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Tanzschulen
Die jungen Tänzer wollen Breakdance, Hip Hop oder Streetdance lernen – eben alles, was cool ist. (Foto: t&w)

Von wegen verstaubtes Parkett

Lüneburg. Populäre Fernsehshows wie „Let‘s Dance“ sorgen dafür, dass das Tanzen in Deutschland ein echtes Hoch erlebt. „Den meisten Tanzschulen geht es momentan sehr gut“, hat Jürgen Ball, Leiter der Tanzlehrerakademie des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverbandes, jüngst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bestätigt. Er spricht sogar von einer „echten Renaissance“: „Den verknöcherten Ansatz mit Etikette und Co., den gibt es seit über zwanzig Jahren nicht mehr. Aber erst jetzt sickert es langsam auch nach außen.“ Das merken auch Lüneburger Tanzschulen.

Claudia Sachs, Inhaberin der Tanzschule Tanzkult, kann zwar keine in die Höhe schnellenden Mitgliederzahlen beobachten, sich aber dennoch regelmäßig über ausgebuchte Kurse freuen: „Bei uns läuft es gut. Wir können uns wirklich nicht beschweren.“ Das verdanke sie auch einem großen Kreis von Stammkunden. „Viele unserer Mitglieder sind von Anfang an mit dabei“, erzählt Sachs. „Es geht nicht nur um Leistung – bei uns steht das Miteinander im Vordergrund.“ Das wüssten die Kunden zu schätzen.

Mehr Jungs bei den Tanzkursen

Die Tanzschule Beuss hat erst im Januar ihre neuen Räumlichkeiten im Hanseviertel bezogen. Henning Koop, seit 2016 Inhaber, spricht einen Monat nach dem Umzug von einem „sehr positivem ersten Eindruck. Die Nachfrage ist noch immer sehr hoch“. Das bestätigt sich mit Blick auf das „Studio 2 – My place to move“, das vor drei Jahren im Norden Lüneburgs eröffnet hat. „Bei uns kommen immer wieder neue Kurse dazu“, berichtet Inhaberin Claudia Daniels. Sicher sei ein Grund aber auch das junge Alter ihrer Tanzschule. „Wir sind noch dabei, uns zu integrieren.“ Allgemein, und hier decken sich die Angaben der Lüneburger Tanzschulen, bewerte sie die Situation allerdings als „sehr gut“.

Verändert hat sich in den vergangenen Jahren einiges. Claudia Sachs beobachtet in ihrem Studio beispielsweise, dass „immer mehr Jugendliche, insbesondere Jungs“ zu den Tanzkursen erscheinen. „Unsere Kinderkurse sind immer besonders schnell ausgebucht“, ergänzt sie. Das sei bei den Angeboten für ältere Zielgruppen nicht unbedingt der Fall: „Ich habe das Gefühl, dass sich viele nicht mehr die Zeit für die wirklich wichtigen Dinge nehmen“, sagt Sachs. „Die Erwachsenen möchten gerne, knicken dann aber ein. Wir leben in einer extrem stressigen Gesellschaft – das ist schade.“ Auswirkungen habe das in erster Linie auf die Zusammensetzung des Kursangebots: Traditionelle Standard- und Lateintänze seien zwar weiterhin gefragt, sehen sich aber immer mehr Konkurrenz ausgesetzt. Gerade die jungen Tänzer stehen vermehrt auf Breakdance, Hip Hop oder Streetdance – „alles, was cool ist“, sagt Claudia Daniels. In ihrem Studio habe es sogar Anfragen gegeben, die sich um spezielle „Moves“ aus dem Videospiel Fortnite drehten. „So etwas erleben wir immer häufiger.“

Jugendliche wollen „Moves“ aus einem Videospiel lernen

Um der jungen Zielgruppe gerecht zu werden, spielen auch soziale Medien eine immer wichtigere Rolle. „Leider“, urteilt Claudia Daniels, „das Ganze ist nämlich wirklich anstrengend. Aber uns bleibt keine andere Wahl, wenn wir Aufmerksamkeit bekommen möchten“. Auch Claudia Sachs weiß: „Da kommt noch einiges auf uns zu.“ Gleichzeitig warnt sie davor, digitalen Medien zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. „Zumindest das erwachsene Publikum redet bei uns noch miteinander“, betont Sachs. „Und das soll auch so bleiben.“

Der Kalender der Lüneburger Tanzschulen ist in diesem Jahr prall gefüllt, schon in den nächsten Wochen stehen einige Veranstaltungen über die reinen Kurse hinaus auf dem Programm: Standard- und Lateintanzparty, Jugenddisco und „Musical Show Jazz” sind nur einige der Höhepunkte.

Von Oliver Becht