt bei der Kommunikation

„Unsere Aufgabe ist es, die Bevölkerung und die Nutztierhalter über den Wolf aufzuklären“, sagt Uwe Martens. „Das können wir aber nur leisten, wenn wir auch alle Informationen erhalten und die Faktenlage kennen.

Das sei im konkreten Fall offenbar aber nicht geschehen“, kritisiert Martens das Umweltministerium und Kressel ergänzt: „Zwei Tage, bevor der Minister die Abschussgenehmigung erteilt hat, saß er noch mit Vertretern des ‚Arbeitskreises Wolf‘ an einem Tisch.“ Eine Information über die geplante Entnahme habe es in dieser Runde aber nicht gegeben.

Die Bedenken der Wolfsberater stoßen dennoch auf wenig bis gar kein Verständnis: „Das Schreiben der Wolfsberater ist darauf gerichtet, jegliche Anwendung der Ausnahmevorschriften zu unterlaufen“, kontern die Vertreter der Schafzuchtverbände und weiter: „Das Vertrauensverhältnis ist nachhaltig erschüttert.“

„Aus Sicht der Schafzuchtverbände ist es verständlich, dass auf den Brief der Wolfsberater reagiert wurde“, sagt eine Sprecherin des Umweltministeriums. Doch jetzt kommt es auf eine klare, nachvollziehbare Kommunikation an. Das Ministerium jedenfalls gehe davon aus, dass künftige Fragen der Wolfsberater im direkten Kontakt erörtert werden. „Minister Lies ruft zudem dazu auf, angesichts der vielfältigen Herausforderungen aufeinander zuzugehen und konstruktiv zusammenzuarbeiten“, appelliert die Sprecherin an alle Beteiligten.

Von Klaus Reschke