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Historische Holztruhen
Josef Röttgers und Ulrich Mädge schauen sich die Truhe aus dem 18. Jahrhundert genau an. (Foto: t&w)

Truhen als Zeichen der Verbundenheit

Lüneburg. Als die Samtgemeinde Gellersen vor etwa drei Jahren das Tagelöhnerhaus an der Lüneburger Landstraße 16 in Reppenstedt erwarb, ahnte noch niemand, welche Schätze sich in dem alten Gemäuer verbargen. Bei einer Besichtigung kamen fünf große Holztruhen aus dem 18. Jahrhundert zum Vorschein. Vier von ihnen hat die Samtgemeinde Gellersen nun in einer Fachwerkstatt aufwendig instandsetzen lassen. Drei davon sind ab sofort im Lüneburger Rathaus zu bewundern. Dort hat gestern Gellersens Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers die antiken Möbelstücke an den Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge übergeben. Beide möchten die Dauerleihgabe als Zeichen der Verbundenheit verstanden wissen.

Warum die Aussteuertruhen „für ein paar tausend Euro“ hergerichtet wurden, erklärt Röttgers: Der ehemalige Eigentümer des Hauses an der Lüneburger Landstraße habe keine Verwendung für sie gehabt. Um sie wegzuwerfen, seien sie jedoch kulturhistorisch viel zu wertvoll gewesen. Daher hätten die Verantwortlichen der Samtgemeinde entschieden, sie in ihren Originalzustand zurückzuversetzen und der Hansestadt zu überlassen. Für eine Übergabe an die Lüneburger sprachen nicht nur praktische Gründe: „Wir hatten selbst nicht genug Platz und brauchten eine imposante Aufstellfläche“, sagt der Gellerser Bürgermeister. „In das Lüneburger Rathaus passen die Truhen aber vor allem deshalb optimal, weil sie zeigen, dass wir nicht nur auf politischer, sondern eben auch auf vielen anderen Ebenen gute nachbarschaftliche Beziehungen pflegen.“

Möbel passen gut ins Rathaus

Ähnlich sieht das Ulrich Mädge: „Wir betrachten uns als Herz der Region, hier gibt es überall viele Verbindungen zwischen Stadt und Land. Vielleicht haben die Bauern, denen die Truhen gehörten, hier einmal Steuern gezahlt.“ Vor diesem Hintergrund passten die Möbelstücke sehr gut in das Rathaus der Hansestadt. „Ich finde es gut, die kulturhistorischen Verbindungen zu pflegen. Wenn man diese Verbindungen dann noch anfassen und sehen kann, ist es besonders gut“, sagt Lüneburgs Oberbürgermeister.

Zwei der antiken Aufbewahrungsmöbel haben bereits einen Platz im Rathaus gefunden. Eine eisenbeschlagene, rote Koffertruhe aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sowie die nach ihrem Besitzer benannte Dietrich-Zein-Truhe von 1779, zieren nun die Kämmereidiele. Für die dritte Truhe wird noch ein geeigneter Standort im Lüneburger Verwaltungsgebäude gesucht. Nummer vier, die sogenannte Porth-Truhe, bleibt vorerst im Reppenstedter Rathaus.

Als „runde Sache“ empfinden beide Verwaltungschefs die ganze Geschichte. Denn auf dem Grundstück, auf dem die antiken Truhen gefunden wurden, soll schon bald eine Wohnanlage mit 18 Einheiten errichtet werden, um dem Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum der Kommune zu begegnen. Umsetzen wird das Vorhaben mit der Lüwobau das kommunale Wohnungsunternehmen der Hansestadt Lüneburg – auch wieder so eine Verbindung zwischen den beiden Nachbarkommunen.

Zur Sache

Braut-Sache

Laut Andreas Bartels, Restaurator der zuständigen „Wassermann Möbel Werkstätte“ in Lüneburg, war die Truhe über Jahrhunderte hinweg das Verwahrmöbel schlechthin. In bäuerlichen, kleinstädtischen und handwerklichen Haushalten nutzte man sie unter anderem als Kornspeicher, Futter- und Mehlkiste, Kleiderkiste oder Aussteuerbehältnis. Gelegentlich seien auch Werkzeug oder Haushaltsgeräte in ihr verwahrt worden.

Im öffentlichen und kirchlichen Leben diente sie als Archiv-, Zunft- oder Geldtruhe. Wo Wertsachen sicher verstaut werden mussten, habe sie eine wichtige Rolle gespielt. Seit dem 16. Jahrhundert gehörte die Truhe auf dem Lande und in der Stadt zum Grundbestand der Brautausstattung. Zwar kamen bis ins 19. Jahrhundert auch Initialen oder Namen männlicher Besitzer an den Truhen vor, dennoch setzte sich die Bezeichnung „Brauttruhe“ durch, erklärt der Experte.

Von Emilia Püschel