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Kleingärten
Die Rundreise des Grünflächenausschusses durch die Kolonien – wie hier auf dem Archivbild Am Pferdeteich bei Heinrich Knust (r.) – gehört zur Tradition in Lüneburg. (Foto: A/t&w)

Mehr Zeit für die Gärten

Lüneburg. Die Spannung ist immer groß, wenn die Vertreter der Lüneburger Kleingartenvereine am Jahresende zusammenkommen und auf das Ergebnis warten, wer wohl dieses Mal gewinnt. Sie schätzen den Wettbewerb, der seit vielen Jahren vom Grünflächenausschuss als Anerkennung für den Einsatz und die Leistungen der Vereine umgesetzt wird. Nun aber soll das Prozedere geändert werden.

Zwei zentrale Punkte nannte Stadtbaurätin Heike Gundermann jetzt im Ausschuss, die nach Abstimmung mit dem Kleingärtnerbezirksverband künftig anders laufen sollen. So soll das bisherige Verfahren vereinfacht und auf das zuletzt „komplizierte Schema“ verzichtet werden. Auch die damit verbundenen Bewertungsbögen, die letztlich als Orientierung für die Platzvergabe gedient haben, sollen nicht weiter eingesetzt werden.

Geändert werden soll auch die Häufigkeit der Kleingartenbegehungen. Wurden bislang regelmäßig sämtliche 16 Anlagen in den Sommermonaten besucht, sollen es künftig nur noch acht pro Jahr sein, der „Sieger“ damit also nur noch alle zwei Jahre ermittelt werden.

Vereine wollen eigene Projekte vorstellen

Auch soll der Ausschuss künftig kein Thema mehr vorgeben, an dem entlang die Bewertung bislang vorgenommen wurde. Lieber möchten die Vereine beim Wettbewerb eigene Projekte vorstellen. Damit könne auch auf die zeitintensiven Rundgänge verzichtet werden, argumentierte Gundermann.

Im Ausschuss fanden die Vorschläge ein unterschiedliches Echo. Während Carmen Maria Bendorf (SPD) – „das nimmt den Druck aus den Terminen“ – und Frank Soldan (FDP) – „die Vereine müssen nicht mehr gegeneinander antreten“ – die Vorschläge begrüßten, plädierte Ulrich Blanck (Grüne) dafür, bei den Prämierungen stärker die besonderen Leistungen der Vereine in den Blick zu nehmen.

Nicht durchsetzen konnte sich Karl Wurm, der den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Ausschuss vertritt, mit seinem Vorschlag, statt der acht sogar nur drei Begehungen pro Jahr in Angriff zu nehmen. „Dann würde eine Begehung länger als fünf Jahre dauern“, sagte Gundermann, das sei nicht sinnvoll.

Für Vorgaben zum Anbau gibt es keine Mehrheit

Dem schloss sich Sascha Rhein an. „Man muss berücksichtigen, dass ein Vorstand alle zwei Jahre gewählt wird und er so unter Umständen seinen Verein in der Wettbewerbsperiode gar nicht vorstellen kann“, sagte der Vorsitzende des Kleingärtnerbezirksverbands.

Die Ausschussvorsitzende Hiltrud Lotze (SPD) ergänzte, auch der Ausschuss selbst konstituiere sich alle vier Jahre neu. Auch deshalb sollte der Zwei-Jahres-Rhythmus ausprobiert werden. Zugleich sprach sie sich für die Variante aus, dass die Vereine sich mit ihren Leistungen präsentieren.

Für die Beibehaltung klarer Bewertungskriterien setzte sich Ralf Gros (Grüne) ein. „Es kann ja nicht sein, dass wir die Vereine bewerten, ihnen aber nicht sagen wie.“ Die Vereine hätten ein Recht zu erfahren, was gut und was weniger gut war.

Unterstützung gab es dafür von Rhein. Die Prämierung sei bei den Vereinen beliebt. In der Vergangenheit sei aber häufig unklar geblieben, wie die Rangfolge zustande gekommen ist. „Eine Beurteilung und eine Mitteilung halten wir für sinnvoll.“

Klare Vorgaben, welches Gemüse angebaut und welche Blumen in den Gärten blühen sollten – auch mit diesem Vorschlag fand Karl Wurm keine Anhänger. „Der Ansporn geht zu weit“, sagte Rainer Mencke (CDU). „Es geht hier um Menschen, die ihre Freizeit gestalten und nicht die Welt retten wollen.“ Ganz im Regen wurde Wurm dennoch nicht stehen gelassen. Sascha Rhein lud ihn ein, mit seinen Ideen zu einer der nächsten Treffen der Kleingärtner zu kommen.

Von Ulf Stüwe