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Gülle
Einige Landwirte haben bereits – wie Jens Wischmann – moderne Ausbringfahrzeuge im Einsatz. (Foto: privat)

Landwirte starten die Gülleausfuhr

Lüneburg. Am 1. Februar endete die gesetzliche Sperrfrist für das Güllefahren. Landwirte dürfen seitdem wieder Gülle auf ihre Acker- und Grünlandflächen ausbringen. Betroffen von der Sperrfrist sind Gülle, Jauche und Gärreste aus Biogasanlagen, Geflügelkot, stickstoffhaltige Mineraldünger sowie viele Klärschlämme – sie dürfen laut Düngeverordnung auf Ackerland vom 1. Oktober bis 31. Januar und auf Grünland vom 1. November bis 31. Januar nicht ausgebracht werden, denn: In dieser Zeit ruht die Vegetation und nimmt kaum Nährstoffe auf.

2018 war die Lage angespannt

Im vergangenen Jahr hatten die Landwirte der Region diesen Stichtag sehnsüchtig herbeigefiebert, platzten ihre Lager doch aus allen Nähten.

Die Gülle in Fülle wurde zum Problem, Kreislandwirt Jens Wischmann erinnert sich: „2017 war unglaublich nass, von Frühjahr bis Herbst überflutete Äcker. Teilweise konnten die Landwirte deswegen im Herbst nicht mehr rausfahren und wussten nicht wohin mit ihrer Gülle.“ Im Weser-Ems-Gebiet hätten Kollegen sogar Notlager gebaut, alte Behälter reaktivieren müssen. Schön sei aber gewesen, wie man sich gegenseitig unter die Arme gegriffen habe. Am 1. ­Februar 2018, von Landwirten auch Gülle-Silvester genannt, habe man jubiliert. Dieses Jahr konnten die Lüneburger Landwirte dem Februar deutlich entspannter entgegenblicken. „Bei uns hat es keine Not gegeben, für meinen Bekanntenkreis gilt das ebenso“, berichtet Wischmann.

„Je wärmer, desto besser, dann ist der Boden trockener und das Wasser drückt nicht mehr so von unten hoch. “ – Jens Wischmann , Kreislandwirt

Anfang Februar habe er kaum Fahrzeuge auf den Feldern gesehen, viele hätten die wärmeren Temperaturen jetzt abgewartet. „Es ist natürlich deutlich angenehmer, erst dann loszulegen, wenn die Voraussetzungen wirklich stimmen“. Es hänge ja nicht nur am Datum.

„Je wärmer, desto besser, dann ist der Boden trockener und das Wasser drückt nicht mehr so von unten hoch“, erklärt Wischmann. Das habe man dieses Jahr abwarten können, eine Luxussituation. Dr. Hinrich Hüwing, Berater für Pflanzenschutz bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, bezeichnet die Bodenbedingungen dieser Tage als optimal. „Die Flächen sind nicht zu nass, es gibt keine Pfützen und die Trockenheit im Boden hat sich inzwischen relativiert“, betont Hüwing.

Keine Düngung auf gefrorenen Böden

2016/2017 sei eine Ausnahmesituation gewesen: „Die Güllepötte waren im Herbst schon voll und aufgrund der Nässe durfte ja gar nicht gedüngt werden.“ Für die Gülleausfuhr dürfe der Boden nicht überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt sein, so der Agrarwissenschaftler. „Und: Es muss Bewuchs gegeben sein, wo keine Pflanze, da kein düngen. Da hatten die Bauern bei der Witterung damals keine Chance, Gülle rauszubringen.“

Von Lea Schulze