Donnerstag , 21. November 2019
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Man wird sie noch häufiger sehen: Die Zahl der Wölfe in der Region ist weiter gestiegen. Foto: Rolfes/DJV

Der Streit um die Wölfe geht weiter

Amelinghausen/Lüneburg. Jochen Studtmann ist Pferdebesitzer und Chef des Glockenhofes in Amelinghausen. Er gilt nicht unbedingt als ein Freund des Wolfes. Doch dass er deshalb als Unruhestifter eingestuft wird, das erstaunt den Amelinghausener FDP-Kommunalpolitiker dann doch: Als er nämlich vor wenigen Tagen die Vortragsveranstaltung „Mit Wölfen leben“ im Archäologischen Museum in Oldendorf besuchen wollte, erwarteten ihn dort bereits zwei Streifenwagen.

Studtmann war nach eigenem Bekunden schnell kar, warum die Beamten dort im Einsatz waren: „Wegen mir!“, sagt Studtmann, der vor dem Veranstaltungsort seinen Pkw-Anhänger mit dem Transparent „Wolf, Nein Danke“ aufstellen wollte. Studtmann engagiert sich in der „Interessengemeinschaft der Weidetierhalter Nordost-Niedersachsen“ (WNoN).

Die „Beurteilung der Gefährdungslage“ habe zu diesem Einsatz geführt“, erklärten die Beamten Studtmann auf Nachfrage, der diese Aktion für deutlich überzogen hält. Sie zeigt aber, dass die Nerven blank liegen – bei Wolfsfreunden und Wolfsgegnern gleichermaßen.

Fall aber schlägt weiter hohe Wellen

Nicht zuletzt durch die Anordnung von Umweltminister Olaf Lies (SPD), der einen Problemwolf aus dem Landkreis Nienburg zum Abschuss freigegeben hat. Diese Anordnung hatten 14 Wolfsberater aus Niedersachsen öffentlich in Frage gestellt, unter ihnen auch Ulrike Kressel und Uwe Martens aus Lüneburg. Inzwischen hat aber auch das Verwaltungsgericht Oldenburg nach rechtlicher Prüfung grünes Licht für den Abschuss des Wolfes gegeben, der bereits mehr als 40 Weidetiere gerissen haben soll.

Der Fall aber schlägt weiter hohe Wellen, und jetzt sind es die Wolfsberater selbst, die ins Visier geraten: Nach den niedersächsischen Schafzuchtverbänden zweifelt jetzt auch der Bauernverband Nordostniedersachsen in einem Offenen Brief an das Wolfsbüro und seine Landvolkmitglieder die Kompetenz und die Unabhängigkeit der 14 Wolfsberater an. Wörtlich heißt es: „Diese Wolfsberater sind nicht neutral und deshalb aus unserer Sicht nicht mehr tragbar! Wir empfehlen unseren Mitgliedern daher, diese Wolfsberater nicht mehr zu Beratungen oder zu Rissen hinzuzuziehen. Von diesen Wolfsberatern ist keine neutrale und sachgerechte Spurensicherung und Beratung zu erwarten. Wir fordern das Wolfsbüro in Hannover auf, dafür Sorge zu tragen, dass eine sachgerechte und auf die Akzeptanz des Wolfes ausgerichtete Beratung der Weidetierhalter und Menschen im ländlichen Raum erfolgt. Nur durch die Akzeptanz der Bevölkerung auf dem Land ist der Artenschutz des Wolfes auf Dauer zu sichern.“ Aufgelistet sind in dem Schreiben dann die Namen der 14 in die Kritik geratenen Wolfsberater.

Wolfsrudel im Amt Neuhaus bestätigt

Unterdessen hat die Landesjägerschaft Niedersachsen vor wenigen Tagen die neuesten Zahlen in Sachen Wolf vorgelegt: Demnach sind in Niedersachsen zu Beginn des Jahres 2019 insgesamt 24 Wolfsterritorien offiziell nachgewiesen: 22 Wolfsrudel, ein Wolfspaar und ein residenter Einzelwolf.

Zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Jahres waren es 14 Wolfsrudel, zwei Wolfspaare und drei residente Einzelwölfe.

Auch die Zahl der eingegangenen Hin- und Nachweise habe sich weiter erhöht: Gingen im Kalenderjahr 2017 laut Landesjägerschaft insgesamt 2 939 Meldungen ein, waren es in 2018 bereits 3 036. Der offizielle Nachweis des 22. Wolfsrudels erfolgte erst vor wenigen Tagen durch den genetischen Nachweis eines Wolfswelpen im Amt Neuhaus.

Von Klaus Reschke

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