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Inzwischen sieht es schon wieder aufgeräumt aus, doch (v.l.) Stadtförster Michael Stall und seine Mitarbeiter Christian Möller und Markus Johnsen hatten noch im vergangen Jahr mit den Orkanschäden aus 2017 zu kämpfen. (Foto: Behns)

Heftige Sturmschäden

Lüneburg. „Wir hatten noch Glück!“ Michael Stall gibt so schnell nicht auf, sogar dem Orkanjahr 2017 kann Lüneburgs Stadtförster noch etwas Gutes abgewinnen. Zwei schwere Herbststürme waren damals im Oktober über Norddeutschland hinweggefegt und hatten in den Wäldern schwerste Verwüstungen hinterlassen. Sein Trost: Die Schäden in Lüneburgs Stadtwald waren geringer als anderswo, wie Stall bei der Vorstellung des Forstberichts 2017 kürzlich im Umweltausschuss berichtete.

„In anderen Regionen war der Schaden bis zu acht Mal so hoch“, berichtete Stall im Ausschuss. Doch auch im Lüneburger Stadtwald hatten die Orkane kräftig zugelangt, rund 2000 Kubikmeter Holz wurden binnen kürzester Zeit zu Fall gebracht, „ein Viertel dessen, was wir sonst in einem ganzen Jahr einschlagen“. Dass es dabei außergewöhnlich viele Laubbäume traf, hatte laut Stall einen einfachen Grund: „Die Bäume waren zu dieser Zeit noch gut belaubt und boten dem Wind eine entsprechend große Angriffsfläche.“

Höchste Einnahmen in der Stadtwald-Geschichte

Welches Ausmaß die Schäden aber im Lüneburger Stadtwald hatten, zeigte sich auch daran, dass die Aufräumarbeiten sich laut Stall bis in den Juli 2018 hinzogen – unter anderem, weil die Situation in den Wäldern wegen drohender Aststürze „extrem gefährlich“ gewesen sei. Entsprechend hoch seien die Kosten für die Verkehrssicherung zum Schutz vor umgestürzten Bäumen und herabfallender Baumteile gewesen, „die haben sich fast verdoppelt“, erklärte Stall.

Die hohen Kosten waren auch der Grund, warum die Bilanz trotz „der höchsten Einnahmen in der Geschichte des Stadtwaldes“ am Ende mit einem Minus abschloss, wie Stall ausführte. So standen Einnahmen in Höhe von knapp 640 000 Euro Kosten von knapp 660 000 Euro gegenüber. Zwar erwirtschaftete der reine Forstbetrieb einen Überschuss von rund 97 000 Euro, weil Stall und seine Mitarbeiter aber auch für die Instandhaltungsarbeiten für den Erholungswald zuständig sind und hier Kosten von 116 000 Euro anfielen, kam es unterm Strich zu einem Minus von rund 19 000 Euro.

Einen Blick ins Jahr 2018 warf Karl Wurm vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), als er sich über die Schäden des Borkenkäfers erkundigte. Die Dimensionen, verursacht durch die extreme Dürre des vergangenen Jahres, zeigte Stall auf: Lag der Schadholzausfall im August noch bei 1200 Kubikmetern Holz, steigerte er sich im September auf rund 2000 Kubikmeter.

Borkenkäferplage auch 2019 nicht unwahrscheinlich

Wegen der sinkenden Temperaturen im Oktober hätten sich die Käfer dann zwar in den Boden zurückgezogen, mit ihrem Absterben könne aber nur bei entsprechend kalter Witterung gerechnet werden. Der Befall könnte in diesem Jahr daher nochmals stärker als in 2018 sein, berfürchtete Stall. Allerdings versuche man unter anderem mit dem Aufstellen neuartiger Borkenkäferfallen der Plage Herr zu werden.

Wie Stadtbaurätin Heike Gundermann in der Sitzung bekannt gab, wird Michael Stall Ende August aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Die Stelle für einen Nachfolger werde in Kürze ausgeschrieben.

Forstbilanz 2017

▶ Holzeinschlag gesamt:
8018 Erntefestmeter (Efm)
davon Eiche: 829 Efm
davon Buche u.a.: 1240 Efm
davon Fichte: 2770 Efm
davon Kiefer: 3180 Efm

▶ Pflanzarbeiten: Im Rahmen der Neuaufforstungen wurden 27700 Laubbäume gepflanzt
davon Traubeneichen: 11650
davon Rotbuchen: 10525
davon Stieleichen: 4425

Von Ulf Stüwe