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Mit der Neuen Seidenstraße wächst auch der Druck auf die Bahnstrecke durch Lüneburg. Wöchentlich werden ab Hamburg 235 Verbindungen nach China per Güterzug angeboten. Und der Verkehr im Hafenhinterland steigt weiter. (Foto: A/jj)

Die Neue Seidenstraße erhöht den Druck auf die Schiene

Hamburg/Lüneburg. Auch Lüneburg spürt immer mehr die Handelsentwicklung entlang der Neuen Seidenstraße zwischen dem Hamburger Hafen und China : Der Anteil der Güterzüge nimmt zu. Zwar verzeichnete Deutschlands größter Universalhafen im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang im Seegüterumschlag um ein Prozent auf 135,1 Millionen Tonnen, doch im Hinterlandverkehr verzeichnete der Hamburger Hafen auf der Schiene ein neues Rekordergebnis: Mehr als 60 000 Güterzüge mit rund 1,6 Millionen Güterwagen wurden in Hamburg allein auf den Gleisen der Hafenbahn 2018 abgefertigt. Die steigende Bedeutung des Hinterlandverkehrs betonte auch Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann bei der gestrigen Jahrespressekonferenz der Hamburg Hafen Marketing im 20. Stockwerk des Atlantic-Hauses mit Blick auf den Hafen.

Hafenbahn meldet Rekordergebnis

Im landseitigen Seehafen-Hinterlandverkehr auf der Schiene wurden 2018 insgesamt 46,8 Millionen Tonnen Güter (plus 2,7 Prozent) transportiert. Der Container-Transport nahm sogar um 4,7 Prozent zu auf 2,44 Millionen 20-Fuß-Container („Twenty Foot Equivalent Unit“ = TEU). Wirtschaftssenator Westhagemann sagte: „Wenn man das betrachtet, was wir im Hinterland umschlagen, dann ist unsere Umschlagskraft, was die Schiene betrifft, so groß wie Bremen, Rotterdam und Antwerpen zusammen.“

Zehn Prozent der Güter reisen per Schiff weiter

Vom Gesamtumschlag im Hamburger Hafen (135,1 Millionen Tonnen) wurden 96,17 Millionen Tonnen anteilig über das Hinterland abgewickelt.

Bei den Verkehrsträgern im Hinterland nimmt die Bahn mit 47,1 Prozent den ersten Platz ein, danach kommt der LKW mit 42,8 Prozent. Und 10,1 Prozent wurden per Binnenschiff transportiert. Dabei spielen auch Schütt- und Greifgüter eine Rolle.

Ingo Egloff, Vorstand von Hamburg Hafen Marketing: „Wer den Bahnverkehr ausbauen will, muss auf die Anwohner Rücksicht nehmen.“ (Foto: dth)
Beim Blick auf in Containern versandte Güter sehen die Zahlen etwas anders aus.

Container bevorzugen Lkw

Von insgesamt 8,7 Millionen TEU wurden vergangenes Jahr 5,4 Millionen TEU übers Hinterland transportiert. Dort betrug der LKW-Anteil zuletzt 52,5 Prozent, die Bahn kam 2018 auf 45,2 Prozent und das Binnenschiff auf 2,4 Prozent. Dabei legten sowohl das Binnenschiff als auch die Bahn anteilmäßig zu.

Auch im Containerverkehr mit China nehme neben dem Hauptverkehrsträger Seeschiff der Transport auf der Schiene deutlich zu, heißt es. Dabei bleibe China Hamburgs größter Handelspartner: Jeder dritte in Hamburg umgeschlagene Container sei ein China-Container. Über die landseitige Neue Seidenstraße per Eisenbahn ab Hamburg werden wöchentlich mehr als 235 Verbindungen angeboten. Hamburg sei mit insgesamt 4,8 Millionen TEU der führende Umschlagsplatz in Europa für China-Ladungen, sagte Axel Mattern, Vorstand von Hamburg Hafen Marketing.

Streckennetz muss ausgebaut werden

Um den steigenden Güterverkehr auf der Schiene zu begegnen, muss das Streckennetz weiter ausgebaut werden. Dazu dient das Bahnprojekt „optimiertes Alpha-E + Bremen“ beziehungsweise Hamburg/Bremen-Hannover. Dabei steht auch ein dreigleisiger Ausbau der Teilstrecke Lüneburg-Uelzen zur Diskussion. Auf Nachfrage sagte Ingo Egloff, Vorstand von Hamburg Hafen Marketing: „Klar ist, wenn man Schienenverkehr ausbauen will, dass man dann auch auf die Bevölkerung Rücksicht nehmen muss. Das ist aber letztlich Sache des Bundes. Wir haben entsprechende Planungen im Bundesverkehrswegeplan, die Hamburg sehr gut positioniert haben.“ Auch bei der baulichen Umsetzung des Ostkorridors dürfe nicht nachgelassen werden.

Uelzen wird aufgewertet

Das Projekt „Ostkorridor“ wird derzeit von der Bahn vorangetrieben. Dabei soll die Trasse von Uelzen über Stendal ausgebaut werden und dann über Magdeburg weiter nach Süddeutschland beziehungsweise nach Osteuropa. Damit wird Uelzen als Knotenpunkt aufgewertet, was wiederum Auswirkungen auf die Strecke Lüneburg-Uelzen haben dürfte, wenn verstärkt Güter von oder zum Hamburger Hafen transportiert werden sollen.

Dabei werde der Hamburger Hafen auch im seeseitigen Güterumschlag bald wieder zulegen, sobald die Elbvertiefung abgeschlossen ist. Bereits in diesem Jahr sollen die ersten Mega-Carrier mit 23 000 TEU Ladung in Hamburg festmachen. Jens Meier, Geschäftsführer der Hamburg Port Athority (HPA) sagte: „Wir greifen als Hamburger Hafen jetzt wieder richtig an.“

Rückgang bei Containern

Weniger Export über den Hafen

Der Seegüter-Gesamtumschlag des Hamburger Hafens im Jahr 2018 betrug nach Angaben der Hamburg Hafen Marketing 135,1 Millionen (-1 Prozent). Davon entfielen 79,7 Milliionen Tonnen auf den Import (+1,7 Prozent) und 55,4 Millionen Tonnen auf den Export (-4,6 Prozent).

Von den Gesamtgütermengen waren 44,2 Millionen Tonnen Massengut (-1,2 Prozent) und 90,9 Millionen Tonnen waren Stückgut. Von dem Stückgut wiederum waren 89,4 Millionen Tonnen containerisiert.

Von den insgesamt 8,7 Millionen TEU („Twenty Foot Equivalent Unit“ / 20-Fuß-Container) waren 7,6 Millionen Container beladen. Der Containerumschlag ging insgesamt um ein Prozent zurück. 4,6 Millionen TEU entfielen auf den Import, 4,2 Millionen auf den Export.

Von Dennis Thomas