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Der Uferbereich am Lösegraben darf nicht bebaut werden, ein fünf bis zwölf Meter breiter Gehölzstreifen ist im Bebauungsplan festgesetzt. Foto: be

Naturschutz im Blick

Lüneburg. Knapp zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Stadt beschloss, einen Bebauungsplan für das idyllische und innenstadtnahe Areal am Lösegraben zwischen Bockelmannstraße und Altenbrückertorstraße zu erstellen. Ziel ist es, eine moderate Nachverdichtung zu ermöglichen, aber auch den Charakter des Viertels zu erhalten und Flächen hin zum Lösegraben frei von Bebauung zu halten. Die Verwaltung präsentierte im Bauausschuss den Entwurf des Bebauungsplanes „Altenbrücker Damm/Lüner Damm“, dem die Mitglieder bei zwei Enthaltungen zustimmten.

Lösegraben wichtig für den Fischotter

Nachdem der Verwaltungsausschuss im August 2016 den Aufstellungsbeschluss gefasst hatte, hatte die Verwaltung eine Bestandsanalyse vorgenommen und auf Basis dessen einen Entwurf angefertigt. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung habe die Untere Naturschutzbehörde eine FFH-Verträglichkeitsprüfung gefordert, erklärte Stadtbaurätin Heike Gundermann. Denn der Lösegraben und der Uferbereich sind als Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen, weil der Lösegraben für den Fischotter sowie Bachmuschel und Flussperlmuschel „besondere Bedeutung habe“. Deshalb darf der Uferbereich nicht bebaut werden, ein fünf bis zwölf Meter breiter Gehölzstreifen ist im Bebauungsplan festgesetzt. Die FFH-Verträglichkeitsprüfung hat im überarbeiteten Entwurf außerdem zu folgenden Festsetzungen geführt: Oberflächenwasser muss auf den Grundstücken versickern, darf nicht in den Lösegraben eingeleitet werden. Der Gehölzbestand ist zu bewahren beziehungsweise muss bei „Abgang“ durch heimische Sträucher und Bäume ersetzt werden.

Begrünung für Flachdächer

Die Verwaltung hatte außerdem ein Klimagutachten für den Teilbereich in Auftrag gegeben. Abgeleitet wurden auch daraus Festsetzungen für den Entwurf des B-Planes. Unter anderem müssen Flachdächer, die nur ausnahmsweise zulässig sind, mit 12 Zentimeter Substrataufbau begrünt werden, Nebengebäude mit Flachdächern (ab 20 Quadratmeter Grundfläche) mit mindestens 6 Zentimeter Substrataufbau. Für je 4 Stellplätze ist ein Laubbaum zu pflanzen, ab 300 Quadratmeter Grundstücksfläche ist je 300 Quadratmeter Grundstücksfläche ein Baum entsprechend einer Pflanzliste zu setzen.

Ferienwohnungen sind tabu

Außerdem sieht der Bebauungsplan vor, dass sich Baugrenzen an der bestehenden Bebauung orientieren. Nördlich der Parkstraße sind Gebäude mit zwei Vollgeschossen möglich, im übrigen Gebiet drei Vollgeschosse. Vorgegeben sind Sattel- und Walmdächer, nur in Ausnahmen Flachdächer. Bei der letzten internen Kontrolle habe man noch in den Entwurf eingearbeitet, „dass Ferienwohnungen und Spielhallen auf jeden Fall ausgeschlossen werden sollen“, erklärte Gundermann.

Diese Nacharbeit habe dazu geführt, dass die Unterlagen in gedruckter Form den Ausschussmitgliedern erst Anfang der Woche auf dem Tisch lagen. Das kritisierte Wolf von Nordheim (Grüne). Er forderte deshalb, die Beratung und Abstimmung zu verschieben. Die Mehrheit des Ausschusses folgte dem nicht. Zumal Gundermann darauf hinweis, dass man Tempo machen müsse, da die Veränderungssperre für das Areal nur bis zum Sommer gilt. Dann soll der Beschluss zum Bebauungsplan stehen.

Aus Sicht von Ulrich Löb (Grüne) führt der Neubau auf dem Grundstück Bürgergarten 4 zu einer Verengung des Luftströmungskanals, deshalb hätte eine Baugenehmigung doch eigentlich nicht erteilt werden dürfen, meinte er. Stadtbaurätin Gundermann hielt dagegen, dass das Grundstück bereits zuvor bebaut gewesen sei, der Bauantrag halte sich an die Festsetzungen und es gehe auch darum, Wohnraum zu schaffen. Birte Schellmann (FDP) hatte eine Nachfrage zum Bauvorhaben am Altenbrücker Damm, das den Blick auf St. Johannis verdecken könne. Gundermann skizzierte, dass der Neubau so positioniert werde, dass es zu keiner Sichtbehinderung käme.

Der Entwurf des Bebauungsplanes soll nun in die öffentliche Auslegung gehen.

Von Antje Schäfer